Archiv: Termine

  • [:de]Einfach Machen! She-Punks von 1977 bis heute[:]

    [:de]Einfach Machen! She-Punks von 1977 bis heute[:]

    [:de]

    Ein Film von Reto Caduff.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Punk ist ein Versprechen – von Rebellion und Selbstermächtigung! Als er Ende der 1970er Jahre von England und den USA aus die gan­ze Welt erobert, braucht es plötz­lich auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz weder Ausbildung noch Perfektion, um sich musi­ka­lisch aus­zu­drü­cken. „Nicht labern, machen!“ ist das Motto. Was zählt, ist die Idee und der Mut, sich auf eine Bühne zu stel­len. Und das gilt ganz beson­ders für die Frauen der Szene: In Düsseldorf grün­den sich Östro 430, in West-Berlin Mania D, spä­ter Malaria!, und in Zürich Kleenex, spä­ter LiLiput. Ihre Vorbilder stam­men aus England und hei­ßen X‑Ray Spex, The Slits, The Raincoats oder Siouxsie Sioux. Es ent­ste­hen Songs über weib­li­che Rollenklischees und Spießertum, über Machos und dog­ma­ti­sche Feministinnen. Es geht um weib­li­ches Begehren und sexu­el­le Selbstbestimmung. Und immer auch um das Erobern von Freiräumen – inner­halb der män­ner­do­mi­nier­ten Punkszene, aber auch gesamtgesellschaftlich.

    Einfach machen! She-Punks von 1977 bis heu­te“ por­trä­tiert Künstlerinnen, die 40 Jahre spä­ter immer noch oder wie­der zusam­men auf der Bühne ste­hen. Als Pionierinnen des deutsch­spra­chi­gen She-Punk tei­len Gudrun Gut, Beate Bartel, Bettina Köster, Sara Schär, Klaudia Schifferle, Martina Weith und Bettina Flörchinger, ihre Erfahrungen und Geschichten. Trotz des unter­schied­li­chen Sounds der Bands und ohne es damals zu wis­sen, waren sie Teil einer weib­li­chen Revolution in der Musikindustrie, die nach­fol­gen­de Künstlerinnen nach­hal­tig geprägt hat. Ein Film über Punk aus weib­li­cher Perspektive, Feminismus mit Gitarrenriff und das unver­gleich­li­che Lebensgefühl der spä­ten 70er und frü­hen 80er Jahre.

    Credits:

    DE/CH 2024, 89 Min., deut­sche OmeU
    Regie: Reto Caduff
    Kamera: Roman Schauerte, Stephan Huwyler
    Schnitt: Beatrice Babin, Ginés Olivares 

    Trailer:
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    [:en]

    A film by Reto Caduff. In German with English subtitles.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Don’t talk, do!” At the end of the 70s, punk pro­mi­sed rebel­li­on and self-empower­ment. Also for the women in the sce­ne. They fought for their place on stage bet­ween the domi­nant punk top dogs, play­ing against social norms and long-out­da­ted fema­le role models. This is their story.

    Credits:

    DE/CH 2024, 89 Min., deut­sche OmeU
    Regie: Reto Caduff
    Kamera: Roman Schauerte, Stephan Huwyler
    Schnitt: Beatrice Babin, Ginés Olivares 

    Trailer:
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    [:]
  • [:de]Oslo Stories: Träume[:]

    [:de]Oslo Stories: Träume[:]

    [:de]

    Ein Film von Dag Johan Haugerud.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nach Oslo-Stories: Liebe, die­sem Filmjuwel, dass sich bis­her viel zu vie­le haben ent­ge­hen las­sen, kommt hier schon der nächs­te Teil von Dag Johan Haugeruds Oslo-Trilogie ins Kino, und er bringt wert­vol­les Gepäck mit – den Goldenen Bären der letz­ten Berlinale. Die Tradition des Festivals, expli­zit poli­tisch zu lesen­de Filme aus­zu­zeich­nen, wur­de dies­mal unter­bro­chen. Träume ist des­we­gen nicht min­der auf­re­gend.
    Die 17-jäh­ri­ge Johanne ver­liebt sich Hals über Kopf in ihre neue Lehrerin. Im spä­te­ren Verlangen, die­se wich­ti­ge Zeit für sich fest­zu­hal­ten, ver­packt sie die Erlebnisse in eine Erzählung. Als erst ihre Mutter, und spä­ter auch ihre Großmutter, eine bekann­te Dichterin, den Text lesen, ist die Aufregung groß. Bewunderung und Stolz, Sorge und sogar Konkurrenzangst wech­seln sich ab, und zwi­schen den Frauen drei­er Generationen gibt es viel Gesprächsbedarf.
    Träume ist einer­seits ein sehr ein­fa­cher Film, der eine klei­ne Geschichte ohne dra­ma­ti­sche Wendungen erzählt. Andererseits ist Träume ein sehr kom­ple­xer Film, der auf meh­re­ren klug ver­schach­tel­ten Ebenen dar­über nach­denkt, wie Texte, die Realität, die sie beschrei­ben, und die Menschen, die sie ver­fas­sen oder rezi­pie­ren, mit­ein­an­der ver­bun­den sind, und wie ihre Bedeutungen einer per­ma­nen­ten Veränderung unter­wor­fen sind – je nach­dem wer was wann war­um wo sagt oder hört, oder auch ver­schweigt. Und schließ­lich ist Träume ein sehr freund­li­cher, tröst­li­cher Film, der von Wandelbarkeit erzählt. Wo die meis­ten Filme ver­su­chen, eine mehr­deu­ti­ge und unor­dent­li­che Realität in eine sinn­haf­te Geschichte zu ver­wan­deln, unter­nimmt Träume das Gegenteil. Jede Szene, jede Person, jede Form des Diskurses fügt der Welt, die Träume abbil­det, eine neue Facette hin­zu, macht sie grö­ßer, offe­ner, viel­fäl­ti­ger. Für mich hät­te Träume ein­fach immer wei­ter gehen kön­nen.“ Hendrike Bake | indiekino

    Die drei „Oslo-Stories“ bil­den eine ein­zig­ar­ti­ge Filmtrilogie. Liebe (Venedig Wettbewerb 2024), Träume (Berlinale Goldener Bär 2025) und Sehnsucht / Sex (Berlinale Panorama 2024) sind drei jeweils eigen­stän­di­ge Filme mit neu­en Figuren und einer unab­hän­gi­gen Geschichte, und jeder ist ein Ereignis. Getrennt von­ein­an­der wer­fen sie jeweils einen neu­en Blick auf die Dinge, die unser Leben bestim­men. Erzählen von Liebe, Sehnsucht und Träumen, hin­ter­fra­gen Identität, Gender und Sexualität, ent­wer­fen mit fas­zi­nie­ren­den Charakteren und klu­gen Dialogen gewitzt und nah­bar Utopien, wie wir auch zusam­men­le­ben könn­ten. Und Oslo sehen wir aus der Perspektive der Protagonisten: inner­städ­tisch bei Träume, hoch auf den Dächern bei Sehnsucht / Sex und in Liebe wird stän­dig der Oslofjord mit der Fähre überquert.

    Goldener Bär – Berlinale 2025

    Credits:

    NO 2024, 110 Min., nor­we­gi­sche OmU
    Regie: Dag Johan Haugerud

    Kamera: Cecilie Semec
    Schnitt: Jens Christian Fodstad
    mit: Ella Øverbye, Selome Emnetu, Ane Dahl Torp, Anne Marit Jacobsen

    Trailer:
    DREAMS (SEX LOVE) International Trailer

    Im Kino mit deut­schen Untertiteln.

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    [:en]

    A film by Dag Johan Haugerud. In Norwegian with German subtitles.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    At 17, Johanne falls head over heels in love with her fema­le tea­cher. In an attempt to cap­tu­re this first crush, she pours her expe­ri­en­ces onto paper with raw hones­ty. When her mother and grand­mo­ther dis­co­ver her wri­tin­gs, their initi­al shock at the inti­ma­te descrip­ti­ons gives way to admi­ra­ti­on for their lite­ra­ry merit. The two older women begin to reflect on their own love lives, their plea­su­res and missed oppor­tu­ni­ties, and are remin­ded of the over­whel­ming sen­sa­ti­on of first love; and of the lon­ging for some­thing more. Johanne’s grand­mo­ther, an estab­lished poet hers­elf, feels both pri­de and unea­se at her granddaughter’s natu­ral talent. But ques­ti­ons lin­ger: What tru­ly hap­pen­ed bet­ween Johanne and her tea­cher? Where does rea­li­ty end and fic­tion begin? And should the­se deep­ly per­so­nal wri­tin­gs ever find their way to publication?

    Golden Bear – Berlinale 2025

    Credits:

    NO 2024, 110 Min., nor­we­gi­sche OmU
    Regie: Dag Johan Haugerud

    Kamera: Cecilie Semec
    Schnitt: Jens Christian Fodstad
    mit: Ella Øverbye, Selome Emnetu, Ane Dahl Torp, Anne Marit Jacobsen

    Trailer:
    DREAMS (SEX LOVE) International Trailer

    Im Kino mit deut­schen Untertiteln.

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    [:]
  • Oslo Stories: Sehnsucht

    Oslo Stories: Sehnsucht

    [:de]

    Ein Film von Dag Johan Haugerud.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Am stärks­ten im Fokus steht das freund­li­che Verwischen von Grenzen zwi­schen den Identitäten und Orientierungen im Film Sehnsucht / Sex. Es ist zugleich der lus­tigs­te Teil der Trilogie. Der Film star­tet mit Aufnahmen vom Osloer Umland: Auffahrtstraßen, Industriegebiet, im Gemeindeschwimmbad zie­hen Menschen ihre Bahnen. Dann beginnt ein namen­lo­ser Mann , Schornsteinfeger, Familienvater, Mitte vier­zig, von sei­nem ver­wir­ren­den Traum zu erzäh­len – ein­fach so, beim Mittagessen im Pausenraum.
    David Bowie und er, erzählt der Mann, sei­en sich in sei­nem Traum in einer Toilette begeg­net, und Bowie hät­te ihn gemus­tert, als wäre er, der Schornsteinfeger, eine Frau. Die Blicke sei­en nicht abwer­tend gewe­sen, ein­fach nur anders. Nein, eigent­lich sogar ange­nehm.
    Sein bes­ter Freund, eben­falls Schornsteinfeger, Familienvater, Mitte vier­zig, hört ihm auf­merk­sam und ver­ständ­nis­voll zu. Dann erzählt er, wie ihm jüngst ein Klient nach geta­ner Arbeit Zeichen gege­ben habe, an ihm inter­es­siert zu sein. Erst habe er gezö­gert, dann hät­ten sie Sex gehabt. »Wie er mich ange­se­hen hat, das habe ich noch nie erlebt«, sagt der Freund. »Als hät­te er Lust auf mich. Regelrecht scham­los.«
    Später erzählt der Freund auch sei­ner Ehefrau von dem Sex. Sein Argument: Gerade weil es mit einem Mann gewe­sen sei und er ganz offen dar­über spre­che, habe er sie nicht betro­gen. Doch das sieht die Ehefrau ganz anders….“
    Hannah Pilarczyk | Der Spiegel
    Und natür­lich besteht auch hier viel Gesprächsbedarf.

    Credits:

    OT: Sex
    DE 2023, 90 Min., norw. OmU
    Regie: Dag Johan Haugerud
    Kamera: Cecilie Semec
    Schnitt: Jens Christian Fodstad
    mit: Jan Gunnar Røise, Thorbjørn Harr, Siri Forberg, Birgitte Larsen

    Trailer:
    Sex Trailer | OIFF 2024
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    [:en]

    A film by Dag Johan Haugerud. In Norwegian with German subtitles.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Two chim­ney sweeps living in mono­ga­mous, hete­ro­se­xu­al mar­ria­ges both end up in situa­tions that chall­enge their views on sexua­li­ty and gen­der roles. One has a sexu­al encoun­ter with ano­ther man, wit­hout hims­elf expe­ri­en­cing it eit­her as an expres­si­on of homo­se­xu­al lon­gings or infi­de­li­ty. The other sud­den­ly expe­ri­en­ces noc­turnal dreams in which he is seen as a woman. This con­fu­ses and dis­turbs him. He beg­ins to won­der to what ext­ent the gaze of others shapes his per­so­na­li­ty and whe­ther the­re are aspects of hims­elf that he has sup­pres­sed, ther­eby limi­ting hims­elf.
    In Dag Johan Haugerud’s Sex, the chim­ney is swept befo­re we get down to busi­ness. Whether hete­ro or homo, wit­ty word­play chal­lenges nor­ma­ti­ve images of men and socie­ty in modern urban Norway.

    Credits:

    OT: Sex
    DE 2023, 90 Min., norw. OmU
    Regie: Dag Johan Haugerud

    Kamera: Cecilie Semec
    Schnitt: Jens Christian Fodstad
    mit: Jan Gunnar Røise, Thorbjørn Harr, Siri Forberg, Birgitte Larsen

    Trailer:
    Sex Trailer | OIFF 2024
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  • [:de]Im Prinzip Familie[:]

    [:de]Im Prinzip Familie[:]

    [:de]

    Ein Film von Daniel Abma.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In einem Haus am Ufer eines idyl­li­schen Sees, umge­ben von dich­ten Wäldern, arbei­ten drei Erzieher:innen im Schichtdienst in einer Wohngruppe. Die Kinder nen­nen sie Herr Wagner, Frau Wagner und Herr Gerecke. Kochen, waschen, ein­kau­fen und die Kinder mit dem Kleintransporter zur Schule und Freizeitaktivitäten zu brin­gen, gehört eben­so zu ihrem Alltag, wie zuhö­ren, trös­ten, auf dem Sofa kuscheln, Filmabende und Gute-Nacht-Geschichten vor­le­sen. Die Betreuer:innen wol­len kei­ne Ersatzeltern sein, und den­noch zei­gen, wie sich ein fami­liä­res Miteinander anfüh­len kann.

    Alle fünf Kinder, die hier leben, ver­eint vor allem eines: der Wunsch eines Tages nach Hause zurück­zu­keh­ren. Dafür set­zen sich die Erzieher:innen uner­müd­lich ein: sie spre­chen mit Vormund, Eltern und Jugendamt, doku­men­tie­ren, orga­ni­sie­ren, set­zen gemein­sam Ziele und tref­fen Verabredungen – und sind nicht sel­ten dar­über ent­täuscht, dass die­se nicht ein­ge­hal­ten wer­den. Das erin­nert an einen Kampf gegen Windmühlen, an den Grenzen eines über­for­der­ten Systems.

    Was frü­her das Dorf war, ist heu­te der kom­ple­xe Apparat der Kinder- und Jugendhilfe. Spätestens seit der Pandemie gilt das Berufsfeld als sys­tem­re­le­vant, und den­noch bleibt die beson­de­re wie her­aus­for­dern­de Arbeit der Fachkräfte, ihr enga­gier­ter Einsatz zum Wohl der Kinder, meist unsicht­bar. IM PRINZIP FAMILIE gewährt über ein Jahr lang einen inti­men Einblick in den Alltag der Kinder- und Jugendhilfe und rich­tet den Fokus auf die Menschen im Hintergrund, die Tag für Tag dar­an arbei­ten, den Kindern das zu geben, was sie am meis­ten brau­chen: Geborgenheit und jeman­den, der auf ihrer Seite steht.

    Der Film ist nomi­niert für den Deutschen Kamerapreis (Kamera: Johannes Praus) und wur­de u.a. mit dem ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness (DOK Leipzig Filmfestival 2024) und dem Perception Change Award der Vereinten Nationen beim Filmfestival Visions du Réel 2025 in der Schweiz ausgezeichnet.

    Credits:

    DE 2024, 91 Min., dt. OmeU
    Regie: Daniel Abma

    Kamera: Johannes Praus
    Schnitt: Jana Dugnus 

    Trailer:
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    [:en]

    A film by Daniel Abma. Starts June 5th at the fsk. In German with English subtitles.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    When par­ents can no lon­ger ful­fil their duty of care, the children’s world often falls apart. Nothing stays as it was. Suddenly it is no lon­ger mum or dad who are in char­ge but the youth wel­fa­re sys­tem. Daniel Abma fol­lo­wed a youth housing group in a rural area over seve­ral years, show­ing pro­fes­sio­nal edu­ca­tors who want to give five boys bet­ween the ages of seven and four­teen what they need most urgen­tly, day by day: secu­ri­ty, ori­en­ta­ti­on, a home.
    The docu­men­ta­ry focus is not on the child­ren but on tho­se who take the par­ents’ place. They some­ti­mes remind us of Don Quixote til­ting at the wind­mills, for the­re is a dif­fu­si­on of respon­si­bi­li­ty bet­ween school, youth wel­fa­re ser­vices, and absent mothers and fathers. Words fail when adults do not keep appoint­ments, when tho­se in char­ge capi­tu­la­te in the face of racist bul­ly­ing and pro­po­se some “time out” – for the bul­lied boy – in a psych­ia­tric faci­li­ty. It would be easy to denoun­ce the­se mecha­nisms, but that is not the point Daniel Abma wants to make. His obser­va­ti­on, both empha­tic and reser­ved, looks ques­tio­nin­gly into the gaps in the sys­tem – with tho­se who are in dan­ger of fal­ling through and tho­se who try to fill them with affec­tion. He makes us suspect that the ans­wer is not to clo­se all the system’s gaps. It is peo­p­le who are the­re for other peo­p­le and take respon­si­bi­li­ty. Luc-Carolin Ziemann

    Credits:

    DE 2024, 91 Min., dt. OmeU
    Regie: Daniel Abma

    Kamera: Johannes Praus
    Schnitt: Jana Dugnus 

    Trailer:
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    [:]
  • [:en]Das Fest geht weiter![:]

    [:en]Das Fest geht weiter![:]

    [:de]

    Ein Film von Robert Guédiguian. 

    [Credits] [Tickets& Termine] [Trailer]


    Nach einem Ausflug ins afri­ka­ni­sche Mali kehrt der fran­zö­si­sche Regisseur Robert Guédiguian für Das Fest geht wei­ter in sei­ne Heimat Marseille zurück, der Stadt in der er einen Großteil sei­ner Filme insze­niert hat, deren Menschen und Macken er kennt und por­trä­tiert wie kein Zweiter. Fast doku­men­ta­risch mutet sein Blick daher an, sozia­lis­tisch und huma­nis­tisch, wenn­gleich auch zuneh­mend skeptisch.Am 5. November 2018 stürz­ten in Marseille zwei Gebäude ein, acht Menschen kamen unter den Trümmern ums Leben. Schauplatz war das Viertel Noailles, unweit des Hafens gele­gen, dort wo das tra­di­tio­nel­le Marseille noch deut­li­cher zu spü­ren ist, als in den schi­cke­ren, moder­ne­ren Vierteln. …
    Mit Bildern der ein­ge­stürz­ten Häuser beginnt Das Fest geht wei­ter und ver­or­tet sich dadurch kon­kret in Raum und Zeit, auch wenn sich im Folgenden die Geschichte um fik­ti­ve Figuren ent­wi­ckelt. Die wer­den aller­dings von Schauspielern ver­kör­pert, die schon oft in den Filmen von Robert Guédiguian zu sehen waren, die dadurch fast eben­so wie Einwohner von Marseille wir­ken, wie der Autor und Regisseur selbst zu einer Art Chronist sei­ner Heimatstadt gewor­den ist.
    Hauptfigur ist Rosa, Witwe, Mutter von zwei schon erwach­se­nen Söhnen. Als Krankenschwester arbei­tet sie, bald will sie in den Ruhestand gehen, was für eine umtrie­bi­ge, sozi­al enga­gier­te Person wie sie es ist, kaum denk­bar erscheint. Nicht nur im Krankenhaus, auch im Privaten küm­mert sich Rosa eher um ande­re Menschen als um sich selbst … . Aus die­sem Grund kan­di­diert die umtrie­bi­ge Rosa auch bei den bald anste­hen­den Kommunalwahlen, ange­sichts ihrer Beliebtheit im Viertel steht ihrem Einzug in den Stadtrad nichts ent­ge­gen. Doch dann lernt Rosa Alice Vater Henri ken­nen, der gera­de sein klei­nes Buchgeschäft auf­ge­ge­ben hat und sich nun end­gül­tig aus­schließ­lich den schö­nen Dingen des Lebens wid­men möch­te. Zum ers­ten Mal seit sehr lan­ger Zeit spürt Rosa das Bedürfnis, sich mehr um sich selbst zu küm­mern.
    Auf dem Papier könn­te man Das Fest geht wei­ter für eine leich­te, harm­lo­se roman­ti­sche Komödie hal­ten, in der ein älte­res Paar ein spä­tes Glück erlebt. Doch auch wenn Robert Guédiguian nicht mit Bildern glei­ßen­der Sonnenuntergänge spart, in denen Marseille traum­haft schön wirkt, hat sein Film auch eine ande­re Ebene. Als aus­ge­wie­se­ner Sozialist hat der inzwi­schen 71jährige Regisseur immer wie­der die Notwendigkeit und Bedeutung von per­sön­li­chem Engagement the­ma­ti­siert, vom gesell­schaft­li­chen Miteinander, von Bürgerinitiativen und leb­haf­ten, laut­star­ken Protesten.“ Michael Meyns

    Credits:

    Et la fête con­ti­nue ! 
    FR/IT 2023, 106 Min., frz. OmU
    Regie: Robert Guédiguian
    Kamera: Pierre Milon
    Schnitt: Bernard Sasia
    mit: Ariane Ascaride, Jean-Pierre Darroussin, Gérard Meylan, Lola Naymark, Grégoire Leprince-Ringuet, Robinson Stévenin.

    Trailer:
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    [:en]

    A film by Robert Guédiguian. In French with German subtitles.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In the working-class dis­trict of old Marseilles, Rosa is the heart and soul of her com­mu­ni­ty, a nur­se and the matri­arch of a lar­ge and clo­se-knit fami­ly. But approa­ching reti­re­ment and sur­roun­ded by poli­ti­cal iner­tia, she is fee­ling dis­il­lu­sio­ned. Until she meets Henri and rea­li­ses it is never too late to ful­fil her own poli­ti­cal and per­so­nal dreams.

    Credits:

    Et la fête con­ti­nue ! 
    FR/IT 2023, 106 Min., frz. OmU
    Regie: Robert Guédiguian
    Kamera: Pierre Milon
    Schnitt: Bernard Sasia
    mit: Ariane Ascaride, Jean-Pierre Darroussin, Gérard Meylan, Lola Naymark, Grégoire Leprince-Ringuet, Robinson Stévenin.

    Trailer:
    And the Party Goes on / Et la fête con­ti­nue ! (2023) – Trailer (English Subs)

    Im Kino mit deut­schen Untertiteln.

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  • [:de]Caught by the Tides[:]

    [:de]Caught by the Tides[:]

    [:de]

    Ein Film von Jia Zhang-Ke.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Caught by the tides ist Jia Zhangkes expe­ri­men­tells­ter Film und einer sei­ner bes­ten. Einerseits ist der Film eine Art Coda, eine Wiederholung oder eine Variation von Asche ist rei­nes Weiss (2019). Caught by the tides beginnt, wie der älte­re Film, 2001 in Datong. In bei­den Filmen sind die Hauptfiguren die Tänzerin Qiaoqiao (Tao Zhao) und der Gangster Guo Bin, der aller­dings in Asche von Fan Liao, in Caught by the tides von Zhubin Li gespielt wird. In bei­den Filmen sind sie ein Paar, dann wer­den sie getrennt, und sie sucht ihn eini­ge Jahre spä­ter. Die Parallelen gehen noch wei­ter, aber Asche ist rei­nes Weiss war noch eine Art Neo-Noir, in Caught by the tides ist die Liebesbeziehung aufs extrems­te redu­ziert. Qiao und Bin reden nicht ein ein­zi­ges Mal mit­ein­an­der. Erst in der aller­letz­ten Szene spricht Qiao ein Wort: „Ha!“. Ihre Beziehung im Film besteht nur aus Gesten.
    Dafür ist die rei­ne fil­mi­sche Wucht von Caught by the tides noch grö­ßer. Es gibt drei Episoden: 2001 in der Bergarbeiterstadt Datong in Nordchina, 2006 in Fengjie, einer Stadt im Einzugsgebiet des monu­men­ta­len „Drei Schluchten“-Staudamms, die kom­plett umge­sie­delt wur­de, und 2022 in Zhuhai, Südchina und wie­der zurück in Datong, das sich gewal­tig ver­än­dert hat.
    Die „drif­ting gene­ra­ti­on“ nennt Jia die Generation sei­ner Hauptfiguren. In den ers­ten zwan­zig Jahren des Jahrhunderts fand in China ein gewal­ti­ger Wandel statt. In Jias Film spie­gelt sich die­ser Wandel. Caught by the tides ist ein Film, der Treibgut sam­melt, Überreste unter­ge­gan­ge­ner Welten und über Bord gewor­fe­ner Traditionen der Gemeinschaft. Der Film ist aber auch eine Feier des wider­stän­di­gen Unkrauts, der Menschen, die ziel­los durch die­se Welt trei­ben. Einige gehen ver­lo­ren, vie­le Abschiede wer­den genom­men, eini­gen gelingt es, eine neue Art von Gemeinschaft zu fin­den, und sei es, wie Qiaoqiao, in einer Laufgruppe, die sich die Stadt und die Straßen auf ihre Art zu eigen macht.“
    Tom Dorow | indiekino

    Credits:

    Feng liu yi dai
    CN 2024, 110 Min., chin. OmU
    Regie: Jia Zhang-Ke
    Kamera:
    Yu Lik-Wai, Eric Gautier
    Schnitt: Yang Chao, Lin Xudong, Matthieu Laclau
    mit: Zhao Tao, Li Zhubin, Pan Jianlin, Lan Zhou

    Trailer:
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    [:en]

    A film by Jia Zhang-Ke. In Mandarin with German subtitles.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    An endu­ring but fra­gi­le love sto­ry shared by Qiaoqiao and Bin, set in China, from the ear­ly 2000s to the pre­sent day.
    Caught up in each other, Qiaoqiao and Bin enjoy­ed all that the city had to offer, sin­ging and dancing. Until one day, Bin finds hims­elf wan­ting to try his luck in a big­ger place than Datong. He left wit­hout any noti­ce. Some time later, Qiaoqiao deci­des to go on a jour­ney to look for him.
    Traversing all of his past films, Jia Zhangke deli­vers an epic look at the roman­tic desti­ny of his peren­ni­al heroi­ne, Qiaoqiao. Spanning 21 years of a coun­try going through pro­found trans­for­ma­ti­on, the film gives a new per­spec­ti­ve to look into the con­tem­po­ra­ry China as well as the indi­vi­du­al expe­ri­en­ces under the tur­bu­lent emo­tio­nal and social changes.

    Credits:

    Feng liu yi dai
    CN 2024, 110 Min., chin. OmU
    Regie: Jia Zhang-Ke
    Kamera:
    Yu Lik-Wai, Eric Gautier
    Schnitt: Yang Chao, Lin Xudong, Matthieu Laclau
    mit: Zhao Tao, Li Zhubin, Pan Jianlin, Lan Zhou

    Trailer:
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