Bird

Ein Film von Andrea Arnold.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Wer die Filme von Andrea Arnold kennt, weiß, dass sie ihre Figuren liebt.
Die trau­ern­de CCTV-Sicherheitsbeamtin in Red Road eben­so wie die Jugendlichen der Drückerkolonne in American Honey, die Hip-Hop-Tänzerin Mia in Fish Tank, Catherine und Heathcliff in Wuthering Heights – gleich wie rau, unge­ho­belt oder pro­ble­ma­tisch sie sich ver­hal­ten, immer lässt sie ihnen ihr Leben, nie wür­de sie jeman­den davon vor­füh­ren. Auch Luma, der rea­len Kuh aus Cow, bringt sie vol­len Respekt ent­ge­gen. In Bird beglei­ten wir die 12-jäh­ri­ge Bailey, die zusam­men mit dem Halbbruder bei ihrem durch­ge­knall­ten, viel zu jun­gen Vater Bug in einem her­un­ter­ge­kom­me­nen Wohnblock lebt, und schwer genervt von ihrer Umgebung ist. Dem plötz­lich auf­tau­chen­den Bird, einer merk­wür­di­gen Erscheinung auf der Suche nach sei­ner Familienvergangenheit, begeg­net sie zuerst auch miss­trau­isch und abwei­send. Bald aber wird der melan­cho­li­sche Fremde eine Art Vertrauter für sie, und manch­mal scheint Bailey dann eine ande­re Welt zu betre­ten.
„Schon in frü­he­ren Filmen hat die Regisseurin Andrea Arnold jun­ge Protagonist:innen in den Fokus genom­men und dabei mit kla­rem, durch­aus auch oft har­tem Blick für bit­te­re sozia­le Realitäten. Zum auf Authentizität set­zen­den Realismus der Britin gesellt sich die­ses Mal durch den von Franz Rogowski irgend­wo zwi­schen naiv und ver­lo­ren ange­leg­ten Titelhelden ein erfreu­li­cher­wei­se nicht zu dick auf­ge­tra­ge­ner magi­scher Realismus. Das kennt man von Arnold sonst so gar nicht, geht hier aber bes­tens auf.
Mit der Hauptdarstellerin Nykiya Adams gelingt der Regisseurin aber­mals eine ech­te Entdeckung, und nicht zuletzt eine Vielzahl von Tieren – von einer Halluzinogene abson­dern­den Kröte über Pferde und einen Fuchs bis hin zu einem beson­ders bedeu­tungs­vol­len Raben – ver­leiht Bird einen ganz eige­nen Touch. Vor allem aber ist der Film eine erfreu­lich sen­si­ble, ein­falls­rei­che und wie immer bei Arnold auch musi­ka­lisch prä­gnan­te Variante des sonst hin­läng­lich abge­gras­ten Coming of Age-Genres.“ Patrick Heidmann | Cineman

Credits:

GB 2023, 119 Min., engl. OmU,
Regie: Andrea Arnold
Kamera: Robbie Ryan
Schnitt: Joe Bini
mit: Barry Keoghan, Franz Rogowski, Nykiya Adams, Jason Edward Buda, Jasmine Jobson, James Nelson-Joyce
Kayleigh Frankie Box

Trailer:
BIRD l Deutscher OmU Trailer
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Archiv: Termine

  • Bird

    Bird

    Ein Film von Andrea Arnold.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Wer die Filme von Andrea Arnold kennt, weiß, dass sie ihre Figuren liebt.
    Die trau­ern­de CCTV-Sicherheitsbeamtin in Red Road eben­so wie die Jugendlichen der Drückerkolonne in American Honey, die Hip-Hop-Tänzerin Mia in Fish Tank, Catherine und Heathcliff in Wuthering Heights – gleich wie rau, unge­ho­belt oder pro­ble­ma­tisch sie sich ver­hal­ten, immer lässt sie ihnen ihr Leben, nie wür­de sie jeman­den davon vor­füh­ren. Auch Luma, der rea­len Kuh aus Cow, bringt sie vol­len Respekt ent­ge­gen. In Bird beglei­ten wir die 12-jäh­ri­ge Bailey, die zusam­men mit dem Halbbruder bei ihrem durch­ge­knall­ten, viel zu jun­gen Vater Bug in einem her­un­ter­ge­kom­me­nen Wohnblock lebt, und schwer genervt von ihrer Umgebung ist. Dem plötz­lich auf­tau­chen­den Bird, einer merk­wür­di­gen Erscheinung auf der Suche nach sei­ner Familienvergangenheit, begeg­net sie zuerst auch miss­trau­isch und abwei­send. Bald aber wird der melan­cho­li­sche Fremde eine Art Vertrauter für sie, und manch­mal scheint Bailey dann eine ande­re Welt zu betre­ten.
    „Schon in frü­he­ren Filmen hat die Regisseurin Andrea Arnold jun­ge Protagonist:innen in den Fokus genom­men und dabei mit kla­rem, durch­aus auch oft har­tem Blick für bit­te­re sozia­le Realitäten. Zum auf Authentizität set­zen­den Realismus der Britin gesellt sich die­ses Mal durch den von Franz Rogowski irgend­wo zwi­schen naiv und ver­lo­ren ange­leg­ten Titelhelden ein erfreu­li­cher­wei­se nicht zu dick auf­ge­tra­ge­ner magi­scher Realismus. Das kennt man von Arnold sonst so gar nicht, geht hier aber bes­tens auf.
    Mit der Hauptdarstellerin Nykiya Adams gelingt der Regisseurin aber­mals eine ech­te Entdeckung, und nicht zuletzt eine Vielzahl von Tieren – von einer Halluzinogene abson­dern­den Kröte über Pferde und einen Fuchs bis hin zu einem beson­ders bedeu­tungs­vol­len Raben – ver­leiht Bird einen ganz eige­nen Touch. Vor allem aber ist der Film eine erfreu­lich sen­si­ble, ein­falls­rei­che und wie immer bei Arnold auch musi­ka­lisch prä­gnan­te Variante des sonst hin­läng­lich abge­gras­ten Coming of Age-Genres.“ Patrick Heidmann | Cineman

    Credits:

    GB 2023, 119 Min., engl. OmU,
    Regie: Andrea Arnold
    Kamera: Robbie Ryan
    Schnitt: Joe Bini
    mit: Barry Keoghan, Franz Rogowski, Nykiya Adams, Jason Edward Buda, Jasmine Jobson, James Nelson-Joyce
    Kayleigh Frankie Box

    Trailer:
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  • Tracing Light – Die Magie des Lichts

    Tracing Light – Die Magie des Lichts

    Ein Film von Thomas Riedelsheimer.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Jeder glaubt zu wis­sen, was Licht ist“, sagt der Quantenphysiker Daniele Faccio. „Aber dann gräbt man ein biss­chen tie­fer und merkt, dass man kei­ne Ahnung hat.“
    Tracing Light – Die Magie des Lichts erkun­det in fas­zi­nie­ren­den Bildern und Begegnungen das wohl bedeu­tends­te aller Naturphänomene. Thomas Riedelsheimer, des­sen Filme Rivers and Tides und Touch The Sound wir lie­ben, blickt dies­mal mehr als dort auch auf eine künst­le­ri­sche Herangehensweise an das Wesen des Lichts, die mit der Forschung zusam­men­geht. So bringt er her­aus­ra­gen­de Wissen- schaftler:innen mit Künstler:innen zusam­men, die mit Licht arbei­ten, und sich fra­gen: Was ist Licht als Material? Wie ver­hält es sich in sei­ner rät­sel­haf­ten Doppelgestalt als Welle und Teilchen? Verändert sich Licht, wenn wir es sehen? In wel­chem Verhältnis ste­hen Licht, Raum und Zeit? Wie prägt unse­re Wahrnehmung des Lichts unser Verständnis der Welt?
    Im Zusammenspiel mit sei­nen cha­ris­ma­ti­schen Protagonist:innen und der kon­ge­nia­len Filmmusik von Fred Frith (nb – ab 6.3. als WA im Kino: Step across the Border) und Gabby Fluke-Mogul machen Thomas Riedelsheimers fas­zi­nie­ren­de Bilder das Licht in sei­nen unzäh­li­gen Facetten, Erscheinungen und Formen, in all sei­ner Komplexität erfahr­bar.
    „Zwischen den Forscherinnen des Max-Planck-Instituts in Erlangen und der ’Extreme Light Group‚ der Universität Glasgow sowie inter­na­tio­nal renom­mier­ten Künstlerinnen wie Ruth Jarman, Joe Gerhardt, Julie Brook, Johannes Brunner und Raimund Ritz ent­wi­ckelt sich ein intel­lek­tu­ell-poe­ti­sches Pingpong-Spiel. In des­sen Verlauf füh­ren die ver­schie­de­nen Perspektiven auf das Thema Licht auf allen Seiten zu Erkenntnissen, die ohne die­ses metho­di­sche Cross-over kaum ent­stan­den wären: von Laserkraft und Farbpigmenten, von schwar­zen Löchern und schwe­ben­den Skulpturen. In kur­zen Momenten mögen Unkundige sogar eine Vorstellung von den gemein­hin als nicht-dar­stell­bar gel­ten­den Regeln der Quantenphysik bekom­men.“
    Luc-Carolin Ziemann | Dok-Leipzig (Eröffnungsfilm 2024)

    Credits:

    DE/GB 2024, 99 Min., engl./dt. Originalfassung mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln
    Regie, Kamera, Schnitt: Thomas Riedelsheimer

    Musik: Fred Frith, gab­by flu­ke-mogul

    Trailer:
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  • filmPOLSKA reloaded: Imago

    filmPOLSKA reloaded: Imago

    Am 26.2. um 18:00 im fsk.

    [Tickets]

    Gdańsk in den Achtzigerjahren – graue Industriemetropole und Fenster zur Welt, Hort katho­li­scher Familientraditionen und Hotspot einer alter­na­ti­ven Jugendkultur, die der New Wave aus Manchester viel näher steht als dem sozia­lis­ti­schen Mainstream aus Warschau. In die­ser explo­si­ven Mischung schlägt sich Ela durch ihr jun­ges Erwachsenenleben. Doch irgend­wie scheint ihr frei­er Geist nicht kom­pa­ti­bel mit dem tra­di­tio­nel­len Erwartungen ihrer Familie zu sein.
    Elas Fluchtwege sind die Musik, die Kunst, die Drogen, der Sex. Wie im Rausch treibt sie aktiv und pas­siv durch die Subkultur der Dreistadt, schein­bar los­ge­löst von Raum und Zeit – die doch ihre Grenzen haben, denn der kom­mu­nis­ti­sche Staat hat Erwartungen in sei­ne Staatsbürgerinnen, vor allem in ihre Rolle als berufs­tä­ti­ge Mütter und Ehefrauen. Die passt nicht zu einer Frau, die Kette raucht, als Sängerin einer Indie-Band näch­te­lang durch die Clubs tin­gelt, an Performances mit­wirkt und deren Leben selbst eine Performance ist.
    In ihrem Zweitwerk taucht Olga Chajdas mit dezi­diert weib­li­chem Fokus tief in das Lebensgefühl der Achtzigerjahre ein, das sie kon­ge­ni­al zitiert – u. a. durch den Retro-Soundtrack von Andrzej Smolik und die kör­nig-ana­lo­gen Bildern von Tomasz Naumiok. Hauptdarstellerin und Co-Autorin Lena Góra schlüpft mit Bravour in ihre bis­her ver­mut­lich schwie­rigs­te Rolle – die ihrer Mutter, die als Sängerin die nord­pol­ni­sche Kulturszene der Achtzigerjahre präg­te und mit der sie sich durch die­sen Rollentausch aus­söhnt.
    „Imago“ lief im September 2024 im Wettbewerb des 19. pol­ni­schen Filmfestivals filmPOLSKA in Berlin und Potsdam.

    Drama, R: Olga Chajdas, PL/NL/CZ 2023, 113 min, OmeU
    Einführung: Bartek Tesarz (Polnisches Institut Berlin) & Rainer Mende (Polnisches Institut Berlin – Filiale Leipzig)

    B: Lena Góra & Olga Chajdas
    K: Tomasz Naumiuk
    S: Pavel Hrdlička
    M: Andrzej Smolik
    D: Lena Góra, Bogusława Schubert, Mateusz Więcławek, Wacław Warchoł, Michał Balicki, Wojciech Brzeziński u. a.
    Veranstalter: Polnisches Institut Berlin in Kooperation mit dem fsk Kino

  • Bird

    Bird

    Ein Film von Andrea Arnold.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Wer die Filme von Andrea Arnold kennt, weiß, dass sie ihre Figuren liebt.
    Die trau­ern­de CCTV-Sicherheitsbeamtin in Red Road eben­so wie die Jugendlichen der Drückerkolonne in American Honey, die Hip-Hop-Tänzerin Mia in Fish Tank, Catherine und Heathcliff in Wuthering Heights – gleich wie rau, unge­ho­belt oder pro­ble­ma­tisch sie sich ver­hal­ten, immer lässt sie ihnen ihr Leben, nie wür­de sie jeman­den davon vor­füh­ren. Auch Luma, der rea­len Kuh aus Cow, bringt sie vol­len Respekt ent­ge­gen. In Bird beglei­ten wir die 12-jäh­ri­ge Bailey, die zusam­men mit dem Halbbruder bei ihrem durch­ge­knall­ten, viel zu jun­gen Vater Bug in einem her­un­ter­ge­kom­me­nen Wohnblock lebt, und schwer genervt von ihrer Umgebung ist. Dem plötz­lich auf­tau­chen­den Bird, einer merk­wür­di­gen Erscheinung auf der Suche nach sei­ner Familienvergangenheit, begeg­net sie zuerst auch miss­trau­isch und abwei­send. Bald aber wird der melan­cho­li­sche Fremde eine Art Vertrauter für sie, und manch­mal scheint Bailey dann eine ande­re Welt zu betre­ten.
    „Schon in frü­he­ren Filmen hat die Regisseurin Andrea Arnold jun­ge Protagonist:innen in den Fokus genom­men und dabei mit kla­rem, durch­aus auch oft har­tem Blick für bit­te­re sozia­le Realitäten. Zum auf Authentizität set­zen­den Realismus der Britin gesellt sich die­ses Mal durch den von Franz Rogowski irgend­wo zwi­schen naiv und ver­lo­ren ange­leg­ten Titelhelden ein erfreu­li­cher­wei­se nicht zu dick auf­ge­tra­ge­ner magi­scher Realismus. Das kennt man von Arnold sonst so gar nicht, geht hier aber bes­tens auf.
    Mit der Hauptdarstellerin Nykiya Adams gelingt der Regisseurin aber­mals eine ech­te Entdeckung, und nicht zuletzt eine Vielzahl von Tieren – von einer Halluzinogene abson­dern­den Kröte über Pferde und einen Fuchs bis hin zu einem beson­ders bedeu­tungs­vol­len Raben – ver­leiht Bird einen ganz eige­nen Touch. Vor allem aber ist der Film eine erfreu­lich sen­si­ble, ein­falls­rei­che und wie immer bei Arnold auch musi­ka­lisch prä­gnan­te Variante des sonst hin­läng­lich abge­gras­ten Coming of Age-Genres.“ Patrick Heidmann | Cineman

    Credits:

    GB 2023, 119 Min., engl. OmU,
    Regie: Andrea Arnold
    Kamera: Robbie Ryan
    Schnitt: Joe Bini
    mit: Barry Keoghan, Franz Rogowski, Nykiya Adams, Jason Edward Buda, Jasmine Jobson, James Nelson-Joyce
    Kayleigh Frankie Box

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    BIRD l Deutscher OmU Trailer
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  • A real Pain

    A real Pain

    Ein Film von Jesse Eisenberg.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Allein sitzt Benji (Kieran Culkin) am Flughafen in New York, inmit­ten von hek­ti­schen Reisenden scheint er ein Pol der Ruhe zu sein. Er war­tet auf sei­nen Cousin David (Jesse Eisenberg), der die Idee zu einer Reise in die gemein­sa­me Vergangenheit gehabt hat. Beider Großmutter ist vor kur­zem gestor­ben, ihr Erbe ermög­licht den Cousins, die sich einst Nahe stan­den, aber inzwi­schen nur noch wenig Kontakt haben, eine Reise nach Polen, in das Land ihrer Vorfahren.

    Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges konn­te ihre jüdi­sche Großmutter flie­hen, zurück in ihre Heimat reis­te sie nie wie­der. In Warschau schlie­ßen sich die Cousins einer Reisegruppe an, als deren Leiter James (Will Sharpe) fun­giert, ein bri­ti­scher Akademiker, der dem­entspre­chend aka­de­misch über die Orte des Grauens berich­tet, die die Gruppe besucht.

    Neben den Cousins nimmt unter ande­rem ein ame­ri­ka­ni­sches Ehepaar an der Reise in die Vergangenheit teil, aber auch ein Mann aus Ruanda, der den dor­ti­gen Genozid über­leb­te und danach zum Judaismus kon­ver­tier­te. Gemeinsam reist die Gruppe durch das gegen­wär­ti­ge Polen, in dem die Spuren der einst gro­ßen jüdi­schen Bevölkerung nur noch schwer zu fin­den sind, besu­chen Monumente und Mahnmale und am Ende auch das Konzentrationslager Majdanek.

    Ein klas­si­sches erzäh­le­ri­sches Muster ver­wen­det Jesse Eisenberg für sei­nen zwei­ten Spielfilm, das deut­schen Zuschauern bekannt vor­kom­men mag: Erst vor weni­gen Monaten lief Julia von Heinz „Treasure – Familie ist ein frem­des Land“ im Kino, in dem eben­falls zwei Personen, dort ein Vater-Tochter Gespann, nach Polen rei­sen und sich auf die Spuren der Vergangenheit zu bege­ben. Im Gegensatz zu von Heinz ist Eisenberg aller­dings selbst jüdi­scher Herkunft, hat Verwandte, die dem Holocaust ent­ka­men, eine Großmutter, die aus Polen emigrierte.

    Und er hat sich in den letz­ten Jahren, in zum Beispiel im Magazin The New Yorker erschie­ne­nen Texten, als poin­tier­ter, iro­ni­scher Beobachter erwie­sen, der mit unter­schwel­li­gem Humor über exis­ten­zi­el­les und all­zu mensch­li­ches Verhalten schreibt. In sei­nem zwei­ten Film benutzt er nun eine ein­fa­che Road Movie-Struktur, auf deren Weg man den bei­den schein­bar unter­schied­li­chen Cousins nahe kommt.

    Besonders Kieran Culkin, der in den letz­ten Jahren vor allem durch die erfolg­rei­che Fernsehserie „Succession“ bekannt gewor­den ist, glänzt dabei als anfangs mit sich im rei­nen wir­ken­der Mann, des­sen Sorgen sich erst nach und nach offen­ba­ren. Anstrengend wirkt die­ser Benji oft, wenn er die Reisegruppe und ihren Leiter kon­fron­tiert, schein­ba­re Wahrheiten in Frage stellt und dadurch der emo­tio­na­len Wahrheit viel näher kommt, als ihr aka­de­mi­scher Reiseleiter. Ganz bei­läu­fig insze­niert Eisenberg die Reise, lässt die Dialoge und Situationen für sich ste­hen und erweist sich gera­de durch die­se Zurückhaltung als genau­er Beobachter einer Konfrontation mit der eige­nen Vergangenheit.

    Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    US/PL 2024, 90 Min., engl. OmU
    Regie: Jesse Eisenberg
    Kamera: Michael Dymak
    Schnitt: Robert Nassau
    mit Jesse Eisenberg, Kieran Culkin, Will Sharpe, Jennifer Grey, Kurt Egyiawan, Liza Sadovy, Daniel Oreskes 

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  • Soundtrack to a Coup d’Etat

    Soundtrack to a Coup d’Etat

    Ein Film von Johan Grimonprez.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Im Grunde ist die­ser Film eine Zumutung: Er ist lang, schnell und wütend, und er ent­hält eine Überfülle an Informationen. Mit einer unglaub­lich umfang­rei­chen Materialsammlung aus Film- und Fernsehbildern, Reportagen, mit geschicht­li­chem und geo­po­li­ti­schem Hintergrundwissen gelingt hier eine Verdichtung der sechs Monate von der Unabhängigkeit Kongos von Belgien bis zur Ermordung des ers­ten Ministerpräsidenten der Demokratischen Republik Kongo, Patrice Lumumba. Im Zuge der Dekolonisierung wuchs die Zahl der Mitgliedsstaaten der UN Anfang der 1960er Jahre schnell aufs drei­fa­che an, wodurch ein Machtverlust der bis­he­ri­gen Mitglieder droh­te. Viele der neu­en Staaten wur­den von sozia­lis­ti­schen Regimen unter­stützt, was die west­li­che Seite nicht hin­neh­men konn­te, zumal wert­vol­le Bodenschätze zur Disposition stan­den. Anhand rasan­ter Bild- und Tonmontagen führt Johan Grimonprez eine hoch­in­ter­es­san­te stra­te­gi­sche Antwort der USA vor. Ein beein­dru­cken­des und span­nen­des Werk, auf­wüh­lend und lei­der immer noch aktuell.

    Dieser detail­rei­che und fas­zi­nie­ren­de Film springt zwi­schen Zeitebenen und Kontinenten hin und her. Er zeigt, wie die CIA unwis­sen­de Jazzmusiker (z. B. Louis Armstrong) als Ablenkungsmanöver ein­setzt, um ihre poli­ti­schen Einmischungen in ver­schie­de­nen Ländern zu ver­schlei­ern. Es geht um die unglaub­li­che Andrée Blouin – Frauenrechtsaktivistin, Lumumbas Beraterin und Redenschreiberin … .Es gibt Werbeeinblendungen für iPhones und Teslas, die zei­gen, wie die Bodenschätze der Demokratischen Republik Kongo das Land zu einem begehr­ten Ziel für die Kolonialmächte mach­ten, und die die Vergangenheit mit der aktu­el­len Geschichte ver­knüp­fen. Informativ, gründ­lich recher­chiert, aber nie tro­cken oder didak­tisch, ist dies eine phä­no­me­na­le Leistung von Grimonprez, der auch sein eige­nes Land für sei­ne beschä­men­de Rolle in die­ser trau­ri­gen Geschichte zur Rechenschaft zieht.“
    Wendy Ide | The Guardian

    Credits:


    BE/FR/NL 2024, 150 Min., engl., frz. OmU, 

    Regie: Johan Grimonprez, 

    mit: Patrice Lumumba, Louis Armstrong, Andrée Blouin, Nina Simone, Nikita Krutschev, Eisenhower, Fidel Castro, Duke Elligton

    Trailer:
    Soundtrack to a Coup d’Etat – Official Trailer
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  • Noch bin ich nicht, wer ich sein möchte

    Noch bin ich nicht, wer ich sein möchte

    Ein Film von Klára Tasovská.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein Fotofilm, mon­tiert aus tau­sen­den Aufnahmen der Fotografin Libuše Jarcovjáková, unter­legt mit Texten aus ihren Tagebüchern. Das Kaleidoskop eines erfüll­ten Lebens, hart und uner­bitt­lich abge­run­gen und erkämpft, was mög­lich schien. Ohne sich zu scho­nen, um aus dem Vollen schöp­fen zu kön­nen. All das ist in den schwarz/weißen Momentaufnahmen greif­bar und spür­bar.
    Dem Grau des real exis­tie­ren­den Sozialismus und der Depression nach der Niederschlagung des Prager Frühlings ent­flieht die Fotografin in die Ritzen, die es damals zumin­dest in Prag gab. Weil ihre Eltern als unzu­ver­läs­sig gal­ten, wur­de Libuše Jarcovjáková lan­ge das Studium an der Kunstschule ver­sperrt, sie muss­te sich erst als Arbeiterin bewäh­ren. Schichten in einer Druckerei, dort arbeiten/saufen/schlafen. In Kneipen leben, lan­ge in der ein­zi­gen Schwulenbar am Ort. Sprachkurse für viet­na­me­si­sche Vertragsarbeiter, nackig daheim mit Freunden und noch ein paar Gläser mehr. Die Kamera erlebt alles mit, sach­lich, neu­tral und grob­kör­nig. Durch einen Zufall kommt sie nach Japan und wird Modefotografin, denn das Leben schreibt die schlech­tes­ten Drehbücher. Dabei wird sicht­bar, über welch viel­sei­ti­ges Repertoire sie ver­fügt. Aber geleck­te Modeaufnahmen lie­gen ihr eben nicht und sie fährt zurück. Zu Prag und Tokio gesellt sich schließ­lich West-Berlin, der sur­rea­le Ort, der von Oktober bis April aus­schließ­lich in Grautönen exis­tier­te. Libuše Jarcovjáková arbei­tet hier u.a. als Zimmermädchen, denn als Künstlerin ent­deckt und aner­kannt wird sie erst sehr spät. Noch bin ich nicht… ist ein wil­der Bilderrausch aus der Untersicht, vol­ler Empathie für die, die im Spiegelreflex strah­len.
    In wel­cher Welt lebe ich? Wer bin ich? Wie möch­te ich leben? Aus Libuše Jarcovjákovás Werk von zehn­tau­sen­den Negativen und dut­zen­den Tagebüchern hat die tsche­chi­sche Regisseurin Klára Tasovská einen poe­ti­schen Filmessay mon­tiert. Noch bin ich nicht, wer ich sein möch­te erzählt von einem beson­de­ren Künstlerinnenleben und einer bewe­gen­den Reise in die Freiheit, die sich über sechs Jahrzehnte spannt und von der sowje­tisch „nor­ma­li­sier­ten“ ČSSR der spä­ten 1960er und frü­hen 70er über das Ost-Berlin der 80er bis ins Prag nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und von heu­te führt.

    Credits:

    Ještě nej­sem, kým chci být
    CZ/SK/AU 2024, 90 Min., tsche­chi­sche Originalfassung mit deut­schen Untertiteln
    Regie:
    Klára Tasovská
    Schnitt: Alexander Kashcheev

    Trailer:
    NOCH BIN ICH NICHT, WER ICH SEIN MÖCHTE Trailer Deutsch | German [HD]

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  • Die Saat des heiligen Feigenbaums

    Die Saat des heiligen Feigenbaums

    Ein Film von Mohammad Rasoulof.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Kurz nach­dem Iman zum Untersuchungsrichter am Revolutionsgericht beför­dert wur­de, erstarkt nach Jina Mahsa Aminis Tod die Protestbewegung im Land. Während er mit dem Druck des neu­en Jobs zu kämp­fen hat, enga­gie­ren sich sei­ne Töchter bei den Protesten. Seine Frau Najmeh wie­der­um ver­sucht ver­zwei­felt, die Familie zusam­men­zu­hal­ten.
    Regisseur Mohammad Rasoulof hat viel Zeit sei­nes Lebens in Unfreiheit ver­bracht, im Gefängnis, unter Hausarrest oder mit Ausreiseverbot, dazu kommt das Berufsverbot. Umso erstaun­li­cher ist nicht nur, dass er über­haupt noch dreht, und, dass sei­ne Arbeiten immer direk­ter, gewag­ter wur­den. Während „Iron Island“ von 2005 noch als mehr­deu­ti­ge Allegorie erscheint, und „The White Meadows“ (2009) para­bel­haf­te Fantasie ist, geht der auto­bio­gra­fisch gepräg­te „Goodbye“ (2011), schon wesent­lich direk­ter auf die sub­ver­si­ve staat­li­che Repression ein. Der Thriller „Manuscripts don‘t burn“ (2013) ver­klau­su­liert nichts mehr. Die Geschichte über die Geheimdienst-Morde an Schriftstellern hat sogar einen rea­len Hintergrund. In „A Man of inte­gri­ty“ (2017) geht es um Korruption, der Berlinale-Gewinner „There is no Evil“ ver­knüpft vier per­sön­li­che Schicksale mit den poli­ti­schen Gegebenheiten.
    Nach Verhängung einer mehr­jäh­ri­gen Haftstrafe und Peitschenhieben konn­te Rasoulof aus dem Iran flie­hen und „Die Saat des hei­li­gen Feigenbaum“ beim Wettbewerb in Cannes per­sön­lich vor­stel­len. Natürlich steht die Familie, die sich auf­grund der poli­ti­schen Entwicklungen ent­zweit, stell­ver­tre­tend für die ira­ni­sche Gesellschaft, aber die Vorkommnisse sind durch­aus real.
    ,Die Saat des hei­li­gen Feigenbaums‘ wird Deutschland bei den Oscars ver­tre­ten. Die Jury: der Film ist das Psychogramm der auf Gewalt und Paranoia auf­ge­bau­ten Theokratie des Iran. … Ein meis­ter­haft insze­nier­ter und berüh­rend gespiel­ter Film, der Szenen fin­det, die blei­ben. Die bei­den auf­be­geh­ren­den Töchter ste­hen für die muti­gen Frauen des Iran und ihren auf­op­fe­rungs­vol­len Kampf gegen die Patriarchen ihrer Familien wie ihres Staates. Er ist eine her­aus­ra­gen­de Arbeit eines der gro­ßen Regisseure des Weltkinos, der in Deutschland Schutz gefun­den hat vor staat­li­cher Willkür im Iran. Wir sind sehr froh dar­über, Rasoulof sicher in unse­rem Land zu wissen.

    Credits:

    IR, DE, FR 2024, 168 Min., far­si OmU
    Regie: Mohammad Rasoulof
    Kamera: Pooyan Aghababaei
    Schnitt: Andrew Bird
    mit Missagh Zareh, Soheila Golestani, Mahsa Rostami, Setareh Maleki, Niousha Akhshi

    Trailer:
    The Seed of the Sacred Fig – Trailer OV/d
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  • Bird

    Bird

    Ein Film von Andrea Arnold.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Wer die Filme von Andrea Arnold kennt, weiß, dass sie ihre Figuren liebt.
    Die trau­ern­de CCTV-Sicherheitsbeamtin in Red Road eben­so wie die Jugendlichen der Drückerkolonne in American Honey, die Hip-Hop-Tänzerin Mia in Fish Tank, Catherine und Heathcliff in Wuthering Heights – gleich wie rau, unge­ho­belt oder pro­ble­ma­tisch sie sich ver­hal­ten, immer lässt sie ihnen ihr Leben, nie wür­de sie jeman­den davon vor­füh­ren. Auch Luma, der rea­len Kuh aus Cow, bringt sie vol­len Respekt ent­ge­gen. In Bird beglei­ten wir die 12-jäh­ri­ge Bailey, die zusam­men mit dem Halbbruder bei ihrem durch­ge­knall­ten, viel zu jun­gen Vater Bug in einem her­un­ter­ge­kom­me­nen Wohnblock lebt, und schwer genervt von ihrer Umgebung ist. Dem plötz­lich auf­tau­chen­den Bird, einer merk­wür­di­gen Erscheinung auf der Suche nach sei­ner Familienvergangenheit, begeg­net sie zuerst auch miss­trau­isch und abwei­send. Bald aber wird der melan­cho­li­sche Fremde eine Art Vertrauter für sie, und manch­mal scheint Bailey dann eine ande­re Welt zu betre­ten.
    „Schon in frü­he­ren Filmen hat die Regisseurin Andrea Arnold jun­ge Protagonist:innen in den Fokus genom­men und dabei mit kla­rem, durch­aus auch oft har­tem Blick für bit­te­re sozia­le Realitäten. Zum auf Authentizität set­zen­den Realismus der Britin gesellt sich die­ses Mal durch den von Franz Rogowski irgend­wo zwi­schen naiv und ver­lo­ren ange­leg­ten Titelhelden ein erfreu­li­cher­wei­se nicht zu dick auf­ge­tra­ge­ner magi­scher Realismus. Das kennt man von Arnold sonst so gar nicht, geht hier aber bes­tens auf.
    Mit der Hauptdarstellerin Nykiya Adams gelingt der Regisseurin aber­mals eine ech­te Entdeckung, und nicht zuletzt eine Vielzahl von Tieren – von einer Halluzinogene abson­dern­den Kröte über Pferde und einen Fuchs bis hin zu einem beson­ders bedeu­tungs­vol­len Raben – ver­leiht Bird einen ganz eige­nen Touch. Vor allem aber ist der Film eine erfreu­lich sen­si­ble, ein­falls­rei­che und wie immer bei Arnold auch musi­ka­lisch prä­gnan­te Variante des sonst hin­läng­lich abge­gras­ten Coming of Age-Genres.“ Patrick Heidmann | Cineman

    Credits:

    GB 2023, 119 Min., engl. OmU,
    Regie: Andrea Arnold
    Kamera: Robbie Ryan
    Schnitt: Joe Bini
    mit: Barry Keoghan, Franz Rogowski, Nykiya Adams, Jason Edward Buda, Jasmine Jobson, James Nelson-Joyce
    Kayleigh Frankie Box

    Trailer:
    BIRD l Deutscher OmU Trailer
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  • Soundtrack to a Coup d’Etat

    Soundtrack to a Coup d’Etat

    Ein Film von Johan Grimonprez.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Im Grunde ist die­ser Film eine Zumutung: Er ist lang, schnell und wütend, und er ent­hält eine Überfülle an Informationen. Mit einer unglaub­lich umfang­rei­chen Materialsammlung aus Film- und Fernsehbildern, Reportagen, mit geschicht­li­chem und geo­po­li­ti­schem Hintergrundwissen gelingt hier eine Verdichtung der sechs Monate von der Unabhängigkeit Kongos von Belgien bis zur Ermordung des ers­ten Ministerpräsidenten der Demokratischen Republik Kongo, Patrice Lumumba. Im Zuge der Dekolonisierung wuchs die Zahl der Mitgliedsstaaten der UN Anfang der 1960er Jahre schnell aufs drei­fa­che an, wodurch ein Machtverlust der bis­he­ri­gen Mitglieder droh­te. Viele der neu­en Staaten wur­den von sozia­lis­ti­schen Regimen unter­stützt, was die west­li­che Seite nicht hin­neh­men konn­te, zumal wert­vol­le Bodenschätze zur Disposition stan­den. Anhand rasan­ter Bild- und Tonmontagen führt Johan Grimonprez eine hoch­in­ter­es­san­te stra­te­gi­sche Antwort der USA vor. Ein beein­dru­cken­des und span­nen­des Werk, auf­wüh­lend und lei­der immer noch aktuell.

    Dieser detail­rei­che und fas­zi­nie­ren­de Film springt zwi­schen Zeitebenen und Kontinenten hin und her. Er zeigt, wie die CIA unwis­sen­de Jazzmusiker (z. B. Louis Armstrong) als Ablenkungsmanöver ein­setzt, um ihre poli­ti­schen Einmischungen in ver­schie­de­nen Ländern zu ver­schlei­ern. Es geht um die unglaub­li­che Andrée Blouin – Frauenrechtsaktivistin, Lumumbas Beraterin und Redenschreiberin … .Es gibt Werbeeinblendungen für iPhones und Teslas, die zei­gen, wie die Bodenschätze der Demokratischen Republik Kongo das Land zu einem begehr­ten Ziel für die Kolonialmächte mach­ten, und die die Vergangenheit mit der aktu­el­len Geschichte ver­knüp­fen. Informativ, gründ­lich recher­chiert, aber nie tro­cken oder didak­tisch, ist dies eine phä­no­me­na­le Leistung von Grimonprez, der auch sein eige­nes Land für sei­ne beschä­men­de Rolle in die­ser trau­ri­gen Geschichte zur Rechenschaft zieht.“
    Wendy Ide | The Guardian

    Credits:


    BE/FR/NL 2024, 150 Min., engl., frz. OmU, 

    Regie: Johan Grimonprez, 

    mit: Patrice Lumumba, Louis Armstrong, Andrée Blouin, Nina Simone, Nikita Krutschev, Eisenhower, Fidel Castro, Duke Elligton

    Trailer:
    Soundtrack to a Coup d’Etat – Official Trailer
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