Funeral Casino Blues

Ein Film von Roderick Warich. Ab 13.8. im fsk.

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Jen lebt in Bangkok – zwi­schen der Rezeption eines Apartmenthauses und den Hotelzimmern frem­der Männer. Was sie ver­kauft, ist Zeit, Nähe, manch­mal nur einen Moment. Als ein Treffen eska­liert, greift Wason ein – ein Barkeeper, der mehr ver­lo­ren hat, als er zeigt. Für eine kur­ze Weile trei­ben sie gemein­sam durch die schwü­len Nächte.
Dann ist Jen fort. Keine Spur. Kein Abschied.
Pim, ihre Mitbewohnerin, beginnt zu suchen. Wason folgt ihr. Ihre Spur führt durch lee­re Gassen, frem­de Zimmer, offe­ne Schulden und Erinnerungen, die sich ent­zie­hen. Bis an die kam­bo­dscha­ni­sche Grenze – oder viel­leicht nur zurück dort­hin, wo Jen längst ver­schwun­den war.
Als Jen ver­schwin­det – ohne Nachricht, ohne Abschied – fol­gen ihre Mitbewohnerin Pim und der stil­le Barkeeper Wason ihrer Spur. Eine lei­se Suche beginnt, durch Nächte, Erinnerungen – und eine Stadt, die nie­man­den vermisst.

Wenn man im ers­ten Akt eine Pistole zeigt, muss sie im drit­ten Akt abge­feu­ert wer­den – eine dra­ma­tur­gi­sche Regel von Anton Tschechow, es geht dabei um Erzählökonomie, um das Vermeiden loser Enden, um den Aufbau von Spannung. Roderick Warich zeigt in sei­nem Film „Funeral Casino Blues“ schon ziem­lich am Anfang die Pistole: Wason (Wason Dokkathum) hat sie im Hosenbund ste­cken, er lüf­tet sein Hemd, um Jen (Jutamat Lamoon) vor einem auf­dring­li­chen Verehrer (sprich: Freier) zu befrei­en. Die Pistole wird immer wie­der auf­tau­chen. Sie wird auch abge­feu­ert. Aber dies im Off, nach Schwarzblenden, und auch nicht unbe­dingt im drit­ten Akt, weil so etwas wie eine kla­re Aktaufteilung, über­haupt eine struk­tu­rier­te, stan­dar­di­sier­te Erzählweise liegt Warich fern.
Und das macht sei­nen Film so unbe­dingt inter­es­sant, so unbe­dingt sehens­wert. Man muss sich nur dar­auf ein­las­sen, dann kann man ver­sin­ken in hyp­no­ti­schen Bildern, in denen die Kamera sich durch den Raum bewegt, durchs nächt­li­che Bangkok, dann kann man sich ver­lie­ren in den Figuren, deren Innerstem wir uns allen­falls annä­hern, dann kann man ein­tau­chen in eine Geschichte, die von der Liebesgeschichte in die Noir-Gangsterstory wech­selt, die zum Geisterfilm wird, ohne Horror zu sein.„
Kinozeit | Harald Mühlbeyer

Credits:

DE 2025 , 153 Min. · Thailändische Originalfassung mit deut­schen Untertiteln
Regie: Roderick Warich
Kamera: Roland Stuprich
Schnitt: Hannes Bruun
mit: Jutamat Lamoon · Wason Dokkathum · Jutarat Burinok · Piyapong Saebui · Rinda Hamer · Chayanee Choomnoommanee

Trailer:
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