Petting Zoo

Ein Film von Micah Magee.

[im Kino] [Pressezone]

Layla steht kurz vor ihrem Schulabschluss, als sie erfährt, dass sie schwanger ist. Ihren Freund hat sie gerade verlassen und weil sich ihre Familie weigert, einer Abtreibung zuzustimmen, fügt sich Layla in ihre Situation und lässt den Plan, auf's College zu gehen, fallen. Weil es zwischen ihr und den Eltern nicht funktioniert, zieht sie zur Großmutter, wo auch der Onkel mit seiner Familie lebt. Sie hält sich mit einem Job in einem Call Center über Wasser und lernt nebenbei für ihre Abschlussprüfungen. Auf einem Konzert wirft Layla einen Blick auf Aaron, der so ganz anders ist als der Junge, von dem sie schwanger ist.

Mit genauem und empathischem Blick erzählt PETTING ZOO davon, wie es sich anfühlt, als Minderjährige aus der Bahn geworfen zu werden. Dabei entsteht nicht nur eine große Nähe zur Hauptfigur Layla, sondern auch zu den anderen Figuren. PETTING ZOO ist Micah Magees Abschlussfilm, ko-produziert unter anderem von der dffb und der griechischen Regisseurin Athina Rachel Tsangari und gedreht in einem Vorort von San Antonio, Texas - der Stadt mit der zweithöchsten Rate von Teenagerschwangerschaften in den USA.


Micah Magee über ihren Film:

San Antonio
PETTING ZOO wurde in San Antonio, Texas an den Orten meiner Kindheit, gedreht. Da wo meine Cousinen im Teenageralter jetzt leben: Schulen entworfen von Gefängnisarchitekten, Wohnmobile, Rock-Bars, verlassene halbfertige Stadtteile,

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Gewerbegebiete zwischen den Feldern. Ich wollte die unterschiedlichen Menschen im Film und den Ort an sich hervorheben. Ich denke, wenn man sich die Eigenheiten einer Gemeinschaft oder eines Ortes supergenau ansieht, dann können andere Orte auch was damit anfangen. Durch das Genaue und Örtliche erreicht man was Allgemeingülti­ges.

Petting Zoo
In San Antonio bin ich damals zu Fuß den Highway entlang zur Arbeit gelaufen. Als Fußgänger lebt man in Städten wie S.A. eher abenteuerlich. Es gab einen kleinen Streichelzoo auf dem Weg zwischen unse­rem Haus und dem Highway mit einem leicht lahmen Lama, einem Esel, einem stattlichen Hahn und ein paar halbgroßen Pferden in einem Pferch. Das Lama und der Esel versuchten ständig zu kopulieren, wahrscheinlich weil es nichts Besseres zu tun gab. Einmal, als ich vorbeikam, stoppte dieses rote Cabrio­let und eine gutaussehende blonde Frau stieg mit ihrem gutaussehenden, sonnenbebrillten Freund aus. Sie wollte das Lama streicheln, auf dem aber immer noch der Esel hockte. Sie und ihr Freund turtelten der­weil. Ich ging da einfach vorbei, aber die allgemeine Kaputtheit dieser Szene blieb mir erhalten. Für mich bezieht sich PETTING ZOO auf Sex und irgendwo steckenbleiben, aber hat auch was Verspieltes.

Film als Ballade
Filmsprache und Sprache an sich, sind mir wichtig. Dramaturgie ist mir egal, darum folgt PETTING ZOO auch nicht so sehr einer strengen Zeitfolge. Er ist eher balladenartig, wo Dinge geschehen, weil sie nun­mal eben geschehen und nicht weil sie für eine schöne Geschichte wichtig sind. Meine Eltern sangen viel als ich aufwuchs. Sehr lange Lieder mit Geschichten und ich denke, diese Struktur entspricht ziem­lich gut dem Leben: und dann, und dann, und dann.
Sehr selten, außer in einer fiktionalen Konstruktion oder beim Gespräch mit dem Analytiker, gibt es die­ses "wenn - dann", "sähen und ernten" oder ein klar verständliches "deswegen". Ich mag Trickfilme in de­nen Leuten das Piano auf den Kopf fällt. Das scheint mir ziemlich realistisch.

Statistisch Ausgedrückt
Ich habe die meiste Zeit in den letzten Jahren in Europa gelebt, trotzdem: Ich liebe Texas - ich bin voll die Texas-Nationalistin. Weil ich es so liebe, hätte ich gerne wenn sich ein paar Dinge dort ändern.
Seit vielen Jahren schlägt sich Texas mit Themen wie Geschlechterselbstbestimmung, frauenspezifische Gesundheitsthemen, gleicher Lohn und Früherziehung rum. Als ich an meinem Drehbuch arbeitete, fand ich einige erstaunliche Unterlagen. 2011 hatte San Antonia die zweithöchste Teenagerschwangerschafts­rate aller Städte in den USA - über 50% höher als der nationale Durchschnitt. Statistisch betrachtet hat eine texanische Teenagerin mehr und früher Sex und den mit mehr Partnern als der Rest der USA - aber benutzt wesentlich seltener ein Kondom. Jedes Jahr gibt es 4000 neue schwangere Teenager in San An­tonio. Laut einem Report von 2011 geben 94% der öffentlichen Schulen im Aufklärungsunterricht Absti­nenz als die einzige Verhütungsmethode an.

Unbetreute Erkundungen
Ich will wirklich niemandem erklären, was man über die Rechte von Mädchen, Teenagerschwanger-schaf­ten oder Abtreibung denken sollte - aber ich hoffe, der Film generiert eine positive, vom gemeinsamen Respekt getragene Diskussion darüber. Als Teenagerin hat man manchmal Sex ohne viel darüber zu wissen. Der eigene Körper wird gerade erst entdeckt. Sex ist für einen ein ständiges Thema. Es ist neu, es ist überall. Kindern wird zu oft erzählt, Sex sei etwas Schlimmes, wovor man Angst haben sollte. Und so bleiben sie unaufgeklärt und alleingelassen mit den Konsequenzen ihrer eigenen Erfahrungen.

Dieses beunruhigende Gefühl
Ich wollte PETTING ZOO mit einem Element, daß mir sehr wichtig ist, durchweben: Dieses Gefühl, wenn man aufwacht und sich nicht sicher ist, ob man gerade vergisst wer man ist. Vielleicht ist man woanders realer und man vergisst das Wichtigste. Was ist das Wichtigste? Irgendwas entgleitet dir. Es ist ein beun­ruhigendes Gefühl. Besonders zusammen mit dem Gefühl daß das Leben dich durch Zeit und Raum jagt und zwar in eine fragwürdige Richtung.

Schwangere Teenager
Da ich selber als Teenager schwanger war, wollte ich diese Geschichte eher mit Mitgefühl und aus der Erfahrung heraus, als aus einem politischen Blickwinkel erzählen. Ich wollte den Schwerpunkt, unab­hängig von der Entscheidung der jungen Frau, auf ihre Möglichkeiten als Mutter, oder was auch immer sie wählt, setzen und nicht auf das Bedauern über den "Fehler", den sie gemacht hat oder die Belastung, die sie nun für die Gesellschaft darstellt. Das Teenagerdasein ist an sich schon schwierig genug. Bei einer Schwangerschaft ändert sich der Körper nochmals komplett.

Devon Keller als Layla
Um die richtige Layla zu finden gab es ein riesiges Casting. Zusätzlich zu den großen Castings mit Freun­den in NY und LA gab es viele Streetcastings. Da unsere Casting-Leiterin Vicky Boone sonst bei grö­ßeren Projekten arbeitet, gab es eine große Resonanz: etwa 1000 Mädchen. Zum ersten Mal sah ich De­von Keller als ich mich bei einer Modenschau an meiner Highschool Clarke umgesehen habe und sie einen Taco-Bell Burrito gewonnen hat. Sie saß im Publikum und kam gerade hoch um ihren Coupon zu bekommen und sie war ganz offensichtlich die Richtige. Es dauerte aber zwei Monate um sie und ihre Mutter zu überzeugen zu einem Vorspiel zu kommen und noch länger anderen die Zweifel zu nehmen, daß sie diese Rolle ausfüllen kann, wo sie doch noch nie gespielt hat. Sie war erst 16 und noch in der Mittelstufe. seit den Dreharbeiten hat sie ihren Abschluss gemacht und studiert in San Antonio, bedient in einem Steakhaus und wohnt bei ihrer Mutter. Sie würde gerne weiter schauspielern und vielleicht auch am Theater lernen, aber im Moment geht es erstmal ums über die Runden kommen.

Laiendarsteller sind Schauspieler
Die jungen Schauspieler in PETTING ZOO haben den gleichen sozio-kulturellen Hintergrund wie ihre Rollen und wurden alle in meinem erweiterten Umfeld, durch Castings an meiner ehemaligen High-School und offenen Castings in San Antonio und Houston entdeckt. Ich arbeite gerne mit dieser Beset­zung aus Laiendarstellern. Meine Laiendarsteller waren alle wirklich gute Schauspieler. Laiendarsteller heißt ja nicht, daß sie sich keine Mühe machen, um die Geschichte und die Herkunft ihrer Figur zu begreifen. Devon Keller ist eine erstaunliche Schauspielerin, sehr fleißig und superschlau. Ich würde sie gerne in vielen anderen Rollen sehen, denn sie wird das supertoll machen. Genau wie die drei anderen Ju­gendlichen in PETTING ZOO die alle zum ersten mal spielen.

Dreharbeiten
Bei den Dreharbeiten waren wir meistens ein Team von 10 Leuten (Art Director, Kostüm, Produzent, Her­stellungsleitung, Kamera, Licht, eine Tonfrau für alles, Kameraassistenz, Devon und ich), wir alle wohnten drei Monate in Uthas Haus (Art Director), außer Devon, die bei ihrer Mutter lebte. Meine Kinder sind auch in dem Film, weil wir ja keinen Babysitter hatten. Das FBI stand irgendwann vor der Tür, weil wir aus Verse­hen ihr geheimes Hauptquartier gedreht hatten, als wir versuchten, Wild für die Tierszenen auf-zuneh­men, die wir dann nie verwendet haben. Die größte Herausforderung (neben Klapperschlangen, Feu­erameisen und Sonnenbränden) beim Drehen war die Verständigung.
Ein Film ist die Summe von allem, was du da reinsteckst. Also solltest du, wenn du einen aufrichtigen Film machen willst, darauf achten, bei der Herstellung des Films ehrlich und auch eindeutig zu sein.

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Deutschland, Griechenland, USA 2015, 93 Min., engl. OmU
Buch und Regie: Micah Magee
Kamera: Armin Dierolf
Schnitt: Chris Wright
Mit: Devon Keller, Austin Reed, Deztiny Gonzales, Kiowa Tucker u.a.

freigegeben ab 12 Jahren (FSK Prüfkarte)

Kritiken:

Petting Zoo Trailer - dt. OmU from Peripher Filmverleih on Vimeo.