All we imagine as light

Ein Film von Payal Kapadia.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Es war der ers­te indi­sche Film seit 30 Jahren, der in den Wettbewerb des Filmfestes in Cannes ein­ge­la­den wur­de. In ihrem Spielfilmdebüt the­ma­ti­siert die Dokumentarfilmerin Payal Kapadia die öko­no­mi­schen Ungleichheiten Indiens und nimmt uns mit in die Megacity Mumbai. Hier gilt ihr Blick drei Frauen, die in einem Krankenhaus arbei­ten. Die zurück­hal­ten­de Pflegerin Prabha lebt in ihrer Arbeit, die sie mit Ruhe und Sorgfalt bewäl­tigt. Der ihr zunächst unbe­kann­te Mann, mit dem sie eine arran­gier­ten Ehe ein­ging, ver­ließ sie kurz nach der Trauung Richtung Deutschland, der Arbeit wegen, und hat sich seit­dem nicht mehr gemel­det. Die Wohnung teilt sie sich des­halb seit eini­ger Zeit mit ihrer jün­ge­ren Kollegin Anu. Die ist leb­haft, risi­ko­freu­dig und frisch ver­liebt, in Shiaz, einen Mann mit der fal­schen Religion. Die Schwierigkeiten mit der Familie und die Gerüchteküche im Krankenhaus sor­gen Anu wenig, wohl aber, dass sie mit dem Geliebten nie und nir­gend­wo allein sein kann. Für Prabha hin­ge­gen schwärmt offen­sicht­lich ein Arzt, für sie aber gilt das Ehegelöbnis. Als die Post aller­dings einen Reiskocher aus Deutschland bei ihr ablie­fert, ohne Absender oder Gruß, fragt sie sich schon, was die­se ers­te Nachricht seit drei Jahren bedeu­ten könn­te – viel­leicht ist es doch eine Art Abfindung, ein Vorbote der Trennung?
Die drit­te Frau ist Parvaty, Köchin im Krankenhaus und Prabhas bes­te Freundin. Ihr droht nach dem Tod des Ehemanns der Verlust der Wohnung, denn er hat ihr kei­ne Papiere hin­ter­las­sen, die die Rechte klä­ren. Prabha ver­sucht ihr zu hel­fen, aber sie sind chan­cen­los. Resigniert ver­lässt Parvaty Mumbai und zieht zurück in ihr Heimatdorf. Dort besu­chen sie Prabha und Anu, und die­se Tage wer­den zu einem ganz beson­de­ren Erlebnis.
Trotz der doku­men­ta­ri­schen Sicht und aller Authentizität wirkt „All we ima­gi­ne as Light“ stets wie unwirk­lich und ver­zau­bert, viel­leicht aber auch nur aus west­li­cher Sicht.

Kino, das im bes­ten Sinne den Blick auf ande­re Welten öff­net“ schreibt programmkino.de dazu. Unzweifelhaft ist jedoch, dass er ganz wun­der­bar eine Entwicklung hin zu weib­li­cher Solidarität und immer mehr Selbstbewusstsein aufzeichnet.

Sehnsüchtig such­te man [im Wettbewerb der 77. Filmfestspiele von Cannes] nach einem Film, der sich auf die Schönheit, die ele­men­ta­re Kraft des Kinos ver­ließ. Und er kam dann auch. „All we ima­gi­ne as Light“ von der indi­schen Regisseurin Payal Kapadia folgt drei Frauen, die als Krankenschwestern und Köchin in einem Krankenhaus in Mumbai arbei­ten. Mit einer ruhi­gen Kamera glei­tet man in drei Leben hin­ein. Zwischen Schichtarbeit, Kochen und Einkaufen geht es um die Dinge des Lebens.
„All we ima­gi­ne as Light“ bekam in Cannes den Großen Preis der Jury, und die­ser berüh­ren­de Film, ein wahr­haf­ti­ger Lichtblick, zeigt, was Kino sein kann: Alles, was wir uns als Licht vor­stel­len.“ Katja Nikodemus | Die Zeit

Wettbewerb Cannes Filmfestival 2024. Mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.

Credits:

IN, FR, NL, LU 2024, 114 Min., Malayalam, Hindi OmU
Regie: Payal Kapadia
Kamera: Rabadir Das
Schnitt: Clément Pinteaux
mit Kani Kusruti, Divya Prabha, Chhaya Kadam, Hridhu Haroon 

Trailer:
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Archiv: Termine

  • All we imagine as light

    All we imagine as light

    Ein Film von Payal Kapadia.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Es war der ers­te indi­sche Film seit 30 Jahren, der in den Wettbewerb des Filmfestes in Cannes ein­ge­la­den wur­de. In ihrem Spielfilmdebüt the­ma­ti­siert die Dokumentarfilmerin Payal Kapadia die öko­no­mi­schen Ungleichheiten Indiens und nimmt uns mit in die Megacity Mumbai. Hier gilt ihr Blick drei Frauen, die in einem Krankenhaus arbei­ten. Die zurück­hal­ten­de Pflegerin Prabha lebt in ihrer Arbeit, die sie mit Ruhe und Sorgfalt bewäl­tigt. Der ihr zunächst unbe­kann­te Mann, mit dem sie eine arran­gier­ten Ehe ein­ging, ver­ließ sie kurz nach der Trauung Richtung Deutschland, der Arbeit wegen, und hat sich seit­dem nicht mehr gemel­det. Die Wohnung teilt sie sich des­halb seit eini­ger Zeit mit ihrer jün­ge­ren Kollegin Anu. Die ist leb­haft, risi­ko­freu­dig und frisch ver­liebt, in Shiaz, einen Mann mit der fal­schen Religion. Die Schwierigkeiten mit der Familie und die Gerüchteküche im Krankenhaus sor­gen Anu wenig, wohl aber, dass sie mit dem Geliebten nie und nir­gend­wo allein sein kann. Für Prabha hin­ge­gen schwärmt offen­sicht­lich ein Arzt, für sie aber gilt das Ehegelöbnis. Als die Post aller­dings einen Reiskocher aus Deutschland bei ihr ablie­fert, ohne Absender oder Gruß, fragt sie sich schon, was die­se ers­te Nachricht seit drei Jahren bedeu­ten könn­te – viel­leicht ist es doch eine Art Abfindung, ein Vorbote der Trennung?
    Die drit­te Frau ist Parvaty, Köchin im Krankenhaus und Prabhas bes­te Freundin. Ihr droht nach dem Tod des Ehemanns der Verlust der Wohnung, denn er hat ihr kei­ne Papiere hin­ter­las­sen, die die Rechte klä­ren. Prabha ver­sucht ihr zu hel­fen, aber sie sind chan­cen­los. Resigniert ver­lässt Parvaty Mumbai und zieht zurück in ihr Heimatdorf. Dort besu­chen sie Prabha und Anu, und die­se Tage wer­den zu einem ganz beson­de­ren Erlebnis.
    Trotz der doku­men­ta­ri­schen Sicht und aller Authentizität wirkt „All we ima­gi­ne as Light“ stets wie unwirk­lich und ver­zau­bert, viel­leicht aber auch nur aus west­li­cher Sicht.

    Kino, das im bes­ten Sinne den Blick auf ande­re Welten öff­net“ schreibt programmkino.de dazu. Unzweifelhaft ist jedoch, dass er ganz wun­der­bar eine Entwicklung hin zu weib­li­cher Solidarität und immer mehr Selbstbewusstsein aufzeichnet.

    Sehnsüchtig such­te man [im Wettbewerb der 77. Filmfestspiele von Cannes] nach einem Film, der sich auf die Schönheit, die ele­men­ta­re Kraft des Kinos ver­ließ. Und er kam dann auch. „All we ima­gi­ne as Light“ von der indi­schen Regisseurin Payal Kapadia folgt drei Frauen, die als Krankenschwestern und Köchin in einem Krankenhaus in Mumbai arbei­ten. Mit einer ruhi­gen Kamera glei­tet man in drei Leben hin­ein. Zwischen Schichtarbeit, Kochen und Einkaufen geht es um die Dinge des Lebens.
    „All we ima­gi­ne as Light“ bekam in Cannes den Großen Preis der Jury, und die­ser berüh­ren­de Film, ein wahr­haf­ti­ger Lichtblick, zeigt, was Kino sein kann: Alles, was wir uns als Licht vor­stel­len.“ Katja Nikodemus | Die Zeit

    Wettbewerb Cannes Filmfestival 2024. Mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.

    Credits:

    IN, FR, NL, LU 2024, 114 Min., Malayalam, Hindi OmU
    Regie: Payal Kapadia
    Kamera: Rabadir Das
    Schnitt: Clément Pinteaux
    mit Kani Kusruti, Divya Prabha, Chhaya Kadam, Hridhu Haroon 

    Trailer:
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  • Die Saat des heiligen Feigenbaums

    Die Saat des heiligen Feigenbaums

    Ein Film von Mohammad Rasoulof.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Kurz nach­dem Iman zum Untersuchungsrichter am Revolutionsgericht beför­dert wur­de, erstarkt nach Jina Mahsa Aminis Tod die Protestbewegung im Land. Während er mit dem Druck des neu­en Jobs zu kämp­fen hat, enga­gie­ren sich sei­ne Töchter bei den Protesten. Seine Frau Najmeh wie­der­um ver­sucht ver­zwei­felt, die Familie zusam­men­zu­hal­ten.
    Regisseur Mohammad Rasoulof hat viel Zeit sei­nes Lebens in Unfreiheit ver­bracht, im Gefängnis, unter Hausarrest oder mit Ausreiseverbot, dazu kommt das Berufsverbot. Umso erstaun­li­cher ist nicht nur, dass er über­haupt noch dreht, und, dass sei­ne Arbeiten immer direk­ter, gewag­ter wur­den. Während „Iron Island“ von 2005 noch als mehr­deu­ti­ge Allegorie erscheint, und „The White Meadows“ (2009) para­bel­haf­te Fantasie ist, geht der auto­bio­gra­fisch gepräg­te „Goodbye“ (2011), schon wesent­lich direk­ter auf die sub­ver­si­ve staat­li­che Repression ein. Der Thriller „Manuscripts don‘t burn“ (2013) ver­klau­su­liert nichts mehr. Die Geschichte über die Geheimdienst-Morde an Schriftstellern hat sogar einen rea­len Hintergrund. In „A Man of inte­gri­ty“ (2017) geht es um Korruption, der Berlinale-Gewinner „There is no Evil“ ver­knüpft vier per­sön­li­che Schicksale mit den poli­ti­schen Gegebenheiten.
    Nach Verhängung einer mehr­jäh­ri­gen Haftstrafe und Peitschenhieben konn­te Rasoulof aus dem Iran flie­hen und „Die Saat des hei­li­gen Feigenbaum“ beim Wettbewerb in Cannes per­sön­lich vor­stel­len. Natürlich steht die Familie, die sich auf­grund der poli­ti­schen Entwicklungen ent­zweit, stell­ver­tre­tend für die ira­ni­sche Gesellschaft, aber die Vorkommnisse sind durch­aus real.
    ,Die Saat des hei­li­gen Feigenbaums‘ wird Deutschland bei den Oscars ver­tre­ten. Die Jury: der Film ist das Psychogramm der auf Gewalt und Paranoia auf­ge­bau­ten Theokratie des Iran. … Ein meis­ter­haft insze­nier­ter und berüh­rend gespiel­ter Film, der Szenen fin­det, die blei­ben. Die bei­den auf­be­geh­ren­den Töchter ste­hen für die muti­gen Frauen des Iran und ihren auf­op­fe­rungs­vol­len Kampf gegen die Patriarchen ihrer Familien wie ihres Staates. Er ist eine her­aus­ra­gen­de Arbeit eines der gro­ßen Regisseure des Weltkinos, der in Deutschland Schutz gefun­den hat vor staat­li­cher Willkür im Iran. Wir sind sehr froh dar­über, Rasoulof sicher in unse­rem Land zu wissen.

    Credits:

    IR, DE, FR 2024, 168 Min., far­si OmU
    Regie: Mohammad Rasoulof
    Kamera: Pooyan Aghababaei
    Schnitt: Andrew Bird
    mit Missagh Zareh, Soheila Golestani, Mahsa Rostami, Setareh Maleki, Niousha Akhshi

    Trailer:
    The Seed of the Sacred Fig – Trailer OV/d
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  • All we imagine as light

    All we imagine as light

    Ein Film von Payal Kapadia.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Es war der ers­te indi­sche Film seit 30 Jahren, der in den Wettbewerb des Filmfestes in Cannes ein­ge­la­den wur­de. In ihrem Spielfilmdebüt the­ma­ti­siert die Dokumentarfilmerin Payal Kapadia die öko­no­mi­schen Ungleichheiten Indiens und nimmt uns mit in die Megacity Mumbai. Hier gilt ihr Blick drei Frauen, die in einem Krankenhaus arbei­ten. Die zurück­hal­ten­de Pflegerin Prabha lebt in ihrer Arbeit, die sie mit Ruhe und Sorgfalt bewäl­tigt. Der ihr zunächst unbe­kann­te Mann, mit dem sie eine arran­gier­ten Ehe ein­ging, ver­ließ sie kurz nach der Trauung Richtung Deutschland, der Arbeit wegen, und hat sich seit­dem nicht mehr gemel­det. Die Wohnung teilt sie sich des­halb seit eini­ger Zeit mit ihrer jün­ge­ren Kollegin Anu. Die ist leb­haft, risi­ko­freu­dig und frisch ver­liebt, in Shiaz, einen Mann mit der fal­schen Religion. Die Schwierigkeiten mit der Familie und die Gerüchteküche im Krankenhaus sor­gen Anu wenig, wohl aber, dass sie mit dem Geliebten nie und nir­gend­wo allein sein kann. Für Prabha hin­ge­gen schwärmt offen­sicht­lich ein Arzt, für sie aber gilt das Ehegelöbnis. Als die Post aller­dings einen Reiskocher aus Deutschland bei ihr ablie­fert, ohne Absender oder Gruß, fragt sie sich schon, was die­se ers­te Nachricht seit drei Jahren bedeu­ten könn­te – viel­leicht ist es doch eine Art Abfindung, ein Vorbote der Trennung?
    Die drit­te Frau ist Parvaty, Köchin im Krankenhaus und Prabhas bes­te Freundin. Ihr droht nach dem Tod des Ehemanns der Verlust der Wohnung, denn er hat ihr kei­ne Papiere hin­ter­las­sen, die die Rechte klä­ren. Prabha ver­sucht ihr zu hel­fen, aber sie sind chan­cen­los. Resigniert ver­lässt Parvaty Mumbai und zieht zurück in ihr Heimatdorf. Dort besu­chen sie Prabha und Anu, und die­se Tage wer­den zu einem ganz beson­de­ren Erlebnis.
    Trotz der doku­men­ta­ri­schen Sicht und aller Authentizität wirkt „All we ima­gi­ne as Light“ stets wie unwirk­lich und ver­zau­bert, viel­leicht aber auch nur aus west­li­cher Sicht.

    Kino, das im bes­ten Sinne den Blick auf ande­re Welten öff­net“ schreibt programmkino.de dazu. Unzweifelhaft ist jedoch, dass er ganz wun­der­bar eine Entwicklung hin zu weib­li­cher Solidarität und immer mehr Selbstbewusstsein aufzeichnet.

    Sehnsüchtig such­te man [im Wettbewerb der 77. Filmfestspiele von Cannes] nach einem Film, der sich auf die Schönheit, die ele­men­ta­re Kraft des Kinos ver­ließ. Und er kam dann auch. „All we ima­gi­ne as Light“ von der indi­schen Regisseurin Payal Kapadia folgt drei Frauen, die als Krankenschwestern und Köchin in einem Krankenhaus in Mumbai arbei­ten. Mit einer ruhi­gen Kamera glei­tet man in drei Leben hin­ein. Zwischen Schichtarbeit, Kochen und Einkaufen geht es um die Dinge des Lebens.
    „All we ima­gi­ne as Light“ bekam in Cannes den Großen Preis der Jury, und die­ser berüh­ren­de Film, ein wahr­haf­ti­ger Lichtblick, zeigt, was Kino sein kann: Alles, was wir uns als Licht vor­stel­len.“ Katja Nikodemus | Die Zeit

    Wettbewerb Cannes Filmfestival 2024. Mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.

    Credits:

    IN, FR, NL, LU 2024, 114 Min., Malayalam, Hindi OmU
    Regie: Payal Kapadia
    Kamera: Rabadir Das
    Schnitt: Clément Pinteaux
    mit Kani Kusruti, Divya Prabha, Chhaya Kadam, Hridhu Haroon 

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  • No Other Land

    No Other Land

    Ein Film von Basel Adra, Hamdan Ballal, Yuval Abraham, Rachel Szor.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Basel Adra, ein jun­ger paläs­ti­nen­si­scher Aktivist aus Masafer Yatta im Westjordanland, kämpft seit sei­ner Kindheit gegen die Vertreibung sei­ner Gemeinschaft durch die israe­li­sche Besatzung. Er doku­men­tiert die schritt­wei­se Auslöschung der Dörfer sei­ner Heimatregion, wo Soldatinnen im Auftrag der israe­li­schen Regierung nach und nach Häuser abrei­ßen und ihre Bewohnerinnen ver­trei­ben. Irgendwann begeg­net er Yuval, einem israe­li­schen Journalisten, der ihn in sei­nen Bemühungen unter­stützt. Eine unwahr­schein­li­che Allianz ent­steht. Die Beziehung der bei­den wird durch die enor­me Ungleichheit zwi­schen ihnen zusätz­lich belas­tet: Basel lebt unter mili­tä­ri­scher Besatzung, Yuval frei und ohne Einschränkungen. Der Film eines paläs­ti­nen­sisch-israe­li­schen Kollektivs vie­rer jun­ger Aktivist*innen ent­stand als Akt des krea­ti­ven Widerstands auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit.
    Berlinale Dokumentarfilmpreis 2024

    Credits:

    PS/NO 2024, 95 Min., Arabisch, Hebräisch, Englisch OmU
    Regie & Schnitt: Basel Adra, Hamdan Ballal, Yuval Abraham, Rachel Szor

    Kamera: Rachel Szor 

    Trailer:
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  • All we imagine as light

    All we imagine as light

    Ein Film von Payal Kapadia.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Es war der ers­te indi­sche Film seit 30 Jahren, der in den Wettbewerb des Filmfestes in Cannes ein­ge­la­den wur­de. In ihrem Spielfilmdebüt the­ma­ti­siert die Dokumentarfilmerin Payal Kapadia die öko­no­mi­schen Ungleichheiten Indiens und nimmt uns mit in die Megacity Mumbai. Hier gilt ihr Blick drei Frauen, die in einem Krankenhaus arbei­ten. Die zurück­hal­ten­de Pflegerin Prabha lebt in ihrer Arbeit, die sie mit Ruhe und Sorgfalt bewäl­tigt. Der ihr zunächst unbe­kann­te Mann, mit dem sie eine arran­gier­ten Ehe ein­ging, ver­ließ sie kurz nach der Trauung Richtung Deutschland, der Arbeit wegen, und hat sich seit­dem nicht mehr gemel­det. Die Wohnung teilt sie sich des­halb seit eini­ger Zeit mit ihrer jün­ge­ren Kollegin Anu. Die ist leb­haft, risi­ko­freu­dig und frisch ver­liebt, in Shiaz, einen Mann mit der fal­schen Religion. Die Schwierigkeiten mit der Familie und die Gerüchteküche im Krankenhaus sor­gen Anu wenig, wohl aber, dass sie mit dem Geliebten nie und nir­gend­wo allein sein kann. Für Prabha hin­ge­gen schwärmt offen­sicht­lich ein Arzt, für sie aber gilt das Ehegelöbnis. Als die Post aller­dings einen Reiskocher aus Deutschland bei ihr ablie­fert, ohne Absender oder Gruß, fragt sie sich schon, was die­se ers­te Nachricht seit drei Jahren bedeu­ten könn­te – viel­leicht ist es doch eine Art Abfindung, ein Vorbote der Trennung?
    Die drit­te Frau ist Parvaty, Köchin im Krankenhaus und Prabhas bes­te Freundin. Ihr droht nach dem Tod des Ehemanns der Verlust der Wohnung, denn er hat ihr kei­ne Papiere hin­ter­las­sen, die die Rechte klä­ren. Prabha ver­sucht ihr zu hel­fen, aber sie sind chan­cen­los. Resigniert ver­lässt Parvaty Mumbai und zieht zurück in ihr Heimatdorf. Dort besu­chen sie Prabha und Anu, und die­se Tage wer­den zu einem ganz beson­de­ren Erlebnis.
    Trotz der doku­men­ta­ri­schen Sicht und aller Authentizität wirkt „All we ima­gi­ne as Light“ stets wie unwirk­lich und ver­zau­bert, viel­leicht aber auch nur aus west­li­cher Sicht.

    Kino, das im bes­ten Sinne den Blick auf ande­re Welten öff­net“ schreibt programmkino.de dazu. Unzweifelhaft ist jedoch, dass er ganz wun­der­bar eine Entwicklung hin zu weib­li­cher Solidarität und immer mehr Selbstbewusstsein aufzeichnet.

    Sehnsüchtig such­te man [im Wettbewerb der 77. Filmfestspiele von Cannes] nach einem Film, der sich auf die Schönheit, die ele­men­ta­re Kraft des Kinos ver­ließ. Und er kam dann auch. „All we ima­gi­ne as Light“ von der indi­schen Regisseurin Payal Kapadia folgt drei Frauen, die als Krankenschwestern und Köchin in einem Krankenhaus in Mumbai arbei­ten. Mit einer ruhi­gen Kamera glei­tet man in drei Leben hin­ein. Zwischen Schichtarbeit, Kochen und Einkaufen geht es um die Dinge des Lebens.
    „All we ima­gi­ne as Light“ bekam in Cannes den Großen Preis der Jury, und die­ser berüh­ren­de Film, ein wahr­haf­ti­ger Lichtblick, zeigt, was Kino sein kann: Alles, was wir uns als Licht vor­stel­len.“ Katja Nikodemus | Die Zeit

    Wettbewerb Cannes Filmfestival 2024. Mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.

    Credits:

    IN, FR, NL, LU 2024, 114 Min., Malayalam, Hindi OmU
    Regie: Payal Kapadia
    Kamera: Rabadir Das
    Schnitt: Clément Pinteaux
    mit Kani Kusruti, Divya Prabha, Chhaya Kadam, Hridhu Haroon 

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  • Die Saat des heiligen Feigenbaums

    Die Saat des heiligen Feigenbaums

    Ein Film von Mohammad Rasoulof.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Kurz nach­dem Iman zum Untersuchungsrichter am Revolutionsgericht beför­dert wur­de, erstarkt nach Jina Mahsa Aminis Tod die Protestbewegung im Land. Während er mit dem Druck des neu­en Jobs zu kämp­fen hat, enga­gie­ren sich sei­ne Töchter bei den Protesten. Seine Frau Najmeh wie­der­um ver­sucht ver­zwei­felt, die Familie zusam­men­zu­hal­ten.
    Regisseur Mohammad Rasoulof hat viel Zeit sei­nes Lebens in Unfreiheit ver­bracht, im Gefängnis, unter Hausarrest oder mit Ausreiseverbot, dazu kommt das Berufsverbot. Umso erstaun­li­cher ist nicht nur, dass er über­haupt noch dreht, und, dass sei­ne Arbeiten immer direk­ter, gewag­ter wur­den. Während „Iron Island“ von 2005 noch als mehr­deu­ti­ge Allegorie erscheint, und „The White Meadows“ (2009) para­bel­haf­te Fantasie ist, geht der auto­bio­gra­fisch gepräg­te „Goodbye“ (2011), schon wesent­lich direk­ter auf die sub­ver­si­ve staat­li­che Repression ein. Der Thriller „Manuscripts don‘t burn“ (2013) ver­klau­su­liert nichts mehr. Die Geschichte über die Geheimdienst-Morde an Schriftstellern hat sogar einen rea­len Hintergrund. In „A Man of inte­gri­ty“ (2017) geht es um Korruption, der Berlinale-Gewinner „There is no Evil“ ver­knüpft vier per­sön­li­che Schicksale mit den poli­ti­schen Gegebenheiten.
    Nach Verhängung einer mehr­jäh­ri­gen Haftstrafe und Peitschenhieben konn­te Rasoulof aus dem Iran flie­hen und „Die Saat des hei­li­gen Feigenbaum“ beim Wettbewerb in Cannes per­sön­lich vor­stel­len. Natürlich steht die Familie, die sich auf­grund der poli­ti­schen Entwicklungen ent­zweit, stell­ver­tre­tend für die ira­ni­sche Gesellschaft, aber die Vorkommnisse sind durch­aus real.
    ,Die Saat des hei­li­gen Feigenbaums‘ wird Deutschland bei den Oscars ver­tre­ten. Die Jury: der Film ist das Psychogramm der auf Gewalt und Paranoia auf­ge­bau­ten Theokratie des Iran. … Ein meis­ter­haft insze­nier­ter und berüh­rend gespiel­ter Film, der Szenen fin­det, die blei­ben. Die bei­den auf­be­geh­ren­den Töchter ste­hen für die muti­gen Frauen des Iran und ihren auf­op­fe­rungs­vol­len Kampf gegen die Patriarchen ihrer Familien wie ihres Staates. Er ist eine her­aus­ra­gen­de Arbeit eines der gro­ßen Regisseure des Weltkinos, der in Deutschland Schutz gefun­den hat vor staat­li­cher Willkür im Iran. Wir sind sehr froh dar­über, Rasoulof sicher in unse­rem Land zu wissen.

    Credits:

    IR, DE, FR 2024, 168 Min., far­si OmU
    Regie: Mohammad Rasoulof
    Kamera: Pooyan Aghababaei
    Schnitt: Andrew Bird
    mit Missagh Zareh, Soheila Golestani, Mahsa Rostami, Setareh Maleki, Niousha Akhshi

    Trailer:
    The Seed of the Sacred Fig – Trailer OV/d
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  • All we imagine as light

    All we imagine as light

    Ein Film von Payal Kapadia.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Es war der ers­te indi­sche Film seit 30 Jahren, der in den Wettbewerb des Filmfestes in Cannes ein­ge­la­den wur­de. In ihrem Spielfilmdebüt the­ma­ti­siert die Dokumentarfilmerin Payal Kapadia die öko­no­mi­schen Ungleichheiten Indiens und nimmt uns mit in die Megacity Mumbai. Hier gilt ihr Blick drei Frauen, die in einem Krankenhaus arbei­ten. Die zurück­hal­ten­de Pflegerin Prabha lebt in ihrer Arbeit, die sie mit Ruhe und Sorgfalt bewäl­tigt. Der ihr zunächst unbe­kann­te Mann, mit dem sie eine arran­gier­ten Ehe ein­ging, ver­ließ sie kurz nach der Trauung Richtung Deutschland, der Arbeit wegen, und hat sich seit­dem nicht mehr gemel­det. Die Wohnung teilt sie sich des­halb seit eini­ger Zeit mit ihrer jün­ge­ren Kollegin Anu. Die ist leb­haft, risi­ko­freu­dig und frisch ver­liebt, in Shiaz, einen Mann mit der fal­schen Religion. Die Schwierigkeiten mit der Familie und die Gerüchteküche im Krankenhaus sor­gen Anu wenig, wohl aber, dass sie mit dem Geliebten nie und nir­gend­wo allein sein kann. Für Prabha hin­ge­gen schwärmt offen­sicht­lich ein Arzt, für sie aber gilt das Ehegelöbnis. Als die Post aller­dings einen Reiskocher aus Deutschland bei ihr ablie­fert, ohne Absender oder Gruß, fragt sie sich schon, was die­se ers­te Nachricht seit drei Jahren bedeu­ten könn­te – viel­leicht ist es doch eine Art Abfindung, ein Vorbote der Trennung?
    Die drit­te Frau ist Parvaty, Köchin im Krankenhaus und Prabhas bes­te Freundin. Ihr droht nach dem Tod des Ehemanns der Verlust der Wohnung, denn er hat ihr kei­ne Papiere hin­ter­las­sen, die die Rechte klä­ren. Prabha ver­sucht ihr zu hel­fen, aber sie sind chan­cen­los. Resigniert ver­lässt Parvaty Mumbai und zieht zurück in ihr Heimatdorf. Dort besu­chen sie Prabha und Anu, und die­se Tage wer­den zu einem ganz beson­de­ren Erlebnis.
    Trotz der doku­men­ta­ri­schen Sicht und aller Authentizität wirkt „All we ima­gi­ne as Light“ stets wie unwirk­lich und ver­zau­bert, viel­leicht aber auch nur aus west­li­cher Sicht.

    Kino, das im bes­ten Sinne den Blick auf ande­re Welten öff­net“ schreibt programmkino.de dazu. Unzweifelhaft ist jedoch, dass er ganz wun­der­bar eine Entwicklung hin zu weib­li­cher Solidarität und immer mehr Selbstbewusstsein aufzeichnet.

    Sehnsüchtig such­te man [im Wettbewerb der 77. Filmfestspiele von Cannes] nach einem Film, der sich auf die Schönheit, die ele­men­ta­re Kraft des Kinos ver­ließ. Und er kam dann auch. „All we ima­gi­ne as Light“ von der indi­schen Regisseurin Payal Kapadia folgt drei Frauen, die als Krankenschwestern und Köchin in einem Krankenhaus in Mumbai arbei­ten. Mit einer ruhi­gen Kamera glei­tet man in drei Leben hin­ein. Zwischen Schichtarbeit, Kochen und Einkaufen geht es um die Dinge des Lebens.
    „All we ima­gi­ne as Light“ bekam in Cannes den Großen Preis der Jury, und die­ser berüh­ren­de Film, ein wahr­haf­ti­ger Lichtblick, zeigt, was Kino sein kann: Alles, was wir uns als Licht vor­stel­len.“ Katja Nikodemus | Die Zeit

    Wettbewerb Cannes Filmfestival 2024. Mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.

    Credits:

    IN, FR, NL, LU 2024, 114 Min., Malayalam, Hindi OmU
    Regie: Payal Kapadia
    Kamera: Rabadir Das
    Schnitt: Clément Pinteaux
    mit Kani Kusruti, Divya Prabha, Chhaya Kadam, Hridhu Haroon 

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  • Filmstunde_23

    Filmstunde_23

    Ein Film von Jörg Adolph, Edgar Reitz. In Deutsch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Im Jahr 1968 ver­wan­delt sich ein Klassenzimmer eines Münchner Mädchengymnasiums unter Leitung des jun­gen Edgar Reitz in ein Filmstudio. Die Filmstunde beginnt: der ers­te in der Filmgeschichte doku­men­tier­te Versuch, Filmästhetik als eigen­stän­di­ges Fach zu unter­rich­ten. 2023 wird Edgar Reitz, mitt­ler­wei­le welt­be­rühm­ter Regisseur des Filmepos Heimat, von einer älte­ren Dame ange­spro­chen, die sich als eine der dama­li­gen Schülerinnen zu erken­nen gibt. Sie ver­ab­re­den ein Klassentreffen. Montiert aus einem Dokumentarfilm über das dama­li­ge Projekt, den Super-8-Filmen der Schülerinnen und dem gefilm­ten Wiedersehen im Jahr 2023, ent­steht eine Art Langzeitbelichtung der letz­ten 55 Jahre Filmgeschichte. Zeigt sich die Persönlichkeit der Schülerinnen bereits in den Übungsfilmen? Und was sagen die Damen zur Filmkultur der Gegenwart? Filmstunde_23 ist eine Liebeserklärung an das Filmemachen.

    Credits:

    DE 2024, 89 Min.,
    Regie: Jörg Adolph, Edgar Reitz

    Kamera: Matthias Reitz-Zausinger, Markus Schindler, Daniel Schönauer, Thomas Mauch (1968), Dedo Weigert (1968)
    Schnitt: Jörg Adolph, Anja Pohl

    Trailer:
    FILMSTUNDE_23 – Offizieller Trailer
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  • Black Dog

    Black Dog

    Ein Film von Guan Hu.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die Geschichte der lang­sa­men Annäherung zwi­schen zwei Außenseitern, dem eigen­wil­li­gen Lang und einem schwar­zen Hund, wur­de in Cannes die­ses Jahr mit dem Hauptpreis in der Sektion „Un cer­tain regard“ aus­ge­zeich­net. Xin, der Hund, bekam zudem die begehr­te „Dog-Palm“.
    Lang saß vie­le Jahre im Gefängnis, jetzt kehrt er in sei­nen Heimatort am Rande der Wüster Gobi zurück. Wir wer­den den Einzelgänger aller­dings noch als völ­lig ver­schie­den ken­nen­ler­nen von dem, was die eige­nen Vorurteile uns dik­tie­ren.
    Die Umgebung, in die er zurück­kehrt, ist schwer von Umgestaltung betrof­fen, denn die bedeu­tet fast immer Abriss. Zwar fin­det die Olympiade – der Film spielt 2008 – woan­ders statt, aber auch in den nicht nur im räum­li­chen Sinn fer­nen glit­zern­den Großstädte muss jetzt „auf­ge­räumt“ wer­den. Betroffen davon sind auch die vie­len streu­nen­den Hunde. Ein Tier mit beson­ders schwar­zem Fell ent­wischt den Fängern immer wie­der, da wird ihm die Tollwut ange­dich­tet und ein Preis für ihn aus­ge­setzt. Lang fühlt sich dem wider­spens­ti­gen Wesen ver­wandt und nimmt es, nicht ohne Blessuren zu erlei­den, zu sich. Beide müs­sen nun schau­en, wie es für sie wei­ter­ge­hen kann.
    Regisseur Guan Hu zähl­te zusam­men mit u.a. Zhang Yuan, Wang Xiaoshuai, He Jianjun, Jia Zhang-Ke und Yu Le zur soge­nann­ten 6. Generation chi­ne­si­scher Filmemacher*innen, die es sich erlaub­ten, in ihren Filmen auch mit poli­ti­schem Blick das Alltagsleben unge­schönt dar­zu­stel­len. Nach meh­re­ren Großprojekten scheint Black Dog – Weggefährten sein Schritt zurück zu den Anfängen zu sein.
    „Auch Black Dog setzt zwar durch­aus hier und da klei­ne Spitzen gegen die offi­zi­el­le Fortschrittsrhetorik Chinas, ist aber ins­ge­samt kein sub­ver­si­ver Film. Indem er das Leid und das Freiheitsbedürfnis der Menschen auf das Leid und das Freiheitsbedürfnis der Tiere über­trägt, wird bei­des erträg­li­cher und uni­ver­sel­ler. Traurige Hundeaugen bli­cken über­all auf der Welt gleich. Später tau­chen außer­dem noch ande­re Tiere auf, Tiger und Schlangen, sowie eine Bauchtänzerin, die ein Auge auf Lang wirft und dem ansons­ten ziem­lich männ­lich domi­nier­ten Film durch­aus gut­tut. Wie man über­haupt Black Dog sei­ne rühr­se­li­ge Schlagseite kei­nes­wegs zum Vorwurf machen muss. Das Kino hat nicht die Pflicht, immer gleich das Regime stür­zen zu wol­len. Manchmal genügt es voll­auf, eine her­zens­war­me – und wirk­lich wun­der­schön foto­gra­fier­te – Ballade von einem Mann und einem Hund zu erzäh­len.“ Lukas Foerster | Die Presse

    Cannes 2024 – Un Certain Regard Preis

    Credits:

    CN 2024, 110 Min., Mandarin OmU
    Regie: Guan Hu
    Kamera: Gao Weizhe
    mit
    Eddie Peng, Zhangke Jia, Jing Liang

    Trailer:
    BLACK DOGWEGGEFÄHRTEN | offi­zi­el­ler Trailer mit Dt. Untertiteln | ab 12. Dezember im Kino
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  • Die Saat des heiligen Feigenbaums

    Die Saat des heiligen Feigenbaums

    Ein Film von Mohammad Rasoulof.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Kurz nach­dem Iman zum Untersuchungsrichter am Revolutionsgericht beför­dert wur­de, erstarkt nach Jina Mahsa Aminis Tod die Protestbewegung im Land. Während er mit dem Druck des neu­en Jobs zu kämp­fen hat, enga­gie­ren sich sei­ne Töchter bei den Protesten. Seine Frau Najmeh wie­der­um ver­sucht ver­zwei­felt, die Familie zusam­men­zu­hal­ten.
    Regisseur Mohammad Rasoulof hat viel Zeit sei­nes Lebens in Unfreiheit ver­bracht, im Gefängnis, unter Hausarrest oder mit Ausreiseverbot, dazu kommt das Berufsverbot. Umso erstaun­li­cher ist nicht nur, dass er über­haupt noch dreht, und, dass sei­ne Arbeiten immer direk­ter, gewag­ter wur­den. Während „Iron Island“ von 2005 noch als mehr­deu­ti­ge Allegorie erscheint, und „The White Meadows“ (2009) para­bel­haf­te Fantasie ist, geht der auto­bio­gra­fisch gepräg­te „Goodbye“ (2011), schon wesent­lich direk­ter auf die sub­ver­si­ve staat­li­che Repression ein. Der Thriller „Manuscripts don‘t burn“ (2013) ver­klau­su­liert nichts mehr. Die Geschichte über die Geheimdienst-Morde an Schriftstellern hat sogar einen rea­len Hintergrund. In „A Man of inte­gri­ty“ (2017) geht es um Korruption, der Berlinale-Gewinner „There is no Evil“ ver­knüpft vier per­sön­li­che Schicksale mit den poli­ti­schen Gegebenheiten.
    Nach Verhängung einer mehr­jäh­ri­gen Haftstrafe und Peitschenhieben konn­te Rasoulof aus dem Iran flie­hen und „Die Saat des hei­li­gen Feigenbaum“ beim Wettbewerb in Cannes per­sön­lich vor­stel­len. Natürlich steht die Familie, die sich auf­grund der poli­ti­schen Entwicklungen ent­zweit, stell­ver­tre­tend für die ira­ni­sche Gesellschaft, aber die Vorkommnisse sind durch­aus real.
    ,Die Saat des hei­li­gen Feigenbaums‘ wird Deutschland bei den Oscars ver­tre­ten. Die Jury: der Film ist das Psychogramm der auf Gewalt und Paranoia auf­ge­bau­ten Theokratie des Iran. … Ein meis­ter­haft insze­nier­ter und berüh­rend gespiel­ter Film, der Szenen fin­det, die blei­ben. Die bei­den auf­be­geh­ren­den Töchter ste­hen für die muti­gen Frauen des Iran und ihren auf­op­fe­rungs­vol­len Kampf gegen die Patriarchen ihrer Familien wie ihres Staates. Er ist eine her­aus­ra­gen­de Arbeit eines der gro­ßen Regisseure des Weltkinos, der in Deutschland Schutz gefun­den hat vor staat­li­cher Willkür im Iran. Wir sind sehr froh dar­über, Rasoulof sicher in unse­rem Land zu wissen.

    Credits:

    IR, DE, FR 2024, 168 Min., far­si OmU
    Regie: Mohammad Rasoulof
    Kamera: Pooyan Aghababaei
    Schnitt: Andrew Bird
    mit Missagh Zareh, Soheila Golestani, Mahsa Rostami, Setareh Maleki, Niousha Akhshi

    Trailer:
    The Seed of the Sacred Fig – Trailer OV/d
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