The Chronology of Water

Preview: The Chronology of Water

Ein Film von Kristen Stewart. Am 5.3. im fsk. Preview am 3.2. um 20:30.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Was für ein Debüt! US-Schauspielerin Kristen Stewart, bekannt gewor­den durch die „Twilight“-Blockbuster nach Stephenie Meyer, eman­zi­piert sich mit ihrer ers­ten Regiearbeit end­gül­tig vom Konsenskino Hollywoods. Die Charakterstudie „The Chronology of Water“, eine Verfilmung der gleich­na­mi­gen Memoiren Lidia Yuknavitchs, bewegt sich mit ihrer bruch­stück­haf­ten Erzählweise, ihrer eigen­wil­li­gen Bildsprache und ihrer scho­nungs­los ergrün­de­ten Missbrauchsthematik deut­lich abseits des Mainstreams. Ein furio­ser, manch­mal auch anstren­gen­der Trip, der einen unter Garantie kräf­tig durchschüttelt.

Sich nicht ver­ein­nah­men und auf bestimm­te Rollen fest­le­gen zu las­sen, das hat Kristen Stewart nach ihrem Erfolg mit der „Twilight“-Saga geschafft. Dass die US-Darstellerin mehr sein woll­te als eine wei­te­re rund um den Globus ver­ehr­te Blockbuster-Ikone, ver­deut­lich­ten schon ihre ers­ten Ausflüge ins euro­päi­sche Autorenkino mit Olivier Assayas‘ Werken „Die Wolken von Sils Maria“ (2014) und „Personal Shopper“ (2016). Anspruchsvolle Rollen und eher unkon­ven­tio­nel­le Projekte spra­chen Stewart auch in der Folgezeit an. Mit Pablo Larraín dreh­te sie das Biopic „Spencer“ (2021) über Prinzessin Diana. Unter der Regie David Cronenbergs ent­stand der Scifi-Bodyhorror-Streifen „Crimes of the Future“ (2022). Und von Rose Glass ließ sich das frü­he­re Teenageridol in der quee­ren, femi­nis­ti­schen Thriller-Romanze „Love Lies Bleeding“ (2024) inszenieren.

The Chronology of Water“, ihr Debüt als Filmemacherin, wirkt wie der logi­sche nächs­te Schritt in der Entwicklung einer Frau, die mehr und mehr ihre eige­ne Stimme fin­det – was Stewart dann auch sehr stark mit der Geschichte ihrer Protagonistin ver­bin­det. Die Charakterstudie basiert auf den gleich­na­mi­gen Memoiren der frü­he­ren Schwimmerin und heu­ti­gen Schriftstellerin Lidia Yuknavitch, die in jun­gen Jahren von ihrem Vater sexu­ell miss­braucht wur­de und irgend­wann den Drogen und dem Alkohol ver­fiel. Harter Stoff, den die Neuregisseurin ohne Netz und dop­pel­ten Boden in ihr Erstlingswerk überführt.

Auch wenn sich Stewart in den letz­ten Jahren im Mainstreamkino rar­mach­te, besitzt ihr Name noch immer eine enor­me Strahlkraft. Dennoch scheint es nicht leicht gewe­sen zu sein, ihren ers­ten eige­nen Film auf die Beine zu stel­len. Das las­sen zumin­dest die vie­len im Vorspann genann­ten Produktionsfirmen und damit die breit­ge­fä­cher­te Finanzierung ver­mu­ten. Kein Wunder! Denn „The Chronology of Water“ schil­dert auf radi­ka­le, expe­ri­men­tel­le Weise eine von Gewalt, Zweifeln und Selbstzerstörung gepräg­te Lebensgeschichte.

Stewarts kom­pro­miss­lo­ser Ansatz zeigt sich schon zu Anfang des in meh­re­re Kapitel unter­teil­ten Dramas. Als Zuschauer sucht man irgend­wie Halt, bemüht sich, dem Gezeigten Sinn zu geben. Aber zunächst stürzt auf uns ein Schwall an Bildern, Tönen, Wort- und Satzfetzen ein. Das grob­kör­ni­ge 16mm-Analogmaterial ver­leiht dem Ganzen sofort einen betont sub­jek­ti­ven Anstrich. Was sich aus den teils in extre­men Nahaufnahmen gefilm­ten Fragmenten mit der Zeit her­aus­le­sen lässt: In ihrem Elternhaus durch­lebt die klei­ne Lidia (Anna Wittowsky) die Hölle. Während ihre Mutter (Susannah Flood) kon­se­quent weg­schaut, hat ihr sexu­ell über­grif­fi­ger Vater (mit furcht­ein­flö­ßen­der Präsenz: Michael Epp) ein auf abso­lu­te Kontrolle aus­ge­rich­te­tes Terrorregime eta­bliert, vor dem Lidias älte­re Schwester Claudia (als Erwachsene von Thora Birch ver­kör­pert) Reißaus nimmt.

Auch der Protagonistin (im Teenager- und im Erwachsenenalter von Imogen Poots gespielt) gelingt dank eines Schwimmstipendiums irgend­wann der Absprung. Drogen- und Alkoholmissbrauch, Beziehungsfrust und eine Fehlgeburt wer­fen die jun­ge Frau aller­dings immer wie­der aus der Bahn. Ihre Bestimmung und eine Möglichkeit, sich aus­zu­drü­cken, fin­det sie erst in der Literatur. Doch der Weg zur Heilung ist lang, da die Schatten der Vergangenheit nicht so ein­fach ver­schwin­den wollen.

The Chronology of Water“ erzählt den Werdegang nicht streng chro­no­lo­gisch, son­dern sprung­haft und asso­zia­tiv. Ganz ähn­lich eben, wie die mensch­li­che Erinnerung funk­tio­niert. Geräusche, Personen oder bestimm­te Gegenstände lösen einen Impuls aus, der frü­he­re Eindrücke wie­der hoch­schwemmt und dama­li­ge Gefühle repro­du­ziert. Ständig erklingt über den Bildern die Stimme der Hauptfigur, die mal aus­führ­li­cher, mal kryp­ti­scher Dinge kom­men­tiert. Am schwie­rigs­ten zu fas­sen ist sicher­lich der Einstieg. Im wei­te­ren Verlauf gibt es immer­hin eini­ge Passagen, in denen die Zersplitterung etwas nachlässt.

So her­aus­for­dernd das aus vie­len grö­ße­ren und klei­ne­ren Bruchstücken bestehen­de Geschehen auch sein mag – auf Kurs gehal­ten wird der Film von Imogen Poots, die sich mit einer fast schon furcht­ein­flö­ßen­den Unerschrockenheit in ihre Rolle wirft. Ihr Gesicht häu­fig in Großaufnahme ein­ge­fan­gen, gibt sich die Britin ganz der Kamera hin und spielt sich im wahrs­ten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib. Lust, Ausgelassenheit, Ekel, Schmerz, Verzweiflung – jede Emotion lebt die Hauptdarstellerin mit vol­ler Intensität. Nach die­sem Dreh kann sie eigent­lich nur völ­lig aus­ge­pumpt gewe­sen sein! Was mimi­sche Qualität bewir­ken kann, zeigt auch das Beispiel Jim Belushis, der in sei­nen weni­gen Szenen als (real exis­tie­ren­der) Schriftsteller Ken Kesey (unter ande­rem Autor von „Einer flog über das Kuckucksnest“) eine raum­grei­fen­de, in Erinnerung blei­ben­de Figur erschafft. Wer sich mit Kristen Stewarts Kunstanspruch, ihrem unan­ge­pass­ten Stil schwer­tut, kann sich wenigs­tens von die­sen bei­den Performances mit­rei­ßen las­sen. Christopher Diekhaus | programmkino.de

Credits:

US/FR/LV 2025, 128 Min., engl. OmU
Regie: Kristen Stewart
Kamera: Corey C. Waters
Schnitt: Olivia Neergaard-Holm
mit: Imogen Poots, Thora Birch, Susannah Flood, Tom Sturridge, Kim Gordon, Michael Epp, Jim Belushi

Trailer:
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Archiv: Termine

  • Preview: The Chronology of Water

    Preview: The Chronology of Water

    Ein Film von Kristen Stewart. Am 5.3. im fsk. Preview am 3.2. um 20:30.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Was für ein Debüt! US-Schauspielerin Kristen Stewart, bekannt gewor­den durch die „Twilight“-Blockbuster nach Stephenie Meyer, eman­zi­piert sich mit ihrer ers­ten Regiearbeit end­gül­tig vom Konsenskino Hollywoods. Die Charakterstudie „The Chronology of Water“, eine Verfilmung der gleich­na­mi­gen Memoiren Lidia Yuknavitchs, bewegt sich mit ihrer bruch­stück­haf­ten Erzählweise, ihrer eigen­wil­li­gen Bildsprache und ihrer scho­nungs­los ergrün­de­ten Missbrauchsthematik deut­lich abseits des Mainstreams. Ein furio­ser, manch­mal auch anstren­gen­der Trip, der einen unter Garantie kräf­tig durchschüttelt.

    Sich nicht ver­ein­nah­men und auf bestimm­te Rollen fest­le­gen zu las­sen, das hat Kristen Stewart nach ihrem Erfolg mit der „Twilight“-Saga geschafft. Dass die US-Darstellerin mehr sein woll­te als eine wei­te­re rund um den Globus ver­ehr­te Blockbuster-Ikone, ver­deut­lich­ten schon ihre ers­ten Ausflüge ins euro­päi­sche Autorenkino mit Olivier Assayas‘ Werken „Die Wolken von Sils Maria“ (2014) und „Personal Shopper“ (2016). Anspruchsvolle Rollen und eher unkon­ven­tio­nel­le Projekte spra­chen Stewart auch in der Folgezeit an. Mit Pablo Larraín dreh­te sie das Biopic „Spencer“ (2021) über Prinzessin Diana. Unter der Regie David Cronenbergs ent­stand der Scifi-Bodyhorror-Streifen „Crimes of the Future“ (2022). Und von Rose Glass ließ sich das frü­he­re Teenageridol in der quee­ren, femi­nis­ti­schen Thriller-Romanze „Love Lies Bleeding“ (2024) inszenieren.

    The Chronology of Water“, ihr Debüt als Filmemacherin, wirkt wie der logi­sche nächs­te Schritt in der Entwicklung einer Frau, die mehr und mehr ihre eige­ne Stimme fin­det – was Stewart dann auch sehr stark mit der Geschichte ihrer Protagonistin ver­bin­det. Die Charakterstudie basiert auf den gleich­na­mi­gen Memoiren der frü­he­ren Schwimmerin und heu­ti­gen Schriftstellerin Lidia Yuknavitch, die in jun­gen Jahren von ihrem Vater sexu­ell miss­braucht wur­de und irgend­wann den Drogen und dem Alkohol ver­fiel. Harter Stoff, den die Neuregisseurin ohne Netz und dop­pel­ten Boden in ihr Erstlingswerk überführt.

    Auch wenn sich Stewart in den letz­ten Jahren im Mainstreamkino rar­mach­te, besitzt ihr Name noch immer eine enor­me Strahlkraft. Dennoch scheint es nicht leicht gewe­sen zu sein, ihren ers­ten eige­nen Film auf die Beine zu stel­len. Das las­sen zumin­dest die vie­len im Vorspann genann­ten Produktionsfirmen und damit die breit­ge­fä­cher­te Finanzierung ver­mu­ten. Kein Wunder! Denn „The Chronology of Water“ schil­dert auf radi­ka­le, expe­ri­men­tel­le Weise eine von Gewalt, Zweifeln und Selbstzerstörung gepräg­te Lebensgeschichte.

    Stewarts kom­pro­miss­lo­ser Ansatz zeigt sich schon zu Anfang des in meh­re­re Kapitel unter­teil­ten Dramas. Als Zuschauer sucht man irgend­wie Halt, bemüht sich, dem Gezeigten Sinn zu geben. Aber zunächst stürzt auf uns ein Schwall an Bildern, Tönen, Wort- und Satzfetzen ein. Das grob­kör­ni­ge 16mm-Analogmaterial ver­leiht dem Ganzen sofort einen betont sub­jek­ti­ven Anstrich. Was sich aus den teils in extre­men Nahaufnahmen gefilm­ten Fragmenten mit der Zeit her­aus­le­sen lässt: In ihrem Elternhaus durch­lebt die klei­ne Lidia (Anna Wittowsky) die Hölle. Während ihre Mutter (Susannah Flood) kon­se­quent weg­schaut, hat ihr sexu­ell über­grif­fi­ger Vater (mit furcht­ein­flö­ßen­der Präsenz: Michael Epp) ein auf abso­lu­te Kontrolle aus­ge­rich­te­tes Terrorregime eta­bliert, vor dem Lidias älte­re Schwester Claudia (als Erwachsene von Thora Birch ver­kör­pert) Reißaus nimmt.

    Auch der Protagonistin (im Teenager- und im Erwachsenenalter von Imogen Poots gespielt) gelingt dank eines Schwimmstipendiums irgend­wann der Absprung. Drogen- und Alkoholmissbrauch, Beziehungsfrust und eine Fehlgeburt wer­fen die jun­ge Frau aller­dings immer wie­der aus der Bahn. Ihre Bestimmung und eine Möglichkeit, sich aus­zu­drü­cken, fin­det sie erst in der Literatur. Doch der Weg zur Heilung ist lang, da die Schatten der Vergangenheit nicht so ein­fach ver­schwin­den wollen.

    The Chronology of Water“ erzählt den Werdegang nicht streng chro­no­lo­gisch, son­dern sprung­haft und asso­zia­tiv. Ganz ähn­lich eben, wie die mensch­li­che Erinnerung funk­tio­niert. Geräusche, Personen oder bestimm­te Gegenstände lösen einen Impuls aus, der frü­he­re Eindrücke wie­der hoch­schwemmt und dama­li­ge Gefühle repro­du­ziert. Ständig erklingt über den Bildern die Stimme der Hauptfigur, die mal aus­führ­li­cher, mal kryp­ti­scher Dinge kom­men­tiert. Am schwie­rigs­ten zu fas­sen ist sicher­lich der Einstieg. Im wei­te­ren Verlauf gibt es immer­hin eini­ge Passagen, in denen die Zersplitterung etwas nachlässt.

    So her­aus­for­dernd das aus vie­len grö­ße­ren und klei­ne­ren Bruchstücken bestehen­de Geschehen auch sein mag – auf Kurs gehal­ten wird der Film von Imogen Poots, die sich mit einer fast schon furcht­ein­flö­ßen­den Unerschrockenheit in ihre Rolle wirft. Ihr Gesicht häu­fig in Großaufnahme ein­ge­fan­gen, gibt sich die Britin ganz der Kamera hin und spielt sich im wahrs­ten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib. Lust, Ausgelassenheit, Ekel, Schmerz, Verzweiflung – jede Emotion lebt die Hauptdarstellerin mit vol­ler Intensität. Nach die­sem Dreh kann sie eigent­lich nur völ­lig aus­ge­pumpt gewe­sen sein! Was mimi­sche Qualität bewir­ken kann, zeigt auch das Beispiel Jim Belushis, der in sei­nen weni­gen Szenen als (real exis­tie­ren­der) Schriftsteller Ken Kesey (unter ande­rem Autor von „Einer flog über das Kuckucksnest“) eine raum­grei­fen­de, in Erinnerung blei­ben­de Figur erschafft. Wer sich mit Kristen Stewarts Kunstanspruch, ihrem unan­ge­pass­ten Stil schwer­tut, kann sich wenigs­tens von die­sen bei­den Performances mit­rei­ßen las­sen. Christopher Diekhaus | programmkino.de

    Credits:

    US/FR/LV 2025, 128 Min., engl. OmU
    Regie: Kristen Stewart
    Kamera: Corey C. Waters
    Schnitt: Olivia Neergaard-Holm
    mit: Imogen Poots, Thora Birch, Susannah Flood, Tom Sturridge, Kim Gordon, Michael Epp, Jim Belushi

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  • Wilma will mehr

    Wilma will mehr

    Ein Film von Maren-Kea Freese. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ende der 1990er Jahre. Wilma hat ihr Leben im Lausitzer Braunkohlerevier ver­bracht. Es war geprägt von Arbeit und Wandel zwei­er poli­ti­scher Systeme. Als ihr per­sön­li­ches und beruf­li­ches Leben zer­bricht, ver­lässt sie Ende der 1990er Jahre ihr Heimatdorf und zieht nach Wien. Dort beginnt sie neu, fin­det fri­sche Perspektiven und ent­deckt alte Utopien wie­der, die sie einst inspi­rier­ten. Mit ihren alten Überzeugungen und neu gewon­ne­ner Kraft setzt sie sich nicht nur für sich selbst, son­dern auch für eine bes­se­re Zukunft und die Umwelt ein. Ein Film über Verlust, Neuanfang und den uner­müd­li­chen Glauben an Veränderung.

    Dass es Wilma nach Österreich ver­schlägt und nicht in die alten Bundesländer, erweist sich als geschick­ter Schachzug von Regisseurin und Drehbuchautorin Maren-Kea Freese. Im Westen wäre Wilma sofort auf ihre Herkunft redu­ziert wor­den. Womöglich hät­ten Vorurteile einen Neuanfang erschwert oder ver­ei­telt. Zumindest wäre „Wilma will mehr“ ein gänz­lich ande­rer Film gewor­den. Wien dage­gen, als eigen­stän­di­ge, aus­län­di­sche, aber deutsch­spra­chi­ge Metropole, ist ein ande­res Pflaster. Dort kennt man sich mit deutsch-deut­schen Befindlichkeiten und Streitigkeiten weni­ger aus. Zwar fin­den auch die Ösis, dass die Ossis mit­un­ter naiv sind. Doch wenn Wilma etwas leis­tet – und sie leis­tet viel –, wird das anerkannt.

    Eigentlich schert man sich in Wien nicht um Herkunft. Doch wenn Wilma über ihr ver­gan­ge­nes Leben und die Mentalität ihrer Landsleute spricht, stößt sie doch auf Interesse. Bei einem feucht-fröh­li­chen Abend mit einem Dia-Vortrag von Wilma über die Lausitz und ihr ehe­ma­li­ges Kraftwerk wird sie von ihren neu­en Freunden gefei­ert. Man stößt ganz im inter­na­tio­na­lis­ti­schen Sinne auf Karl Marx an und into­niert gemein­sam das DDR-Agitationslied „Sag mir, wo du stehst“.

    Dennoch hat sich der Film weder Ostalgie noch eine Analyse der Umbruchszeit auf die Fahnen geschrie­ben. Es geht in ers­ter Linie um eine Frau, die aus der Enge ihrer Heimat her­aus­fin­det und sich nach lan­ger Zeit wie­der ent­fal­ten kann. Als die Arbeits- und Lebensgrundlagen um sie her­um zusam­men­bre­chen, wagt Wilma den Ausbruch und stellt fest, dass sie auch in der Fremde gut zurecht­kommt. Das liegt an ihrer beruf­li­chen Vielseitigkeit, aber auch an ihrem Pragmatismus, mit dem sie sich auf neue Menschen und Mentalitäten ein­las­sen kann. Sie greift Gelegenheiten beim Schopfe – aus Notwendigkeit, aber auch, weil sie die Abenteurerin in sich ent­deckt. Fritzi Haberlandt trägt den Film mit Bravour und wirkt durch und durch glaub­haft. Selbst in Momenten der Verzweiflung rafft sich ihre Figur mit Brandenburger Dialekt wie­der auf. Von dem, was sie in ihrem bis­he­ri­gen Leben gelernt hat, kann sie in Wien jede Menge anwen­den.“
    Kira Tazman | filmdienst

    Credits:

    DE 2025, 112 Min.,
    Regie: Maren-Kea Freese
    Kamera: Michael Kotschi
    Schnitt: Andrea Muñoz
    Darsteller*innen: Fritzi Haberlandt, Thomas Gerber, Stephan Grossmann, Xenia Snagowski, Katrin Schwingel, Isabel Schosnig

    Trailer:
    Kinotrailer „Wilma will mehr” – Kinostart 31. Juli 2025
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  • Sleep With Your Eyes Open

    Sleep With Your Eyes Open

    Ein Film von Nele Wohlatz.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die Erfahrungen, die sie in ihren Jahren in Argentinien und bei ihrem Filmdebut (nach ver­schie­de­nen Werken als Ko-Regisseurin) , dem schö­nen Dokumentarhybrid El Futuro Perfecto mach­te, bil­den die Grundlage für Nele Wohlatz sanft-ver­spiel­ten, traum­haf­ten Spielfilm. Die jun­ge Kai fliegt der Liebe wegen von Taipeh in die bra­si­lia­ni­sche Küstenstadt Recife, aber der Geliebte scheint ver­schol­len. Statt des­sen trifft sie auf eine Vielzahl wei­te­rer Landsleute und auf eine Kiste vol­ler Postkarten mit Aufzeichnungen, die ihre Vorbewohnerin Xiao Xin für ein geplan­tes Buch notier­te.
    Die Menschen hier las­sen sich trei­ben, trotz aller Zerrissenheit ist das Heimweh eben­so wenig aus­ge­prägt wie auf der ande­ren Seite der laten­te Rassismus, der ihnen auch enge­gen­schlägt.
    Die lei­se Komödie vol­ler Missverständnisse folgt kei­ner tra­di­tio­nel­len Dramaturgie. Die Protagonist*innen tau­chen eben­so uner­war­tet auf, wie sie auch wie­der ver­schwin­den. Ihre Arbeit treibt sie manch­mal von einer ihnen unbe­kann­ten Stadt in die nächs­te. Im Laufe eines hei­ßen, lang­sa­men Sommers wach­sen den­noch zar­te Bande zwi­schen ihnen.
    Ein „wun­der­bar spie­le­ri­scher Film über das Leben in der Fremde“ Andreas Busche, Tagesspiegel
    „Meinen ers­ten Spielfilm habe ich mit chi­ne­si­schen Laiendarsteller:innen in Buenos Aires gedreht, aus­schließ­lich an Wochenenden, denn unter der Woche arbei­te­ten alle in chi­ne­si­schen Supermärkten und Importgeschäften. Oft fehl­te am nächs­ten Wochenende jemand, war in eine ande­re Stadt oder ein ande­res Land gezo­gen oder zurück nach China. Eine Darstellerin sag­te zu mir: Ich könn­te jetzt über­all hin­ge­hen und mich anpas­sen, wenn es sein muss. Aber es gibt kei­nen Ort mehr, an den ich gehö­re.“ Nele Wohlatz

    Credits:

    Dormir de olhos aber­tos
    Brazil / Taiwan / Argentina / Germany 2024, 97 Min., Mandarin, Portugiesisch, Spanisch, Englisch OmU
    Regie: Nele Wohlatz
    Kamera: Roman Kasseroller
    Schnitt: Yann-shan Tsai, Ana Godoy
    mit Chen Xiao Xin, Wang Shin-Hong, Liao Kai Ro, Nahuel Pérez Biscayart, Lu Yang Zong

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  • Was uns hält

    Was uns hält

    Ein Film von Daniele Luchetti. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Neapel Anfang der 1980er Jahre. Aldo (Luigi Lo Cascio) hat gera­de sei­ne Kinder Anna und Sandro ins Bett gebracht und ihnen eine Gutenachtgeschichte erzählt. Nun steht er in der Küche neben sei­ner Frau Vanda (Alba Rohrwacher) und gesteht ihr, dass er sie betro­gen hat. Vanda ver­liert den Boden unter den Füßen und weiß nicht, wie sie reagie­ren soll.
    Was bedeu­tet das für sie und die Kinder?
    Dreißig Jahre spä­ter leben Vanda (Laura Morante) und Aldo (Silvio Orlando) immer noch zusam­men, aber viel­leicht haben sie und ihre Kinder, Anna (Giovanna Mezzogiorno) und Sandro (Adriano Giannini) dafür einen hohen Preis gezahlt.

    (…) Denn nicht um kon­kre­te Ereignisse geht es, nicht ums Verlieben oder Verlassen, son­dern um das Zusammenbleiben, trotz allem. Viel psy­cho­lo­gi­scher, viel unter­schwel­li­ger ist die­ser Ansatz eines Beziehungsfilms, viel weni­ger kon­kret, dadurch flüch­ti­ger und schwie­ri­ger in einer nur 100 Minuten kur­zen Erzählung zu fas­sen. Um den Umgang mit Untreue geht es in Was uns hält, um den Versuch, eine Beziehung trotz allem am Leben zu erhal­ten, auch um der Kinder wegen, um Kompromisse, um unvor­her­ge­se­he­ne Folgen, gera­de auch für die nächs­te Generation.“ M. Meyns

    Basierend auf dem Roman «Auf immer ver­bun­den» von Domenico Starnone zeigt Regisseur Daniele Luchetti (Mein Bruder ist ein Einzelkind), wie stark die Bindung der Familie im Guten wie im Schlechten ist – auch wenn die Liebe in neue Richtungen zieht.

    Eine leben­di­ge Ehegeschichte im Ferrante-Stil, das emo­tio­nal har­te, aber raf­fi­niert kon­stru­ier­te Porträt einer Beziehung, die in Zeitlupe zer­bricht. Es ist wie die ita­lie­ni­sche Version von Marriage Story, nur über 40 Jahre gestreckt. Alba Rohrwacher und Luigi Lo Cascio sind als Vanda und Aldo außer­ge­wöhn­lich stark.” (The Times)

    Credits:

    Lacci
    IT 2020, 100 Min., ital. OmU
    Regie: Daniele Luchetti
    Kamera: Ivan Casalgrandi
    Schnitt: Aël Dallier Vega · Daniele Luchetti
    mit Alba Rohrwacher, Luigi Lo Cascio, Laura Morante, Silvio Orlando, Giovanna Mezzogiorno

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  • Auf trockenen Gräsern

    Auf trockenen Gräsern

    Ein Film von Nuri Bilge Ceylan.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Durch die ver­schnei­te Landschaft stapft der Kunstlehrer Samet zu dem Dorf, in dem er nach Ende der Ferien wie­der unter­rich­ten muss. Es ist eine ein­sa­me Gegend irgend­wo in Anatolien, die unter der Winterdecke ruht. Was in den ers­ten Bildern noch Frieden aus­strahlt, wird im Lauf des Films zuneh­mend beklem­mend wir­ken, wie auch Samets Beziehungen zu den ande­ren Menschen an der Schule und im Dorf dop­pel­bö­dig und kom­pli­ziert wer­den. Und natür­lich weiß jeder, dass er vor­hat, sich nach Istanbul ver­set­zen zu las­sen, sobald die Pflichtzeit am Ende der Welt zu Beginn sei­ner Lehrtätigkeit erfüllt ist. Samet hält sich für einen guten und tole­ran­ten Pädagogen, aber als ihm unan­ge­mes­se­nes Verhalten gegen­über zwei Schülerinnen vor­ge­wor­fen wird und der Druck steigt, kommt lang­sam ein ande­rer Charakter zum Vorschein. Komplex, in sich ver­strickt und ein­ge­schlos­sen, ande­re nur unscharf wahr­neh­mend. Eine Person, deren Verfassung typisch ist für Ceylans männ­li­che Hauptfiguren und die in ihrer Unansehnlichkeit den Ausgangspunkt für ein dich­tes Netz von Berührungspunkten und Beziehungen zwi­schen allen Personen bil­det. Wie bereits in sei­nen vor­an­ge­gan­ge­nen Werken ent­wirft Nuri Bilge Ceylan auch in Auf tro­cke­nen Gräsern anhand von indi­vi­du­el­len Lebensgeschichten und ihren Verzahnungen ein Panorama der tür­ki­schen Gesellschaft in ihren unter­schied­li­chen Facetten. Daneben exis­tiert die archa­isch wir­ken­de Landschaft und spielt eine wei­te­re Hauptrolle.

    Auf tro­cke­nen Gräsern lief 2023 im Wettbewerb von Cannes und Merve Dizdar gewann den Preis als bes­te Darstellerin.

    In der Türkei ste­hen sich stän­dig Dualismen gegen­über, wie Gut gegen Böse und Individualismus gegen Kollektivismus. Mein Kunstlehrer glaubt, dass er dem Ende sei­nes Pflichtdienstes in einem abge­le­ge­nen Bezirk in Ostanatolien nahe ist. Er trös­tet sich seit Jahren mit der Hoffnung auf eine Versetzung nach Istanbul. Darin liegt ein span­nen­der Unterschied zwi­schen der Rolle des Gastgebers und des Gastes. Interessiert hat uns auch die men­ta­le Auswirkung von Gefühlen der Entfremdung, der Entfernung von städ­ti­schem Leben und einem Dasein am Rande. Mit wel­chen Problemen sehen sich die Bewohner die­ser länd­li­chen Region kon­fron­tiert – wie prägt sie die Dynamik der geo­gra­fi­schen, eth­ni­schen oder sozia­len Strukturen, in denen sie leben? Auch wenn die Möglichkeit Liebe zu fin­den gege­ben ist, wer­den ver­küm­mern­de Seelen unauf­hör­lich tie­fer in die Isolation getrie­ben durch Vorurteile, das Errichten von Mauern, ver­gan­ge­ne poli­ti­sche Traumata und den unstill­ba­ren Drang, jene, die einem nahe­ste­hen, für eige­ne Fehler büßen zu las­sen. In Regionen, wo Verzweiflung in jedem Gesicht, Erschöpfung in jedem Schritt und Bitterkeit in der Stimme spür­bar ist, wer­den die Spuren des „Schicksals“ beson­ders deut­lich.” Nuri Bilge Ceylan

    Credits:

    TK/FR 2023, 197 Min., türk. OmU
    Regie: Nuri Bilge Ceylan
    Kamera: Cevahİr Şahİn, Kürşat Üresİn
    Schnitt: Oğuz Atabaş, Nuri Bilge Ceylan
    Kamera: Cevahİr Şahİn, Nuri Bilge Ceylan
    mit: Deniz Celiloğlu, Merve Dizdar, Musab Ekici

    Trailer:
    Auf tro­cke­nen Gräsern, Trailer OmdU
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  • Ivo – mit Gast

    Ivo – mit Gast

    Ein Film von Eva Trobisch. Am 27.6. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch mit Eva Trobisch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ivo arbei­tet als ambu­lan­te Palliativpflegerin. Täglich fährt sie zu Familien, Eheleuten und Alleinstehenden. In klei­ne Wohnungen und in gro­ße Häuser. In immer ver­schie­de­nes Leben und Sterben. In immer ver­schie­de­nen Umgang mit der Zeit, die bleibt. Zu Hause hat sich ihre puber­tie­ren­de Tochter längst selbst­stän­dig gemacht. Von früh bis spät ist Ivo in ihrem alten Skoda unter­wegs, den sie zu ihrem per­sön­li­chen Lebensraum gemacht hat. Hier nimmt sie ihre Mahlzeiten zu sich, arbei­tet, singt, flucht und träumt sie. Eine ihrer Patientinnen, Solveigh, ist zu einer engen Freundin gewor­den. Auch zu Solveighs Mann Franz hat Ivo eine Beziehung geknüpft. Tag für Tag arbei­ten sie bei der Pflege von Solveigh zusam­men. Und sie schla­fen mit­ein­an­der. Solveighs Kräfte schwin­den, bald ist sie bei den ein­fachs­ten Verrichtungen auf Unterstützung ange­wie­sen. Die letz­te Entscheidung will sie allei­ne tref­fen. Ivo soll ihr beim Sterben hel­fen.
    „Trobisch spinnt die fik­ti­ve, nah am Halbdokumentarischen erzähl­te Geschichte, in der Schauspieler:innen und ech­tes Fachpersonal auf orga­ni­sche Weise inter­agie­ren, mit eher locke­rem Faden. Vieles bleibt ange­deu­tet, nichts drängt nach dra­ma­tur­gi­scher Zuspitzung. Auch die Affäre mit Franz muss nicht ver­kom­pli­ziert wer­den. Sie wird viel­mehr als eine selbst­ver­ständ­li­che und für bei­de stär­ken­de Verbindung gezeigt, die in einem ganz bestimm­ten Zeitfenster exis­tiert, in dem das Sterben der Freundin und Ehefrau immer auch mit anwe­send ist.
    Ivo ist ein groß­zü­gi­ger und offe­ner Film. Er besteht nicht auf Antworten und Thesen, son­dern stellt viel­mehr unter­schied­li­che Beobachtungen, Fragen und Empfindungen, die mit dem Sterben zu tun haben, neben­ein­an­der: Pragmatismus und inne­rer Aufruhr, das Banale und das Erschütternde, Bewegung und Stillstand. Anders als Jessica Krummacher in Zum Tod mei­ner Mutter (2022) sucht Eva Trobisch nicht nach Abstraktion und Reduktion, son­dern nach Fülle und Gleichzeitigkeit. Gleichwohl ist ihr Realismus nicht auf das blo­ße Abbilden äuße­rer Handlungen beschränkt, son­dern impres­sio­nis­tisch auf­ge­bro­chen und von Ivos Empfindungen und Blicken durch­drun­gen. Die mit einem 16mm-Objektiv auf­ge­nom­me­nen Bilder sind licht­durch­flu­tet und hap­tisch; von den kör­per­li­chen Verfallsprozessen wir­ken sie gänz­lich unbe­rührt. Das Wissen um die Endlichkeit von Leben wirkt wie ein Wahrnehmungsverstärker.“ Esther Buss | Filmdienst

    Credits:

    DE 2024, 104 Min., deut­sche OmeU
    Regie: Eva Trobisch
    Kamera: Adrian Campean
    Schnitt: Laura Lauzemis
    mit Minna Wündrich, Pia Hierzegger, Lukas Turtur

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  • Sleep With Your Eyes Open

    Sleep With Your Eyes Open

    Ein Film von Nele Wohlatz.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die Erfahrungen, die sie in ihren Jahren in Argentinien und bei ihrem Filmdebut (nach ver­schie­de­nen Werken als Ko-Regisseurin) , dem schö­nen Dokumentarhybrid El Futuro Perfecto mach­te, bil­den die Grundlage für Nele Wohlatz sanft-ver­spiel­ten, traum­haf­ten Spielfilm. Die jun­ge Kai fliegt der Liebe wegen von Taipeh in die bra­si­lia­ni­sche Küstenstadt Recife, aber der Geliebte scheint ver­schol­len. Statt des­sen trifft sie auf eine Vielzahl wei­te­rer Landsleute und auf eine Kiste vol­ler Postkarten mit Aufzeichnungen, die ihre Vorbewohnerin Xiao Xin für ein geplan­tes Buch notier­te.
    Die Menschen hier las­sen sich trei­ben, trotz aller Zerrissenheit ist das Heimweh eben­so wenig aus­ge­prägt wie auf der ande­ren Seite der laten­te Rassismus, der ihnen auch enge­gen­schlägt.
    Die lei­se Komödie vol­ler Missverständnisse folgt kei­ner tra­di­tio­nel­len Dramaturgie. Die Protagonist*innen tau­chen eben­so uner­war­tet auf, wie sie auch wie­der ver­schwin­den. Ihre Arbeit treibt sie manch­mal von einer ihnen unbe­kann­ten Stadt in die nächs­te. Im Laufe eines hei­ßen, lang­sa­men Sommers wach­sen den­noch zar­te Bande zwi­schen ihnen.
    Ein „wun­der­bar spie­le­ri­scher Film über das Leben in der Fremde“ Andreas Busche, Tagesspiegel
    „Meinen ers­ten Spielfilm habe ich mit chi­ne­si­schen Laiendarsteller:innen in Buenos Aires gedreht, aus­schließ­lich an Wochenenden, denn unter der Woche arbei­te­ten alle in chi­ne­si­schen Supermärkten und Importgeschäften. Oft fehl­te am nächs­ten Wochenende jemand, war in eine ande­re Stadt oder ein ande­res Land gezo­gen oder zurück nach China. Eine Darstellerin sag­te zu mir: Ich könn­te jetzt über­all hin­ge­hen und mich anpas­sen, wenn es sein muss. Aber es gibt kei­nen Ort mehr, an den ich gehö­re.“ Nele Wohlatz

    Credits:

    Dormir de olhos aber­tos
    Brazil / Taiwan / Argentina / Germany 2024, 97 Min., Mandarin, Portugiesisch, Spanisch, Englisch OmU
    Regie: Nele Wohlatz
    Kamera: Roman Kasseroller
    Schnitt: Yann-shan Tsai, Ana Godoy
    mit Chen Xiao Xin, Wang Shin-Hong, Liao Kai Ro, Nahuel Pérez Biscayart, Lu Yang Zong

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  • Was uns hält

    Was uns hält

    Ein Film von Daniele Luchetti. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Neapel Anfang der 1980er Jahre. Aldo (Luigi Lo Cascio) hat gera­de sei­ne Kinder Anna und Sandro ins Bett gebracht und ihnen eine Gutenachtgeschichte erzählt. Nun steht er in der Küche neben sei­ner Frau Vanda (Alba Rohrwacher) und gesteht ihr, dass er sie betro­gen hat. Vanda ver­liert den Boden unter den Füßen und weiß nicht, wie sie reagie­ren soll.
    Was bedeu­tet das für sie und die Kinder?
    Dreißig Jahre spä­ter leben Vanda (Laura Morante) und Aldo (Silvio Orlando) immer noch zusam­men, aber viel­leicht haben sie und ihre Kinder, Anna (Giovanna Mezzogiorno) und Sandro (Adriano Giannini) dafür einen hohen Preis gezahlt.

    (…) Denn nicht um kon­kre­te Ereignisse geht es, nicht ums Verlieben oder Verlassen, son­dern um das Zusammenbleiben, trotz allem. Viel psy­cho­lo­gi­scher, viel unter­schwel­li­ger ist die­ser Ansatz eines Beziehungsfilms, viel weni­ger kon­kret, dadurch flüch­ti­ger und schwie­ri­ger in einer nur 100 Minuten kur­zen Erzählung zu fas­sen. Um den Umgang mit Untreue geht es in Was uns hält, um den Versuch, eine Beziehung trotz allem am Leben zu erhal­ten, auch um der Kinder wegen, um Kompromisse, um unvor­her­ge­se­he­ne Folgen, gera­de auch für die nächs­te Generation.“ M. Meyns

    Basierend auf dem Roman «Auf immer ver­bun­den» von Domenico Starnone zeigt Regisseur Daniele Luchetti (Mein Bruder ist ein Einzelkind), wie stark die Bindung der Familie im Guten wie im Schlechten ist – auch wenn die Liebe in neue Richtungen zieht.

    Eine leben­di­ge Ehegeschichte im Ferrante-Stil, das emo­tio­nal har­te, aber raf­fi­niert kon­stru­ier­te Porträt einer Beziehung, die in Zeitlupe zer­bricht. Es ist wie die ita­lie­ni­sche Version von Marriage Story, nur über 40 Jahre gestreckt. Alba Rohrwacher und Luigi Lo Cascio sind als Vanda und Aldo außer­ge­wöhn­lich stark.” (The Times)

    Credits:

    Lacci
    IT 2020, 100 Min., ital. OmU
    Regie: Daniele Luchetti
    Kamera: Ivan Casalgrandi
    Schnitt: Aël Dallier Vega · Daniele Luchetti
    mit Alba Rohrwacher, Luigi Lo Cascio, Laura Morante, Silvio Orlando, Giovanna Mezzogiorno

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  • Auf trockenen Gräsern

    Auf trockenen Gräsern

    Ein Film von Nuri Bilge Ceylan.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Durch die ver­schnei­te Landschaft stapft der Kunstlehrer Samet zu dem Dorf, in dem er nach Ende der Ferien wie­der unter­rich­ten muss. Es ist eine ein­sa­me Gegend irgend­wo in Anatolien, die unter der Winterdecke ruht. Was in den ers­ten Bildern noch Frieden aus­strahlt, wird im Lauf des Films zuneh­mend beklem­mend wir­ken, wie auch Samets Beziehungen zu den ande­ren Menschen an der Schule und im Dorf dop­pel­bö­dig und kom­pli­ziert wer­den. Und natür­lich weiß jeder, dass er vor­hat, sich nach Istanbul ver­set­zen zu las­sen, sobald die Pflichtzeit am Ende der Welt zu Beginn sei­ner Lehrtätigkeit erfüllt ist. Samet hält sich für einen guten und tole­ran­ten Pädagogen, aber als ihm unan­ge­mes­se­nes Verhalten gegen­über zwei Schülerinnen vor­ge­wor­fen wird und der Druck steigt, kommt lang­sam ein ande­rer Charakter zum Vorschein. Komplex, in sich ver­strickt und ein­ge­schlos­sen, ande­re nur unscharf wahr­neh­mend. Eine Person, deren Verfassung typisch ist für Ceylans männ­li­che Hauptfiguren und die in ihrer Unansehnlichkeit den Ausgangspunkt für ein dich­tes Netz von Berührungspunkten und Beziehungen zwi­schen allen Personen bil­det. Wie bereits in sei­nen vor­an­ge­gan­ge­nen Werken ent­wirft Nuri Bilge Ceylan auch in Auf tro­cke­nen Gräsern anhand von indi­vi­du­el­len Lebensgeschichten und ihren Verzahnungen ein Panorama der tür­ki­schen Gesellschaft in ihren unter­schied­li­chen Facetten. Daneben exis­tiert die archa­isch wir­ken­de Landschaft und spielt eine wei­te­re Hauptrolle.

    Auf tro­cke­nen Gräsern lief 2023 im Wettbewerb von Cannes und Merve Dizdar gewann den Preis als bes­te Darstellerin.

    In der Türkei ste­hen sich stän­dig Dualismen gegen­über, wie Gut gegen Böse und Individualismus gegen Kollektivismus. Mein Kunstlehrer glaubt, dass er dem Ende sei­nes Pflichtdienstes in einem abge­le­ge­nen Bezirk in Ostanatolien nahe ist. Er trös­tet sich seit Jahren mit der Hoffnung auf eine Versetzung nach Istanbul. Darin liegt ein span­nen­der Unterschied zwi­schen der Rolle des Gastgebers und des Gastes. Interessiert hat uns auch die men­ta­le Auswirkung von Gefühlen der Entfremdung, der Entfernung von städ­ti­schem Leben und einem Dasein am Rande. Mit wel­chen Problemen sehen sich die Bewohner die­ser länd­li­chen Region kon­fron­tiert – wie prägt sie die Dynamik der geo­gra­fi­schen, eth­ni­schen oder sozia­len Strukturen, in denen sie leben? Auch wenn die Möglichkeit Liebe zu fin­den gege­ben ist, wer­den ver­küm­mern­de Seelen unauf­hör­lich tie­fer in die Isolation getrie­ben durch Vorurteile, das Errichten von Mauern, ver­gan­ge­ne poli­ti­sche Traumata und den unstill­ba­ren Drang, jene, die einem nahe­ste­hen, für eige­ne Fehler büßen zu las­sen. In Regionen, wo Verzweiflung in jedem Gesicht, Erschöpfung in jedem Schritt und Bitterkeit in der Stimme spür­bar ist, wer­den die Spuren des „Schicksals“ beson­ders deut­lich.” Nuri Bilge Ceylan

    Credits:

    TK/FR 2023, 197 Min., türk. OmU
    Regie: Nuri Bilge Ceylan
    Kamera: Cevahİr Şahİn, Kürşat Üresİn
    Schnitt: Oğuz Atabaş, Nuri Bilge Ceylan
    Kamera: Cevahİr Şahİn, Nuri Bilge Ceylan
    mit: Deniz Celiloğlu, Merve Dizdar, Musab Ekici

    Trailer:
    Auf tro­cke­nen Gräsern, Trailer OmdU
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  • Ivo

    Ivo

    Ein Film von Eva Trobisch. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ivo arbei­tet als ambu­lan­te Palliativpflegerin. Täglich fährt sie zu Familien, Eheleuten und Alleinstehenden. In klei­ne Wohnungen und in gro­ße Häuser. In immer ver­schie­de­nes Leben und Sterben. In immer ver­schie­de­nen Umgang mit der Zeit, die bleibt. Zu Hause hat sich ihre puber­tie­ren­de Tochter längst selbst­stän­dig gemacht. Von früh bis spät ist Ivo in ihrem alten Skoda unter­wegs, den sie zu ihrem per­sön­li­chen Lebensraum gemacht hat. Hier nimmt sie ihre Mahlzeiten zu sich, arbei­tet, singt, flucht und träumt sie. Eine ihrer Patientinnen, Solveigh, ist zu einer engen Freundin gewor­den. Auch zu Solveighs Mann Franz hat Ivo eine Beziehung geknüpft. Tag für Tag arbei­ten sie bei der Pflege von Solveigh zusam­men. Und sie schla­fen mit­ein­an­der. Solveighs Kräfte schwin­den, bald ist sie bei den ein­fachs­ten Verrichtungen auf Unterstützung ange­wie­sen. Die letz­te Entscheidung will sie allei­ne tref­fen. Ivo soll ihr beim Sterben hel­fen.
    „Trobisch spinnt die fik­ti­ve, nah am Halbdokumentarischen erzähl­te Geschichte, in der Schauspieler:innen und ech­tes Fachpersonal auf orga­ni­sche Weise inter­agie­ren, mit eher locke­rem Faden. Vieles bleibt ange­deu­tet, nichts drängt nach dra­ma­tur­gi­scher Zuspitzung. Auch die Affäre mit Franz muss nicht ver­kom­pli­ziert wer­den. Sie wird viel­mehr als eine selbst­ver­ständ­li­che und für bei­de stär­ken­de Verbindung gezeigt, die in einem ganz bestimm­ten Zeitfenster exis­tiert, in dem das Sterben der Freundin und Ehefrau immer auch mit anwe­send ist.
    Ivo ist ein groß­zü­gi­ger und offe­ner Film. Er besteht nicht auf Antworten und Thesen, son­dern stellt viel­mehr unter­schied­li­che Beobachtungen, Fragen und Empfindungen, die mit dem Sterben zu tun haben, neben­ein­an­der: Pragmatismus und inne­rer Aufruhr, das Banale und das Erschütternde, Bewegung und Stillstand. Anders als Jessica Krummacher in Zum Tod mei­ner Mutter (2022) sucht Eva Trobisch nicht nach Abstraktion und Reduktion, son­dern nach Fülle und Gleichzeitigkeit. Gleichwohl ist ihr Realismus nicht auf das blo­ße Abbilden äuße­rer Handlungen beschränkt, son­dern impres­sio­nis­tisch auf­ge­bro­chen und von Ivos Empfindungen und Blicken durch­drun­gen. Die mit einem 16mm-Objektiv auf­ge­nom­me­nen Bilder sind licht­durch­flu­tet und hap­tisch; von den kör­per­li­chen Verfallsprozessen wir­ken sie gänz­lich unbe­rührt. Das Wissen um die Endlichkeit von Leben wirkt wie ein Wahrnehmungsverstärker.“ Esther Buss | Filmdienst

    Credits:

    DE 2024, 104 Min., deut­sche OmeU
    Regie: Eva Trobisch
    Kamera: Adrian Campean
    Schnitt: Laura Lauzemis
    mit Minna Wündrich, Pia Hierzegger, Lukas Turtur

    Trailer:
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