Basel Adra, ein junger palästinensischer Aktivist aus Masafer Yatta im Westjordanland, kämpft seit seiner Kindheit gegen die Vertreibung seiner Gemeinschaft durch die israelische Besatzung. Er dokumentiert die schrittweise Auslöschung der Dörfer seiner Heimatregion, wo Soldatinnen im Auftrag der israelischen Regierung nach und nach Häuser abreißen und ihre Bewohnerinnen vertreiben. Irgendwann begegnet er Yuval, einem israelischen Journalisten, der ihn in seinen Bemühungen unterstützt. Eine unwahrscheinliche Allianz entsteht. Die Beziehung der beiden wird durch die enorme Ungleichheit zwischen ihnen zusätzlich belastet: Basel lebt unter militärischer Besatzung, Yuval frei und ohne Einschränkungen. Der Film eines palästinensisch-israelischen Kollektivs vierer junger Aktivist*innen entstand als Akt des kreativen Widerstands auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit. Berlinale Dokumentarfilmpreis 2024
Basel Adra, ein junger palästinensischer Aktivist aus Masafer Yatta im Westjordanland, kämpft seit seiner Kindheit gegen die Vertreibung seiner Gemeinschaft durch die israelische Besatzung. Er dokumentiert die schrittweise Auslöschung der Dörfer seiner Heimatregion, wo Soldatinnen im Auftrag der israelischen Regierung nach und nach Häuser abreißen und ihre Bewohnerinnen vertreiben. Irgendwann begegnet er Yuval, einem israelischen Journalisten, der ihn in seinen Bemühungen unterstützt. Eine unwahrscheinliche Allianz entsteht. Die Beziehung der beiden wird durch die enorme Ungleichheit zwischen ihnen zusätzlich belastet: Basel lebt unter militärischer Besatzung, Yuval frei und ohne Einschränkungen. Der Film eines palästinensisch-israelischen Kollektivs vierer junger Aktivist*innen entstand als Akt des kreativen Widerstands auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit. Berlinale Dokumentarfilmpreis 2024
Die Geschichte der langsamen Annäherung zwischen zwei Außenseitern, dem eigenwilligen Lang und einem schwarzen Hund, wurde in Cannes dieses Jahr mit dem Hauptpreis in der Sektion „Un certain regard“ ausgezeichnet. Xin, der Hund, bekam zudem die begehrte „Dog-Palm“. Lang saß viele Jahre im Gefängnis, jetzt kehrt er in seinen Heimatort am Rande der Wüster Gobi zurück. Wir werden den Einzelgänger allerdings noch als völlig verschieden kennenlernen von dem, was die eigenen Vorurteile uns diktieren. Die Umgebung, in die er zurückkehrt, ist schwer von Umgestaltung betroffen, denn die bedeutet fast immer Abriss. Zwar findet die Olympiade – der Film spielt 2008 – woanders statt, aber auch in den nicht nur im räumlichen Sinn fernen glitzernden Großstädte muss jetzt „aufgeräumt“ werden. Betroffen davon sind auch die vielen streunenden Hunde. Ein Tier mit besonders schwarzem Fell entwischt den Fängern immer wieder, da wird ihm die Tollwut angedichtet und ein Preis für ihn ausgesetzt. Lang fühlt sich dem widerspenstigen Wesen verwandt und nimmt es, nicht ohne Blessuren zu erleiden, zu sich. Beide müssen nun schauen, wie es für sie weitergehen kann. Regisseur Guan Hu zählte zusammen mit u.a. Zhang Yuan, Wang Xiaoshuai, He Jianjun, Jia Zhang-Ke und Yu Le zur sogenannten 6. Generation chinesischer Filmemacher*innen, die es sich erlaubten, in ihren Filmen auch mit politischem Blick das Alltagsleben ungeschönt darzustellen. Nach mehreren Großprojekten scheint Black Dog – Weggefährten sein Schritt zurück zu den Anfängen zu sein. „Auch Black Dog setzt zwar durchaus hier und da kleine Spitzen gegen die offizielle Fortschrittsrhetorik Chinas, ist aber insgesamt kein subversiver Film. Indem er das Leid und das Freiheitsbedürfnis der Menschen auf das Leid und das Freiheitsbedürfnis der Tiere überträgt, wird beides erträglicher und universeller. Traurige Hundeaugen blicken überall auf der Welt gleich. Später tauchen außerdem noch andere Tiere auf, Tiger und Schlangen, sowie eine Bauchtänzerin, die ein Auge auf Lang wirft und dem ansonsten ziemlich männlich dominierten Film durchaus guttut. Wie man überhaupt Black Dog seine rührselige Schlagseite keineswegs zum Vorwurf machen muss. Das Kino hat nicht die Pflicht, immer gleich das Regime stürzen zu wollen. Manchmal genügt es vollauf, eine herzenswarme – und wirklich wunderschön fotografierte – Ballade von einem Mann und einem Hund zu erzählen.“ Lukas Foerster | Die Presse
Cannes 2024 – Un Certain Regard Preis
Credits:
CN 2024, 110 Min., MandarinOmU Regie: Guan Hu Kamera: Gao Weizhe mit Eddie Peng, Zhangke Jia, Jing Liang
Trailer:
BLACKDOG – WEGGEFÄHRTEN | offizieller Trailer mit Dt. Untertiteln | ab 12. Dezember im Kino
Es war der erste indische Film seit 30 Jahren, der in den Wettbewerb des Filmfestes in Cannes eingeladen wurde. In ihrem Spielfilmdebüt thematisiert die Dokumentarfilmerin Payal Kapadia die ökonomischen Ungleichheiten Indiens und nimmt uns mit in die Megacity Mumbai. Hier gilt ihr Blick drei Frauen, die in einem Krankenhaus arbeiten. Die zurückhaltende Pflegerin Prabha lebt in ihrer Arbeit, die sie mit Ruhe und Sorgfalt bewältigt. Der ihr zunächst unbekannte Mann, mit dem sie eine arrangierten Ehe einging, verließ sie kurz nach der Trauung Richtung Deutschland, der Arbeit wegen, und hat sich seitdem nicht mehr gemeldet. Die Wohnung teilt sie sich deshalb seit einiger Zeit mit ihrer jüngeren Kollegin Anu. Die ist lebhaft, risikofreudig und frisch verliebt, in Shiaz, einen Mann mit der falschen Religion. Die Schwierigkeiten mit der Familie und die Gerüchteküche im Krankenhaus sorgen Anu wenig, wohl aber, dass sie mit dem Geliebten nie und nirgendwo allein sein kann. Für Prabha hingegen schwärmt offensichtlich ein Arzt, für sie aber gilt das Ehegelöbnis. Als die Post allerdings einen Reiskocher aus Deutschland bei ihr abliefert, ohne Absender oder Gruß, fragt sie sich schon, was diese erste Nachricht seit drei Jahren bedeuten könnte – vielleicht ist es doch eine Art Abfindung, ein Vorbote der Trennung? Die dritte Frau ist Parvaty, Köchin im Krankenhaus und Prabhas beste Freundin. Ihr droht nach dem Tod des Ehemanns der Verlust der Wohnung, denn er hat ihr keine Papiere hinterlassen, die die Rechte klären. Prabha versucht ihr zu helfen, aber sie sind chancenlos. Resigniert verlässt Parvaty Mumbai und zieht zurück in ihr Heimatdorf. Dort besuchen sie Prabha und Anu, und diese Tage werden zu einem ganz besonderen Erlebnis. Trotz der dokumentarischen Sicht und aller Authentizität wirkt „All we imagine as Light“ stets wie unwirklich und verzaubert, vielleicht aber auch nur aus westlicher Sicht.
„Kino, das im besten Sinne den Blick auf andere Welten öffnet“ schreibt programmkino.de dazu. Unzweifelhaft ist jedoch, dass er ganz wunderbar eine Entwicklung hin zu weiblicher Solidarität und immer mehr Selbstbewusstsein aufzeichnet.
„Sehnsüchtig suchte man [im Wettbewerb der 77. Filmfestspiele von Cannes] nach einem Film, der sich auf die Schönheit, die elementare Kraft des Kinos verließ. Und er kam dann auch. „All we imagine as Light“ von der indischen Regisseurin Payal Kapadia folgt drei Frauen, die als Krankenschwestern und Köchin in einem Krankenhaus in Mumbai arbeiten. Mit einer ruhigen Kamera gleitet man in drei Leben hinein. Zwischen Schichtarbeit, Kochen und Einkaufen geht es um die Dinge des Lebens. „All we imagine as Light“ bekam in Cannes den Großen Preis der Jury, und dieser berührende Film, ein wahrhaftiger Lichtblick, zeigt, was Kino sein kann: Alles, was wir uns als Licht vorstellen.“ Katja Nikodemus | Die Zeit
Wettbewerb Cannes Filmfestival 2024. Mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.
Credits:
IN, FR, NL, LU 2024, 114 Min., Malayalam, Hindi OmU Regie: Payal Kapadia Kamera: Rabadir Das Schnitt: Clément Pinteaux mit Kani Kusruti, Divya Prabha, Chhaya Kadam, Hridhu Haroon
Nach mehr als zehn Jahren kehrt Rona in ihre Heimat auf den entlegenen Orkneyinseln zurück. Während sie die einzigartige, raue Landschaft, in der sie aufgewachsen ist, wiederentdeckt, vermischen sich ihre Kindheitserinnerungen mit solchen aus der letzten, von Sucht geprägten Zeit. Ihr damaliger Aufbruch in die Stadt und die folgenden ausschweifenden Jahre in London mündeten in einem schmerzhaften Absturz. Doch nach und nach wird die Begegnung mit den verwunschenen, windgepeitschten Küsten der Inseln zu einer Chance auf ein neues Leben. Nora Fingscheidts Adaption von Amy Liptrots autobiografischem Bestseller blickt in erschütternden Rückblenden auf die Abwärtsspirale, die Rona in London durchlebt, und auf ihre Zeit in einem strengen Entzugsprogramm. Im Zentrum des Films steht jedoch ihre Befreiung von persönlichen Dämonen durch die Verbindung mit der Natur der Heimat ihrer Kindheit. „Gerade durch die Verweigerung einfacher Antworten und die konsequente Konzentration auf die Alltäglichkeit des Kampfes seiner Protagonistin entwickelt The Outrun eine stille, aber nachdrückliche Kraft. Besonders in den introspektiven Momenten gelingt es Saoirse Ronan, ihrer Figur eine beeindruckende Menschlichkeit zu verleihen. Die Hoffnung, die ihre Rona am Ende empfindet, mag klein sein – aber sie ist echt. Und genau darin liegt die Stärke dieses eindringlichen Porträts eines Heilungsprozesses.“ Arabella Wintermayr | taz
Credits:
GB/DE 2024, 117 Min., engl. OmU Regie: Nora Fingscheidt Kamera: Yunus Roy Imer Schnitt: Stephan Bechinger mit Saoirse Ronan, Paapa Essiedu, Stephen Dillane, Saskia Reeves, Nabil Elouahabi, Izuka Hoyle, Lauren Lyle
In diesem Film geht es um Katzen, viele Katzen – in allen Größen und Altersstufen, von jung bis alt, gesund oder krank, ob Winter- oder Sommerkatzen. Sie leben in der Umgebung des kleinen, alten Shinto-Schreins Gokogu, gelegen in Ushimado, einer Hafenstadt an der Inland-See. Es ist ein Paradies für katzenliebende Einwohner und Besucher. Gokogu sieht oberflächlich betrachtet friedlich aus, ist aber auch das Epizentrum eines heiklen Themas, das die örtliche Gemeinschaft spaltet.
Deshalb geht auch um Menschen. Diejenigen, die die Katzen besuchen, lieben und füttern, und ihnen Namen geben wie Chao, Gari, Hyaena, Koto, Chubu oder Chibi. Und die hin und wieder auch neue Katzen mitbringen und sie aussetzen. Gleichzeitig kommen auch die zu Wort, die es stört, dass ihre Vorgärten oder die Pflanzen rund um den Schrein als großes Katzenklo genutzt werden und die Katzenliebhaber:innen ihren Müll hinterlassen.
Kazuhiro Sōda fängt in seinem zehnten „beobachtenden Film“ das Leben rund um den Schrein ein, und gewährt einen persönlichen und einfühlsamen Blick auf die traditionelle Gemeinschaft des Ortes.
»Durch die Zeit und die Elemente, aber vor allem durch die Menschen, die ihn bewohnen, wird der Geist eines Ortes vor unseren Augen lebendig. Und der Filmemacher schlägt uns durch seine aufmerksame Haltung eine andere Art des Sehens vor – und damit auch eine andere Art, in der Welt zu sein.« (Alexandre Fontaine Rousseau | Panorama Cinema)
„Die Katzen in Ushimado sind ausnahmslos süß – aber viel zu viele. Kazuhiro Sodas Dokumentarfilm zeigt handfeste biopolitische Maßnahmen und vorbildliches community building – mit viel Witz, gutem Auge und Gespür für kleine und große Gesten.“ Leonard Krähmer
Credits:
Gokogu no Neko JP 2024, 119 Min., japanische OmU Regie, Kamera, Schnitt: Kazuhiro Soda
Anlässlich der Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie bieten wir allen kurz vorm Höhepunkt der Feierlichkeiten eine Erholungspause vom Weihnachtstrubel an: Nan Goldin ist keine gewöhnliche Künstlerin. Für die renommierte Fotografin verschmelzen Privatleben und Beruf vollständig – auf ihrem Lebensweg porträtiert sie die Menschen, die sie auf diesem begleiten. Goldin trifft in diesem Dokumentarfilm unter Anderem alte Freunde, und erzählt von ihren wilden Jahren in Berlin, ihrer Familie und ihrer Sammel-Leidenschaft religiös konnotierter Kunst. Der Film von Sabine Lidl entstand bereits 2013, vor Goldins Oxycodon-Abhängigkeit, die im Film All the Beauty and the Bloodshed thematisiert wird, und ist nun erstmals regulär im Kino zu entdecken.
Credits:
DE 2023, 62 Min., engl. OmU Regie & Kamera: Sabine Lidl Schnitt: Barbara Gies mit: Nan Goldin, Clemens Schick, Käthe Kruse, Joachim Sartorius, Piotr Nathan, Christine Fenzl, Guido Costa, Jack Ritchey, Thomas Dupal
Pema, eine junge Frau aus der oberen Himlaya-Region Nepals, heiratet. Zu erst einmal Tashi, aber zugleich werden der Tradition nach seine beiden Brüder Kama und Dawa auch ihre Ehemänner. Nach den Flitterwochen muss Tashi auf eine längere Handelsreise, Karma kehrte zurück ins Kloster, nur der vorlaute Schuljunge Dawa bleibt an ihrer Seite, und wird zum Problem. Pema ist schwanger, und er streut das Gerücht, nicht Tashi, sondern der Schullehrer sei der Vater des Kindes. Als Tashi nicht mit den anderen Männern zurückkehrt, befürchtet Pema, er habe auch davon gehört und bliebe deshalb in den Bergen. Um ihn zu finden, begibt sie sich auf eine beschwerliche, aber gleichsam erkenntnisreiche Reise in überwältigender Landschaft. „Der Film lebt von seinen beeindruckenden, zum Teil sensationell prächtigen Aufnahmen. Bewundernswert ist auch, wie die Darsteller auch bei Eiseskälte die im Schnee spielenden Szenen meistern. Bham ist ein sehr sorgfältiger Beobachter und bedächtiger Erzähler. Die Gefühle der Figuren zeigen sich in kleinen Gesten; die Story entwickelt sich anhand alltäglicher Handlungen und Begebenheiten. Bham [verzichtet] auf jede dramatische Übersteigerung, was den Film aus dem von Hektik und Effekthascherei geprägten Strom filmischer Erzeugnisse herausragen lässt. Doch es lohnt sich, sich auf Shambhala und seine innere Geruhsamkeit einzulassen. Außerdem sollte man im Hinterkopf behalten, dass Rinpoche ein Titel ist, der vorwiegend an Menschen vergeben wird, die als Wiedergeburt eines früheren Meisters anerkannt werden. Erst dann versteht man nämlich, was Karma während der Reise zu Pema sagt: dass nämlich die Frage nach der biologischen Vaterschaft belanglos sei, weil sich das wahre Wunder des Lebens erst mit der Geburt offenbare. Das wird zum eigentlichen Schlüssel dieses wunderschönen Films, der weniger über weibliche Emanzipation als vielmehr von der Weisheit des (Zusammen-)Lebens erzählt.” Irene Genhart | Filmdienst.
Credits:
NP/FR/NO/HK/CN/TK/TW/US/QA 2024, 150 Min., Tibetisch, Nepali Originalfassung mit deutschen und englischen Untertiteln Regie: Min Bahadur Bham Kamera: Aziz Zhambakiyev Schnitt: Liao Ching Sung, Kiran Shrestha mit: Thinley Lhamo, Sonam Topden, Tenzin Dalha, Karma Wangyal Gurung, Karma Shakya, Loten Namling, Tsering Lhamo Gurung, Janga Bahadur Lama
Es war der erste indische Film seit 30 Jahren, der in den Wettbewerb des Filmfestes in Cannes eingeladen wurde. In ihrem Spielfilmdebüt thematisiert die Dokumentarfilmerin Payal Kapadia die ökonomischen Ungleichheiten Indiens und nimmt uns mit in die Megacity Mumbai. Hier gilt ihr Blick drei Frauen, die in einem Krankenhaus arbeiten. Die zurückhaltende Pflegerin Prabha lebt in ihrer Arbeit, die sie mit Ruhe und Sorgfalt bewältigt. Der ihr zunächst unbekannte Mann, mit dem sie eine arrangierten Ehe einging, verließ sie kurz nach der Trauung Richtung Deutschland, der Arbeit wegen, und hat sich seitdem nicht mehr gemeldet. Die Wohnung teilt sie sich deshalb seit einiger Zeit mit ihrer jüngeren Kollegin Anu. Die ist lebhaft, risikofreudig und frisch verliebt, in Shiaz, einen Mann mit der falschen Religion. Die Schwierigkeiten mit der Familie und die Gerüchteküche im Krankenhaus sorgen Anu wenig, wohl aber, dass sie mit dem Geliebten nie und nirgendwo allein sein kann. Für Prabha hingegen schwärmt offensichtlich ein Arzt, für sie aber gilt das Ehegelöbnis. Als die Post allerdings einen Reiskocher aus Deutschland bei ihr abliefert, ohne Absender oder Gruß, fragt sie sich schon, was diese erste Nachricht seit drei Jahren bedeuten könnte – vielleicht ist es doch eine Art Abfindung, ein Vorbote der Trennung? Die dritte Frau ist Parvaty, Köchin im Krankenhaus und Prabhas beste Freundin. Ihr droht nach dem Tod des Ehemanns der Verlust der Wohnung, denn er hat ihr keine Papiere hinterlassen, die die Rechte klären. Prabha versucht ihr zu helfen, aber sie sind chancenlos. Resigniert verlässt Parvaty Mumbai und zieht zurück in ihr Heimatdorf. Dort besuchen sie Prabha und Anu, und diese Tage werden zu einem ganz besonderen Erlebnis. Trotz der dokumentarischen Sicht und aller Authentizität wirkt „All we imagine as Light“ stets wie unwirklich und verzaubert, vielleicht aber auch nur aus westlicher Sicht.
„Kino, das im besten Sinne den Blick auf andere Welten öffnet“ schreibt programmkino.de dazu. Unzweifelhaft ist jedoch, dass er ganz wunderbar eine Entwicklung hin zu weiblicher Solidarität und immer mehr Selbstbewusstsein aufzeichnet.
„Sehnsüchtig suchte man [im Wettbewerb der 77. Filmfestspiele von Cannes] nach einem Film, der sich auf die Schönheit, die elementare Kraft des Kinos verließ. Und er kam dann auch. „All we imagine as Light“ von der indischen Regisseurin Payal Kapadia folgt drei Frauen, die als Krankenschwestern und Köchin in einem Krankenhaus in Mumbai arbeiten. Mit einer ruhigen Kamera gleitet man in drei Leben hinein. Zwischen Schichtarbeit, Kochen und Einkaufen geht es um die Dinge des Lebens. „All we imagine as Light“ bekam in Cannes den Großen Preis der Jury, und dieser berührende Film, ein wahrhaftiger Lichtblick, zeigt, was Kino sein kann: Alles, was wir uns als Licht vorstellen.“ Katja Nikodemus | Die Zeit
Wettbewerb Cannes Filmfestival 2024. Mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.
Credits:
IN, FR, NL, LU 2024, 114 Min., Malayalam, Hindi OmU Regie: Payal Kapadia Kamera: Rabadir Das Schnitt: Clément Pinteaux mit Kani Kusruti, Divya Prabha, Chhaya Kadam, Hridhu Haroon
Basel Adra, ein junger palästinensischer Aktivist aus Masafer Yatta im Westjordanland, kämpft seit seiner Kindheit gegen die Vertreibung seiner Gemeinschaft durch die israelische Besatzung. Er dokumentiert die schrittweise Auslöschung der Dörfer seiner Heimatregion, wo Soldatinnen im Auftrag der israelischen Regierung nach und nach Häuser abreißen und ihre Bewohnerinnen vertreiben. Irgendwann begegnet er Yuval, einem israelischen Journalisten, der ihn in seinen Bemühungen unterstützt. Eine unwahrscheinliche Allianz entsteht. Die Beziehung der beiden wird durch die enorme Ungleichheit zwischen ihnen zusätzlich belastet: Basel lebt unter militärischer Besatzung, Yuval frei und ohne Einschränkungen. Der Film eines palästinensisch-israelischen Kollektivs vierer junger Aktivist*innen entstand als Akt des kreativen Widerstands auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit. Berlinale Dokumentarfilmpreis 2024
Die Geschichte der langsamen Annäherung zwischen zwei Außenseitern, dem eigenwilligen Lang und einem schwarzen Hund, wurde in Cannes dieses Jahr mit dem Hauptpreis in der Sektion „Un certain regard“ ausgezeichnet. Xin, der Hund, bekam zudem die begehrte „Dog-Palm“. Lang saß viele Jahre im Gefängnis, jetzt kehrt er in seinen Heimatort am Rande der Wüster Gobi zurück. Wir werden den Einzelgänger allerdings noch als völlig verschieden kennenlernen von dem, was die eigenen Vorurteile uns diktieren. Die Umgebung, in die er zurückkehrt, ist schwer von Umgestaltung betroffen, denn die bedeutet fast immer Abriss. Zwar findet die Olympiade – der Film spielt 2008 – woanders statt, aber auch in den nicht nur im räumlichen Sinn fernen glitzernden Großstädte muss jetzt „aufgeräumt“ werden. Betroffen davon sind auch die vielen streunenden Hunde. Ein Tier mit besonders schwarzem Fell entwischt den Fängern immer wieder, da wird ihm die Tollwut angedichtet und ein Preis für ihn ausgesetzt. Lang fühlt sich dem widerspenstigen Wesen verwandt und nimmt es, nicht ohne Blessuren zu erleiden, zu sich. Beide müssen nun schauen, wie es für sie weitergehen kann. Regisseur Guan Hu zählte zusammen mit u.a. Zhang Yuan, Wang Xiaoshuai, He Jianjun, Jia Zhang-Ke und Yu Le zur sogenannten 6. Generation chinesischer Filmemacher*innen, die es sich erlaubten, in ihren Filmen auch mit politischem Blick das Alltagsleben ungeschönt darzustellen. Nach mehreren Großprojekten scheint Black Dog – Weggefährten sein Schritt zurück zu den Anfängen zu sein. „Auch Black Dog setzt zwar durchaus hier und da kleine Spitzen gegen die offizielle Fortschrittsrhetorik Chinas, ist aber insgesamt kein subversiver Film. Indem er das Leid und das Freiheitsbedürfnis der Menschen auf das Leid und das Freiheitsbedürfnis der Tiere überträgt, wird beides erträglicher und universeller. Traurige Hundeaugen blicken überall auf der Welt gleich. Später tauchen außerdem noch andere Tiere auf, Tiger und Schlangen, sowie eine Bauchtänzerin, die ein Auge auf Lang wirft und dem ansonsten ziemlich männlich dominierten Film durchaus guttut. Wie man überhaupt Black Dog seine rührselige Schlagseite keineswegs zum Vorwurf machen muss. Das Kino hat nicht die Pflicht, immer gleich das Regime stürzen zu wollen. Manchmal genügt es vollauf, eine herzenswarme – und wirklich wunderschön fotografierte – Ballade von einem Mann und einem Hund zu erzählen.“ Lukas Foerster | Die Presse
Cannes 2024 – Un Certain Regard Preis
Credits:
CN 2024, 110 Min., MandarinOmU Regie: Guan Hu Kamera: Gao Weizhe mit Eddie Peng, Zhangke Jia, Jing Liang
Trailer:
BLACKDOG – WEGGEFÄHRTEN | offizieller Trailer mit Dt. Untertiteln | ab 12. Dezember im Kino
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