Wer aufregende und spektakuläre Ballwechsel zwischen Weltklasse-Spielern beim Tischtennis sehen will, ist hier genau richtig. Wer mehr über merkwürdige Vorgänge im Profisport erfahren möchte, ist hier ebenfalls richtig. Und auch der Einfluss der Weltpolitik macht vor Tischtennis nicht halt. Zwei Ereignisse prägen diesen Film: die Bundesliga- und Championsleague-Wildcard für den neu gegründeten TTC Neu-Ulm und der Ausschluss russischer Spieler (und Vereine) von internationalen Turnieren. Ein Jahr lang blieb Jonas Egert unauffällig an der Seite des Teams und seiner neu verpflichteten internationalen Top-Stars, bis der Höhenflug des Vereins ein jähes Ende fand.
„Atemberaubend wie ein Profi-Match, großartig fotografiert und montiert. Mehr als ein herausragender Sportfilm – ein nervenzehrender Ping-Pong-Thriller der Spitzenklasse.“ (Ysabel Fantou, DOK.fest München)
Credits:
DE 2025, 116 Min. Regie, Buch: Jonas Egert Kamera: Felix Riedelsheimer Schnitt: Anja Pohl
Wer aufregende und spektakuläre Ballwechsel zwischen Weltklasse-Spielern beim Tischtennis sehen will, ist hier genau richtig. Wer mehr über merkwürdige Vorgänge im Profisport erfahren möchte, ist hier ebenfalls richtig. Und auch der Einfluss der Weltpolitik macht vor Tischtennis nicht halt. Zwei Ereignisse prägen diesen Film: die Bundesliga- und Championsleague-Wildcard für den neu gegründeten TTC Neu-Ulm und der Ausschluss russischer Spieler (und Vereine) von internationalen Turnieren. Ein Jahr lang blieb Jonas Egert unauffällig an der Seite des Teams und seiner neu verpflichteten internationalen Top-Stars, bis der Höhenflug des Vereins ein jähes Ende fand.
„Atemberaubend wie ein Profi-Match, großartig fotografiert und montiert. Mehr als ein herausragender Sportfilm – ein nervenzehrender Ping-Pong-Thriller der Spitzenklasse.“ (Ysabel Fantou, DOK.fest München)
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DE 2025, 116 Min. Regie, Buch: Jonas Egert Kamera: Felix Riedelsheimer Schnitt: Anja Pohl
Filme über Kafka und Kafka-Verfilmungen gibt es einige, Kafka-Biografien und andere Sekundärliteratur bergeweise, lustig veranschaulicht in „Franz K.“ bei einem der Ausflüge ins skurrile Heute. Agnieszka Holland und Autor Marek Epstein haben einen sehr lebendigen Ansatz für ihre Film-Version gewählt, die erscheint wie eine Kurzgeschichtensammlung. Immer wieder springt der Film durch die Zeit, zeigt Aus- und Anschnitte von dem, was so bekannt ist aus dem Leben des hochsensiblen Autors. Mit großer Experimentierfreude und vielen Ideen lässt er uns teilhaben am privaten wie beruflichen Umfeld und interpretiert Auszüge seines Werkes visuell, ohne jedoch das zu befürchtende Feuerwerk „kafkaesker“ Bildsprache zu strapazieren. Von Familie, Freundschaft, Druck und Angst, innerem und äußerem Zwang wird erzählt, oft verspielt, dabei aber auch angemessen ernsthaft, so wie bei der Thematisierung der zunehmend bedrohlichen Lage der Juden in Europa.
„Die tschechisch-deutsch-polnische Produktion fängt die Härte und Grausamkeit der damaligen Zeit ein, ist häufig jedoch auch überraschend humorvoll. Neben dem in sich gekehrten, zerrissenen, hin und wieder pedantischen Franz lernen wir dessen ausgelassene Seite kennen, etwa wenn der Schriftsteller fröhlich lachend in einer freundschaftlichen Runde aus Der Prozess vorliest. Ein schöner Gegenentwurf zur Melancholie und zur verstörenden Schwere, die häufig unser Kafka-Bild prägen.“Andreas Köhnemann | kino-zeit
Credits:
DECZ 2025, 127 Min., Deutsch, Tschechisch OmU Regie: Agnieszka Holland Drehbuch: Marek Epstein Kamera: Tomasz Naumiuk mit: Idan Weiss, Peter Kurth, Jenovéfa Boková, Ivan Trojan, Sandra Korzeniak, Katharina Stark
„Ich habe alles genau geplant“ behauptet JB (Josh O’Connor), als er seinen Kumpanen von seinem Plan erzählt. Er ist der Anführer, das Mastermind, doch selbst wenn man mit den Filmen von Kelly Reichardt nicht vertraut sein sollte, ahnt man schon nach wenigen Minuten von „The Mastermind“, dass der Titel ironisch gemeint ist.
Zusammen mit seiner Frau Terri (Alana Haim) und den zwei Kindern lebt JB in einer Kleinstadt in Massachusetts, es ist 1970, Richard Nixon sitzt im Weißen Haus, im fernen Vietnam tobt seit Jahren ein Krieg, gegen den auf den Straßen zu Hause mit zunehmender Vehemenz protestiert wird. Eigentlich ist JB Schreiner, doch einen festen Job hat er nicht. Sein Vater (Bill Camp), ein geachteter Richter, und seine Mutter (Hope Davis) unterstützen ihn, finanzieren ein Leben, das dahinplätschert, ohne Ziel und Plan.
Der geplante Einbruch in einem kleinen lokalen Museum, wo die Gemälde des selbst in seiner Heimat wenig bekannten amerikanischen Malers Arthur Dove Ziel von JBs Plan sind, soll alles ändern, aber was genau? Erstaunlicherweise gelingt der Plan, zumindest landen die vier Gemälde am Ende in JBs Familien-Kombi.
Kurz darauf sind seine Komplizen schon in Polizeigewahrsam und JB auf der Flucht. Seine Frau und die Kinder lädt er bei den Schwiegereltern ab und fährt los, mit dem Ziel Kanada, wohin es in den frühen 70ern vor allem Kriegsdienstverweigerer zog, wo aber auch ein Dieb Unterschlupf finden könnte.
Schon des öfteren hat Kelly Reichardt Genrefilme gedreht, die den Regeln ihres Genres folgten, sie aber gleichzeitig unterliefen und damit die ihnen zu Grunde liegende Ideologie hinterfragten. „Meek’s Cutoff“ war ein Anti-Western, „Night Moves“ ein Anti-Thriller, nun also ein Anti-Heist-Film. Das alle drei Genre traditionell starke, souveräne Männer-Figuren in den Mittelpunkt stellen, die auf Grund ihrer Cleverness und Maskulinität ihre Ziele erreichen, macht die Genre-Dekonstruktionen bei Kelly Reichardt zu Reflexionen über die Krise der Männlichkeit.
Perfekt besetzt wirkt dabei in diesem Fall Josh O’Connor, der schon als etwas verhuschter junger Prince Charles in „The Crown“ Männlichkeit eher vorgab, als wirklich verkörperte und auch in Spielfilmen wie „La Chimera“ oder zuletzt „Challengers“ Männer-Figuren spielte, die an den Erwartungen an ihr Geschlecht zu scheitern drohten.
Betont passiv spielt O’Connor in „The Mastermind“, wirkt weniger in Kontrolle, als Getrieben von den Ereignissen, die er selbst, ohne die Konsequenzen wirklich zu durchschauen, in Bewegung gesetzt hat. Immer deutet Reichardt dabei den historischen Kontex an, zeigt TV-Berichte aus Vietnam, lässt JB an Demonstrationen gegen den Krieg vorbeifahren. In welchem Zusammenhang das persönliche Schicksal JBs und die gesellschaftliche Realität der USA um 1970 stehen lässt Reichardt offen, sie bietet Interpretationsmöglichkeiten an, hält sich selbst aber zurück. Man kann „The Mastermind“ daher auch einfach nur als Tragikomödie über einen Mann lesen, der sich selbst überschätzt oder als Genrefilm, der die Konventionen seiner Form dekonstruiert. Vor allem aber ist es ein weiterer, sehr spezieller Kelly Reichardt-Film, inzwischen fast selbst ein eigenes Genre.
Michael Meyns
Credits:
US 2025, 110 Min., engl. OmU Regie & Schnitt: Kelly Reichardt Kamera: Christopher Blauvelt mit: Josh O’Connor, Alana Haim, Hope Davis, John Magaro, Gaby Hoffmann, Bill Camp
Trailer:
THEMASTERMIND | Offizieller Trailer | Ab 16. Oktober im Kino
Filme über Kafka und Kafka-Verfilmungen gibt es einige, Kafka-Biografien und andere Sekundärliteratur bergeweise, lustig veranschaulicht in „Franz K.“ bei einem der Ausflüge ins skurrile Heute. Agnieszka Holland und Autor Marek Epstein haben einen sehr lebendigen Ansatz für ihre Film-Version gewählt, die erscheint wie eine Kurzgeschichtensammlung. Immer wieder springt der Film durch die Zeit, zeigt Aus- und Anschnitte von dem, was so bekannt ist aus dem Leben des hochsensiblen Autors. Mit großer Experimentierfreude und vielen Ideen lässt er uns teilhaben am privaten wie beruflichen Umfeld und interpretiert Auszüge seines Werkes visuell, ohne jedoch das zu befürchtende Feuerwerk „kafkaesker“ Bildsprache zu strapazieren. Von Familie, Freundschaft, Druck und Angst, innerem und äußerem Zwang wird erzählt, oft verspielt, dabei aber auch angemessen ernsthaft, so wie bei der Thematisierung der zunehmend bedrohlichen Lage der Juden in Europa.
„Die tschechisch-deutsch-polnische Produktion fängt die Härte und Grausamkeit der damaligen Zeit ein, ist häufig jedoch auch überraschend humorvoll. Neben dem in sich gekehrten, zerrissenen, hin und wieder pedantischen Franz lernen wir dessen ausgelassene Seite kennen, etwa wenn der Schriftsteller fröhlich lachend in einer freundschaftlichen Runde aus Der Prozess vorliest. Ein schöner Gegenentwurf zur Melancholie und zur verstörenden Schwere, die häufig unser Kafka-Bild prägen.“Andreas Köhnemann | kino-zeit
Credits:
DECZ 2025, 127 Min., Deutsch, Tschechisch OmU Regie: Agnieszka Holland Drehbuch: Marek Epstein Kamera: Tomasz Naumiuk mit: Idan Weiss, Peter Kurth, Jenovéfa Boková, Ivan Trojan, Sandra Korzeniak, Katharina Stark
Filme über Kafka und Kafka-Verfilmungen gibt es einige, Kafka-Biografien und andere Sekundärliteratur bergeweise, lustig veranschaulicht in „Franz K.“ bei einem der Ausflüge ins skurrile Heute. Agnieszka Holland und Autor Marek Epstein haben einen sehr lebendigen Ansatz für ihre Film-Version gewählt, die erscheint wie eine Kurzgeschichtensammlung. Immer wieder springt der Film durch die Zeit, zeigt Aus- und Anschnitte von dem, was so bekannt ist aus dem Leben des hochsensiblen Autors. Mit großer Experimentierfreude und vielen Ideen lässt er uns teilhaben am privaten wie beruflichen Umfeld und interpretiert Auszüge seines Werkes visuell, ohne jedoch das zu befürchtende Feuerwerk „kafkaesker“ Bildsprache zu strapazieren. Von Familie, Freundschaft, Druck und Angst, innerem und äußerem Zwang wird erzählt, oft verspielt, dabei aber auch angemessen ernsthaft, so wie bei der Thematisierung der zunehmend bedrohlichen Lage der Juden in Europa.
„Die tschechisch-deutsch-polnische Produktion fängt die Härte und Grausamkeit der damaligen Zeit ein, ist häufig jedoch auch überraschend humorvoll. Neben dem in sich gekehrten, zerrissenen, hin und wieder pedantischen Franz lernen wir dessen ausgelassene Seite kennen, etwa wenn der Schriftsteller fröhlich lachend in einer freundschaftlichen Runde aus Der Prozess vorliest. Ein schöner Gegenentwurf zur Melancholie und zur verstörenden Schwere, die häufig unser Kafka-Bild prägen.“Andreas Köhnemann | kino-zeit
Credits:
DECZ 2025, 127 Min., Deutsch, Tschechisch OmU Regie: Agnieszka Holland Drehbuch: Marek Epstein Kamera: Tomasz Naumiuk mit: Idan Weiss, Peter Kurth, Jenovéfa Boková, Ivan Trojan, Sandra Korzeniak, Katharina Stark
„Ich habe alles genau geplant“ behauptet JB (Josh O’Connor), als er seinen Kumpanen von seinem Plan erzählt. Er ist der Anführer, das Mastermind, doch selbst wenn man mit den Filmen von Kelly Reichardt nicht vertraut sein sollte, ahnt man schon nach wenigen Minuten von „The Mastermind“, dass der Titel ironisch gemeint ist.
Zusammen mit seiner Frau Terri (Alana Haim) und den zwei Kindern lebt JB in einer Kleinstadt in Massachusetts, es ist 1970, Richard Nixon sitzt im Weißen Haus, im fernen Vietnam tobt seit Jahren ein Krieg, gegen den auf den Straßen zu Hause mit zunehmender Vehemenz protestiert wird. Eigentlich ist JB Schreiner, doch einen festen Job hat er nicht. Sein Vater (Bill Camp), ein geachteter Richter, und seine Mutter (Hope Davis) unterstützen ihn, finanzieren ein Leben, das dahinplätschert, ohne Ziel und Plan.
Der geplante Einbruch in einem kleinen lokalen Museum, wo die Gemälde des selbst in seiner Heimat wenig bekannten amerikanischen Malers Arthur Dove Ziel von JBs Plan sind, soll alles ändern, aber was genau? Erstaunlicherweise gelingt der Plan, zumindest landen die vier Gemälde am Ende in JBs Familien-Kombi.
Kurz darauf sind seine Komplizen schon in Polizeigewahrsam und JB auf der Flucht. Seine Frau und die Kinder lädt er bei den Schwiegereltern ab und fährt los, mit dem Ziel Kanada, wohin es in den frühen 70ern vor allem Kriegsdienstverweigerer zog, wo aber auch ein Dieb Unterschlupf finden könnte.
Schon des öfteren hat Kelly Reichardt Genrefilme gedreht, die den Regeln ihres Genres folgten, sie aber gleichzeitig unterliefen und damit die ihnen zu Grunde liegende Ideologie hinterfragten. „Meek’s Cutoff“ war ein Anti-Western, „Night Moves“ ein Anti-Thriller, nun also ein Anti-Heist-Film. Das alle drei Genre traditionell starke, souveräne Männer-Figuren in den Mittelpunkt stellen, die auf Grund ihrer Cleverness und Maskulinität ihre Ziele erreichen, macht die Genre-Dekonstruktionen bei Kelly Reichardt zu Reflexionen über die Krise der Männlichkeit.
Perfekt besetzt wirkt dabei in diesem Fall Josh O’Connor, der schon als etwas verhuschter junger Prince Charles in „The Crown“ Männlichkeit eher vorgab, als wirklich verkörperte und auch in Spielfilmen wie „La Chimera“ oder zuletzt „Challengers“ Männer-Figuren spielte, die an den Erwartungen an ihr Geschlecht zu scheitern drohten.
Betont passiv spielt O’Connor in „The Mastermind“, wirkt weniger in Kontrolle, als Getrieben von den Ereignissen, die er selbst, ohne die Konsequenzen wirklich zu durchschauen, in Bewegung gesetzt hat. Immer deutet Reichardt dabei den historischen Kontex an, zeigt TV-Berichte aus Vietnam, lässt JB an Demonstrationen gegen den Krieg vorbeifahren. In welchem Zusammenhang das persönliche Schicksal JBs und die gesellschaftliche Realität der USA um 1970 stehen lässt Reichardt offen, sie bietet Interpretationsmöglichkeiten an, hält sich selbst aber zurück. Man kann „The Mastermind“ daher auch einfach nur als Tragikomödie über einen Mann lesen, der sich selbst überschätzt oder als Genrefilm, der die Konventionen seiner Form dekonstruiert. Vor allem aber ist es ein weiterer, sehr spezieller Kelly Reichardt-Film, inzwischen fast selbst ein eigenes Genre.
Michael Meyns
Credits:
US 2025, 110 Min., engl. OmU Regie & Schnitt: Kelly Reichardt Kamera: Christopher Blauvelt mit: Josh O’Connor, Alana Haim, Hope Davis, John Magaro, Gaby Hoffmann, Bill Camp
Trailer:
THEMASTERMIND | Offizieller Trailer | Ab 16. Oktober im Kino
Wer in der Schulzeit „Homo Faber“ von Max Frisch lesen musste/durfte, hatte vielleicht Lust bekommen mehr von ihm zu lesen. Mir jedenfalls ging es so und auch jetzt noch nehme ich mir regelmäßig vor, „Stiller“ oder wahlweise „Mein Name sei Gantenbein“ noch einmal zu lesen. Aber auch ohne das Buch zu kennen, oder gerade deshalb, sei der Film sehr spannend, konnte ich vernehmen. Bei einer Zugreise durch die Schweiz wird der US-Amerikaner James Larkin White an der Grenze festgenommen. Der Vorwurf: Er sei der vor sieben Jahren verschwundene Bildhauer Anatol Stiller, der wegen seiner Verwicklung in eine dubiose politische Affäre gesucht wird. White bestreitet seine Schuld und beharrt darauf, nicht Stiller zu sein. Um ihn zu überführen, bittet die Staatsanwaltschaft Stillers Frau Julika um Hilfe. Aber auch sie vermag ihn nicht eindeutig zu identifizieren, in Erinnerungen wird aber mehr und mehr die Beziehung des Ehepaars offengelegt. Der Staatsanwalt hat ebenfalls eine überraschende Verbindung zu dem Verschwundenen. Dass sich die Plakate von STILLER und FRANZ K., der eine Woche vorher startet, ähneln, ist kaum ein Zufall, geht es doch bei beiden Titelhelden auch um das Abhandenkommen von sich und der Welt. „Stiller” handelt an der Oberfläche von Selbst-und Fremdwahrnehmung, also um Identität, doch darunter liegt auch eine Auseinandersetzung mit der Nachkriegszeit und der Anfangsphase des kalten Krieges und wie alles zusammenhängen könnte. Wer will, kann also durchaus Parallelen zur heutigen Zeit erkennen.
„Stefan Haupt hat die Geschichte um Stiller und White erstmals für das Kino inszeniert und konzentriert sich dabei nur auf den ersten Teil des Buches. Wer den Roman kennt und Bedenken hat(te): Das funktioniert tatsächlich erstaunlich gut. Was im Roman über das Schreiben, das Erzählen, die Worte vermittelt ist – Stiller soll im Gefängnis seine Erinnerungen und Gedanken niederschreiben, um die Ermittlungen in einem Mordfall voranzutreiben – passiert auf der Leinwand über die audiovisuelle Inszenierung und eben viel weniger über die Sprache“ Verena Schmöller | kino-zeit
Credits:
CHDE 2025, 99 Min., Deutsch mit englischen Untertiteln Regie: Stefan Haupt Kamera: Michael Hammon Schnitt: Franziska Koeppel mit: Paula Beer, Albrecht Schuch, Marie Leuenberger, Sven Schelker, Max Simonischek
Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App
Filme über Kafka und Kafka-Verfilmungen gibt es einige, Kafka-Biografien und andere Sekundärliteratur bergeweise, lustig veranschaulicht in „Franz K.“ bei einem der Ausflüge ins skurrile Heute. Agnieszka Holland und Autor Marek Epstein haben einen sehr lebendigen Ansatz für ihre Film-Version gewählt, die erscheint wie eine Kurzgeschichtensammlung. Immer wieder springt der Film durch die Zeit, zeigt Aus- und Anschnitte von dem, was so bekannt ist aus dem Leben des hochsensiblen Autors. Mit großer Experimentierfreude und vielen Ideen lässt er uns teilhaben am privaten wie beruflichen Umfeld und interpretiert Auszüge seines Werkes visuell, ohne jedoch das zu befürchtende Feuerwerk „kafkaesker“ Bildsprache zu strapazieren. Von Familie, Freundschaft, Druck und Angst, innerem und äußerem Zwang wird erzählt, oft verspielt, dabei aber auch angemessen ernsthaft, so wie bei der Thematisierung der zunehmend bedrohlichen Lage der Juden in Europa.
„Die tschechisch-deutsch-polnische Produktion fängt die Härte und Grausamkeit der damaligen Zeit ein, ist häufig jedoch auch überraschend humorvoll. Neben dem in sich gekehrten, zerrissenen, hin und wieder pedantischen Franz lernen wir dessen ausgelassene Seite kennen, etwa wenn der Schriftsteller fröhlich lachend in einer freundschaftlichen Runde aus Der Prozess vorliest. Ein schöner Gegenentwurf zur Melancholie und zur verstörenden Schwere, die häufig unser Kafka-Bild prägen.“Andreas Köhnemann | kino-zeit
Credits:
DECZ 2025, 127 Min., Deutsch, Tschechisch OmU Regie: Agnieszka Holland Drehbuch: Marek Epstein Kamera: Tomasz Naumiuk mit: Idan Weiss, Peter Kurth, Jenovéfa Boková, Ivan Trojan, Sandra Korzeniak, Katharina Stark
Sorda ist das spanische Wort für taub. Ein ganz normales Paar, Ángela und Héctor, wünscht sich nach längerer Partnerschaft ein ganz normales Kind. Ángela ist fast gehörlos und was an sich schon eine ungemeine Herausforderung für ein Paar werden kann, bringt die beiden an die Grenzen, die zwischen beider Welten verlaufen. Genauso, wie sich Héctor auf einer Party seiner Frau und ihrem gehörlosen Freundeskreis als Randfigur wahrnimmt, wird Ángela noch bewusster, wie isoliert sich ein Leben mit ihrem Handicap anfühlen kann. Und zu welcher Gesellschaft wird das erwartete Kind gehören, das vielleicht auch gehörlos sein wird? Die Intimität und Feinsinnigkeit des Films sind sicher auch der Tatsache geschuldet, dass die gehörlose Hauptdarstellerin Miriam Garlo und die Regisseurin Eva Libertad Schwestern sind.
„Was heißt es, als gehörlose Frau in einer hörenden Mehrheitsgesellschaft Mutter zu sein? Diese Frage stellt sich Protagonistin Ángela in Eva Libertads Sorda, als sie und ihr hörender Partner Hector gemeinsam ein Kind erwarten. Inspiriert von Gesprächen mit ihrer gehörlosen Schwester Garlo, die auch die Hauptrolle übernimmt, untersucht Libertad die Vereinbarkeit der hörenden und gehörlosen Welt, teils anhand von Bevormundung und Ausgrenzung, die Ángela erfährt, insbesondere aber durch ein nuanciertes und emotionales Porträt einer liebevollen Paar- und Familiendynamik, die zwischen den Welten balanciert.” (Charlie Hain, Filmlöwin)
SORDA erhielt den Panorama Publikumspreis für den besten Spielfilm der Berlinale 2025.
Credits:
ES 2025, 99 Min., Spanisch, Spanische Gebärdensprache mit deutschen Untertiteln Regie, Buch: Eva Libertad Kamera: Gina Ferrer García Schnitt: Marta Velasco mit: Miriam Garlo, Álvaro Cervantes, Elena Irureta, Joaquín Notario
Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App
Trailer:
Trailer SORDA, von Eva Libertad (OV/de), ab 6. November im Kino
Wer in der Schulzeit „Homo Faber“ von Max Frisch lesen musste/durfte, hatte vielleicht Lust bekommen mehr von ihm zu lesen. Mir jedenfalls ging es so und auch jetzt noch nehme ich mir regelmäßig vor, „Stiller“ oder wahlweise „Mein Name sei Gantenbein“ noch einmal zu lesen. Aber auch ohne das Buch zu kennen, oder gerade deshalb, sei der Film sehr spannend, konnte ich vernehmen. Bei einer Zugreise durch die Schweiz wird der US-Amerikaner James Larkin White an der Grenze festgenommen. Der Vorwurf: Er sei der vor sieben Jahren verschwundene Bildhauer Anatol Stiller, der wegen seiner Verwicklung in eine dubiose politische Affäre gesucht wird. White bestreitet seine Schuld und beharrt darauf, nicht Stiller zu sein. Um ihn zu überführen, bittet die Staatsanwaltschaft Stillers Frau Julika um Hilfe. Aber auch sie vermag ihn nicht eindeutig zu identifizieren, in Erinnerungen wird aber mehr und mehr die Beziehung des Ehepaars offengelegt. Der Staatsanwalt hat ebenfalls eine überraschende Verbindung zu dem Verschwundenen. Dass sich die Plakate von STILLER und FRANZ K., der eine Woche vorher startet, ähneln, ist kaum ein Zufall, geht es doch bei beiden Titelhelden auch um das Abhandenkommen von sich und der Welt. „Stiller” handelt an der Oberfläche von Selbst-und Fremdwahrnehmung, also um Identität, doch darunter liegt auch eine Auseinandersetzung mit der Nachkriegszeit und der Anfangsphase des kalten Krieges und wie alles zusammenhängen könnte. Wer will, kann also durchaus Parallelen zur heutigen Zeit erkennen.
„Stefan Haupt hat die Geschichte um Stiller und White erstmals für das Kino inszeniert und konzentriert sich dabei nur auf den ersten Teil des Buches. Wer den Roman kennt und Bedenken hat(te): Das funktioniert tatsächlich erstaunlich gut. Was im Roman über das Schreiben, das Erzählen, die Worte vermittelt ist – Stiller soll im Gefängnis seine Erinnerungen und Gedanken niederschreiben, um die Ermittlungen in einem Mordfall voranzutreiben – passiert auf der Leinwand über die audiovisuelle Inszenierung und eben viel weniger über die Sprache“ Verena Schmöller | kino-zeit
Credits:
CHDE 2025, 99 Min., Deutsch mit englischen Untertiteln Regie: Stefan Haupt Kamera: Michael Hammon Schnitt: Franziska Koeppel mit: Paula Beer, Albrecht Schuch, Marie Leuenberger, Sven Schelker, Max Simonischek
Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App
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