The Chronology of Water

Preview: The Chronology of Water

Ein Film von Kristen Stewart. Am 5.3. im fsk. Preview am 3.2. um 20:30.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Was für ein Debüt! US-Schauspielerin Kristen Stewart, bekannt gewor­den durch die „Twilight“-Blockbuster nach Stephenie Meyer, eman­zi­piert sich mit ihrer ers­ten Regiearbeit end­gül­tig vom Konsenskino Hollywoods. Die Charakterstudie „The Chronology of Water“, eine Verfilmung der gleich­na­mi­gen Memoiren Lidia Yuknavitchs, bewegt sich mit ihrer bruch­stück­haf­ten Erzählweise, ihrer eigen­wil­li­gen Bildsprache und ihrer scho­nungs­los ergrün­de­ten Missbrauchsthematik deut­lich abseits des Mainstreams. Ein furio­ser, manch­mal auch anstren­gen­der Trip, der einen unter Garantie kräf­tig durchschüttelt.

Sich nicht ver­ein­nah­men und auf bestimm­te Rollen fest­le­gen zu las­sen, das hat Kristen Stewart nach ihrem Erfolg mit der „Twilight“-Saga geschafft. Dass die US-Darstellerin mehr sein woll­te als eine wei­te­re rund um den Globus ver­ehr­te Blockbuster-Ikone, ver­deut­lich­ten schon ihre ers­ten Ausflüge ins euro­päi­sche Autorenkino mit Olivier Assayas‘ Werken „Die Wolken von Sils Maria“ (2014) und „Personal Shopper“ (2016). Anspruchsvolle Rollen und eher unkon­ven­tio­nel­le Projekte spra­chen Stewart auch in der Folgezeit an. Mit Pablo Larraín dreh­te sie das Biopic „Spencer“ (2021) über Prinzessin Diana. Unter der Regie David Cronenbergs ent­stand der Scifi-Bodyhorror-Streifen „Crimes of the Future“ (2022). Und von Rose Glass ließ sich das frü­he­re Teenageridol in der quee­ren, femi­nis­ti­schen Thriller-Romanze „Love Lies Bleeding“ (2024) inszenieren.

The Chronology of Water“, ihr Debüt als Filmemacherin, wirkt wie der logi­sche nächs­te Schritt in der Entwicklung einer Frau, die mehr und mehr ihre eige­ne Stimme fin­det – was Stewart dann auch sehr stark mit der Geschichte ihrer Protagonistin ver­bin­det. Die Charakterstudie basiert auf den gleich­na­mi­gen Memoiren der frü­he­ren Schwimmerin und heu­ti­gen Schriftstellerin Lidia Yuknavitch, die in jun­gen Jahren von ihrem Vater sexu­ell miss­braucht wur­de und irgend­wann den Drogen und dem Alkohol ver­fiel. Harter Stoff, den die Neuregisseurin ohne Netz und dop­pel­ten Boden in ihr Erstlingswerk überführt.

Auch wenn sich Stewart in den letz­ten Jahren im Mainstreamkino rar­mach­te, besitzt ihr Name noch immer eine enor­me Strahlkraft. Dennoch scheint es nicht leicht gewe­sen zu sein, ihren ers­ten eige­nen Film auf die Beine zu stel­len. Das las­sen zumin­dest die vie­len im Vorspann genann­ten Produktionsfirmen und damit die breit­ge­fä­cher­te Finanzierung ver­mu­ten. Kein Wunder! Denn „The Chronology of Water“ schil­dert auf radi­ka­le, expe­ri­men­tel­le Weise eine von Gewalt, Zweifeln und Selbstzerstörung gepräg­te Lebensgeschichte.

Stewarts kom­pro­miss­lo­ser Ansatz zeigt sich schon zu Anfang des in meh­re­re Kapitel unter­teil­ten Dramas. Als Zuschauer sucht man irgend­wie Halt, bemüht sich, dem Gezeigten Sinn zu geben. Aber zunächst stürzt auf uns ein Schwall an Bildern, Tönen, Wort- und Satzfetzen ein. Das grob­kör­ni­ge 16mm-Analogmaterial ver­leiht dem Ganzen sofort einen betont sub­jek­ti­ven Anstrich. Was sich aus den teils in extre­men Nahaufnahmen gefilm­ten Fragmenten mit der Zeit her­aus­le­sen lässt: In ihrem Elternhaus durch­lebt die klei­ne Lidia (Anna Wittowsky) die Hölle. Während ihre Mutter (Susannah Flood) kon­se­quent weg­schaut, hat ihr sexu­ell über­grif­fi­ger Vater (mit furcht­ein­flö­ßen­der Präsenz: Michael Epp) ein auf abso­lu­te Kontrolle aus­ge­rich­te­tes Terrorregime eta­bliert, vor dem Lidias älte­re Schwester Claudia (als Erwachsene von Thora Birch ver­kör­pert) Reißaus nimmt.

Auch der Protagonistin (im Teenager- und im Erwachsenenalter von Imogen Poots gespielt) gelingt dank eines Schwimmstipendiums irgend­wann der Absprung. Drogen- und Alkoholmissbrauch, Beziehungsfrust und eine Fehlgeburt wer­fen die jun­ge Frau aller­dings immer wie­der aus der Bahn. Ihre Bestimmung und eine Möglichkeit, sich aus­zu­drü­cken, fin­det sie erst in der Literatur. Doch der Weg zur Heilung ist lang, da die Schatten der Vergangenheit nicht so ein­fach ver­schwin­den wollen.

The Chronology of Water“ erzählt den Werdegang nicht streng chro­no­lo­gisch, son­dern sprung­haft und asso­zia­tiv. Ganz ähn­lich eben, wie die mensch­li­che Erinnerung funk­tio­niert. Geräusche, Personen oder bestimm­te Gegenstände lösen einen Impuls aus, der frü­he­re Eindrücke wie­der hoch­schwemmt und dama­li­ge Gefühle repro­du­ziert. Ständig erklingt über den Bildern die Stimme der Hauptfigur, die mal aus­führ­li­cher, mal kryp­ti­scher Dinge kom­men­tiert. Am schwie­rigs­ten zu fas­sen ist sicher­lich der Einstieg. Im wei­te­ren Verlauf gibt es immer­hin eini­ge Passagen, in denen die Zersplitterung etwas nachlässt.

So her­aus­for­dernd das aus vie­len grö­ße­ren und klei­ne­ren Bruchstücken bestehen­de Geschehen auch sein mag – auf Kurs gehal­ten wird der Film von Imogen Poots, die sich mit einer fast schon furcht­ein­flö­ßen­den Unerschrockenheit in ihre Rolle wirft. Ihr Gesicht häu­fig in Großaufnahme ein­ge­fan­gen, gibt sich die Britin ganz der Kamera hin und spielt sich im wahrs­ten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib. Lust, Ausgelassenheit, Ekel, Schmerz, Verzweiflung – jede Emotion lebt die Hauptdarstellerin mit vol­ler Intensität. Nach die­sem Dreh kann sie eigent­lich nur völ­lig aus­ge­pumpt gewe­sen sein! Was mimi­sche Qualität bewir­ken kann, zeigt auch das Beispiel Jim Belushis, der in sei­nen weni­gen Szenen als (real exis­tie­ren­der) Schriftsteller Ken Kesey (unter ande­rem Autor von „Einer flog über das Kuckucksnest“) eine raum­grei­fen­de, in Erinnerung blei­ben­de Figur erschafft. Wer sich mit Kristen Stewarts Kunstanspruch, ihrem unan­ge­pass­ten Stil schwer­tut, kann sich wenigs­tens von die­sen bei­den Performances mit­rei­ßen las­sen. Christopher Diekhaus | programmkino.de

Credits:

US/FR/LV 2025, 128 Min., engl. OmU
Regie: Kristen Stewart
Kamera: Corey C. Waters
Schnitt: Olivia Neergaard-Holm
mit: Imogen Poots, Thora Birch, Susannah Flood, Tom Sturridge, Kim Gordon, Michael Epp, Jim Belushi

Trailer:
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Kategorie: Spezialvorstellung

  • Preview: The Chronology of Water

    Preview: The Chronology of Water

    Ein Film von Kristen Stewart. Am 5.3. im fsk. Preview am 3.2. um 20:30.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Was für ein Debüt! US-Schauspielerin Kristen Stewart, bekannt gewor­den durch die „Twilight“-Blockbuster nach Stephenie Meyer, eman­zi­piert sich mit ihrer ers­ten Regiearbeit end­gül­tig vom Konsenskino Hollywoods. Die Charakterstudie „The Chronology of Water“, eine Verfilmung der gleich­na­mi­gen Memoiren Lidia Yuknavitchs, bewegt sich mit ihrer bruch­stück­haf­ten Erzählweise, ihrer eigen­wil­li­gen Bildsprache und ihrer scho­nungs­los ergrün­de­ten Missbrauchsthematik deut­lich abseits des Mainstreams. Ein furio­ser, manch­mal auch anstren­gen­der Trip, der einen unter Garantie kräf­tig durchschüttelt.

    Sich nicht ver­ein­nah­men und auf bestimm­te Rollen fest­le­gen zu las­sen, das hat Kristen Stewart nach ihrem Erfolg mit der „Twilight“-Saga geschafft. Dass die US-Darstellerin mehr sein woll­te als eine wei­te­re rund um den Globus ver­ehr­te Blockbuster-Ikone, ver­deut­lich­ten schon ihre ers­ten Ausflüge ins euro­päi­sche Autorenkino mit Olivier Assayas‘ Werken „Die Wolken von Sils Maria“ (2014) und „Personal Shopper“ (2016). Anspruchsvolle Rollen und eher unkon­ven­tio­nel­le Projekte spra­chen Stewart auch in der Folgezeit an. Mit Pablo Larraín dreh­te sie das Biopic „Spencer“ (2021) über Prinzessin Diana. Unter der Regie David Cronenbergs ent­stand der Scifi-Bodyhorror-Streifen „Crimes of the Future“ (2022). Und von Rose Glass ließ sich das frü­he­re Teenageridol in der quee­ren, femi­nis­ti­schen Thriller-Romanze „Love Lies Bleeding“ (2024) inszenieren.

    The Chronology of Water“, ihr Debüt als Filmemacherin, wirkt wie der logi­sche nächs­te Schritt in der Entwicklung einer Frau, die mehr und mehr ihre eige­ne Stimme fin­det – was Stewart dann auch sehr stark mit der Geschichte ihrer Protagonistin ver­bin­det. Die Charakterstudie basiert auf den gleich­na­mi­gen Memoiren der frü­he­ren Schwimmerin und heu­ti­gen Schriftstellerin Lidia Yuknavitch, die in jun­gen Jahren von ihrem Vater sexu­ell miss­braucht wur­de und irgend­wann den Drogen und dem Alkohol ver­fiel. Harter Stoff, den die Neuregisseurin ohne Netz und dop­pel­ten Boden in ihr Erstlingswerk überführt.

    Auch wenn sich Stewart in den letz­ten Jahren im Mainstreamkino rar­mach­te, besitzt ihr Name noch immer eine enor­me Strahlkraft. Dennoch scheint es nicht leicht gewe­sen zu sein, ihren ers­ten eige­nen Film auf die Beine zu stel­len. Das las­sen zumin­dest die vie­len im Vorspann genann­ten Produktionsfirmen und damit die breit­ge­fä­cher­te Finanzierung ver­mu­ten. Kein Wunder! Denn „The Chronology of Water“ schil­dert auf radi­ka­le, expe­ri­men­tel­le Weise eine von Gewalt, Zweifeln und Selbstzerstörung gepräg­te Lebensgeschichte.

    Stewarts kom­pro­miss­lo­ser Ansatz zeigt sich schon zu Anfang des in meh­re­re Kapitel unter­teil­ten Dramas. Als Zuschauer sucht man irgend­wie Halt, bemüht sich, dem Gezeigten Sinn zu geben. Aber zunächst stürzt auf uns ein Schwall an Bildern, Tönen, Wort- und Satzfetzen ein. Das grob­kör­ni­ge 16mm-Analogmaterial ver­leiht dem Ganzen sofort einen betont sub­jek­ti­ven Anstrich. Was sich aus den teils in extre­men Nahaufnahmen gefilm­ten Fragmenten mit der Zeit her­aus­le­sen lässt: In ihrem Elternhaus durch­lebt die klei­ne Lidia (Anna Wittowsky) die Hölle. Während ihre Mutter (Susannah Flood) kon­se­quent weg­schaut, hat ihr sexu­ell über­grif­fi­ger Vater (mit furcht­ein­flö­ßen­der Präsenz: Michael Epp) ein auf abso­lu­te Kontrolle aus­ge­rich­te­tes Terrorregime eta­bliert, vor dem Lidias älte­re Schwester Claudia (als Erwachsene von Thora Birch ver­kör­pert) Reißaus nimmt.

    Auch der Protagonistin (im Teenager- und im Erwachsenenalter von Imogen Poots gespielt) gelingt dank eines Schwimmstipendiums irgend­wann der Absprung. Drogen- und Alkoholmissbrauch, Beziehungsfrust und eine Fehlgeburt wer­fen die jun­ge Frau aller­dings immer wie­der aus der Bahn. Ihre Bestimmung und eine Möglichkeit, sich aus­zu­drü­cken, fin­det sie erst in der Literatur. Doch der Weg zur Heilung ist lang, da die Schatten der Vergangenheit nicht so ein­fach ver­schwin­den wollen.

    The Chronology of Water“ erzählt den Werdegang nicht streng chro­no­lo­gisch, son­dern sprung­haft und asso­zia­tiv. Ganz ähn­lich eben, wie die mensch­li­che Erinnerung funk­tio­niert. Geräusche, Personen oder bestimm­te Gegenstände lösen einen Impuls aus, der frü­he­re Eindrücke wie­der hoch­schwemmt und dama­li­ge Gefühle repro­du­ziert. Ständig erklingt über den Bildern die Stimme der Hauptfigur, die mal aus­führ­li­cher, mal kryp­ti­scher Dinge kom­men­tiert. Am schwie­rigs­ten zu fas­sen ist sicher­lich der Einstieg. Im wei­te­ren Verlauf gibt es immer­hin eini­ge Passagen, in denen die Zersplitterung etwas nachlässt.

    So her­aus­for­dernd das aus vie­len grö­ße­ren und klei­ne­ren Bruchstücken bestehen­de Geschehen auch sein mag – auf Kurs gehal­ten wird der Film von Imogen Poots, die sich mit einer fast schon furcht­ein­flö­ßen­den Unerschrockenheit in ihre Rolle wirft. Ihr Gesicht häu­fig in Großaufnahme ein­ge­fan­gen, gibt sich die Britin ganz der Kamera hin und spielt sich im wahrs­ten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib. Lust, Ausgelassenheit, Ekel, Schmerz, Verzweiflung – jede Emotion lebt die Hauptdarstellerin mit vol­ler Intensität. Nach die­sem Dreh kann sie eigent­lich nur völ­lig aus­ge­pumpt gewe­sen sein! Was mimi­sche Qualität bewir­ken kann, zeigt auch das Beispiel Jim Belushis, der in sei­nen weni­gen Szenen als (real exis­tie­ren­der) Schriftsteller Ken Kesey (unter ande­rem Autor von „Einer flog über das Kuckucksnest“) eine raum­grei­fen­de, in Erinnerung blei­ben­de Figur erschafft. Wer sich mit Kristen Stewarts Kunstanspruch, ihrem unan­ge­pass­ten Stil schwer­tut, kann sich wenigs­tens von die­sen bei­den Performances mit­rei­ßen las­sen. Christopher Diekhaus | programmkino.de

    Credits:

    US/FR/LV 2025, 128 Min., engl. OmU
    Regie: Kristen Stewart
    Kamera: Corey C. Waters
    Schnitt: Olivia Neergaard-Holm
    mit: Imogen Poots, Thora Birch, Susannah Flood, Tom Sturridge, Kim Gordon, Michael Epp, Jim Belushi

    Trailer:
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  • filmPOLSKA reloaded – White Courage

    filmPOLSKA reloaded – White Courage

    Am 28.1. um 18:00. Einführung: Bartek Tesarz (Polnisches Institut Berlin)

    [Tickets]

    Zakopane in den Dreißigerjahren, hier leben die Góralen: Im süd­polni­schen Hochgebirge spricht man sei­ne eige­ne Sprache, pflegt sei­ne alpi­nen Traditionen und hält Abstand zu ande­ren – auch zu Polen. Hier fin­den zwei Familien zuein­an­der, die durch stra­te­gi­sche Heirat ihre Situation ver­bes­sern wol­len. Aber wie so oft sind Liebe und Heirat zwei ver­schie­de­ne Dinge – der älte­re, beson­ne­ne Maciek soll die schö­ne Bronka hei­ra­ten, obwohl sie ein Verhältnis mit sei­nem jün­ge­ren, unge­stü­men Bruder Jędrek hat und sogar ein Kind von ihm erwar­tet. Koszałka beschränkt sich nicht auf ein folk­lo­ris­ti­sches Kammerspiel um Liebe und Gehorsam. Vielmehr ent­wi­ckelt er die Geschichte über einen län­ge­ren Zeitraum und ver­leiht ihr damit auch eine poli­ti­sche Dimension. Denn 1939 mar­schiert die deut­sche Wehrmacht in der Hohen Tatra ein und die Góralen müs­sen sich ent­schei­den – kol­la­bo­rie­ren sie und sichern ihren Wohlstand oder blei­ben sie rebel­lisch und ris­kie­ren damit ihr Leben? [Rainer Mende]

    Biała odwa­ga
    PL 2024
    R/K: Marcin Koszałka
    111 min, OmeU
    B: Łukasz M. Maciejewski & Marcin Koszałka
    S: Agnieszka Glińska
    M: Jacek Grudzień
    D: Filip Pławiak, Julian Świeżewski, Jakub Gierszał, Sandra Drzymalska, Wiktoria Gorodeckaja, Andrzej Konopka u. a.

    BIAŁA ODWAGA – Zwiastun PL (Official Trailer)
  • filmPOLSKA reloaded – White Courage

    filmPOLSKA reloaded – White Courage

    Am 28.1. um 18:00. Einführung: Bartek Tesarz (Polnisches Institut Berlin)

    [Tickets]

    Zakopane in den Dreißigerjahren, hier leben die Góralen: Im süd­polni­schen Hochgebirge spricht man sei­ne eige­ne Sprache, pflegt sei­ne alpi­nen Traditionen und hält Abstand zu ande­ren – auch zu Polen. Hier fin­den zwei Familien zuein­an­der, die durch stra­te­gi­sche Heirat ihre Situation ver­bes­sern wol­len. Aber wie so oft sind Liebe und Heirat zwei ver­schie­de­ne Dinge – der älte­re, beson­ne­ne Maciek soll die schö­ne Bronka hei­ra­ten, obwohl sie ein Verhältnis mit sei­nem jün­ge­ren, unge­stü­men Bruder Jędrek hat und sogar ein Kind von ihm erwar­tet. Koszałka beschränkt sich nicht auf ein folk­lo­ris­ti­sches Kammerspiel um Liebe und Gehorsam. Vielmehr ent­wi­ckelt er die Geschichte über einen län­ge­ren Zeitraum und ver­leiht ihr damit auch eine poli­ti­sche Dimension. Denn 1939 mar­schiert die deut­sche Wehrmacht in der Hohen Tatra ein und die Góralen müs­sen sich ent­schei­den – kol­la­bo­rie­ren sie und sichern ihren Wohlstand oder blei­ben sie rebel­lisch und ris­kie­ren damit ihr Leben? [Rainer Mende]

    Biała odwa­ga
    PL 2024
    R/K: Marcin Koszałka
    111 min, OmeU
    B: Łukasz M. Maciejewski & Marcin Koszałka
    S: Agnieszka Glińska
    M: Jacek Grudzień
    D: Filip Pławiak, Julian Świeżewski, Jakub Gierszał, Sandra Drzymalska, Wiktoria Gorodeckaja, Andrzej Konopka u. a.

    BIAŁA ODWAGA – Zwiastun PL (Official Trailer)
  • White Snail – mit Gast

    White Snail – mit Gast

    Ein Film von Elsa Kremser und Levin Peter.
    Am 31.1. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch mit Levin Peter.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Von zwei sehr ver­schie­de­nen Menschen, die der Welt abge­wandt erschei­nen und sich für eine Zeit Halt geben kön­nen, erzählt der ers­te Spielfilm des bis­her auf doku­men­ta­ri­sches spe­zia­li­sier­ten Regieduos Elsa Kremser und Levin Peter. Reine Fiktion ist es den­noch nicht, denn immer­hin spie­len die bei­den eine Version ihrer selbst.
    Mascha geht auf eine Modelschule und hat gute Chancen, danach in China zu arbei­ten. Der eini­ge Jahre älte­re Misha arbei­tet im Leichenschauhaus und ver­ar­bei­tet dies in dras­ti­schen Gemälden. Die im Film ange­leg­te Freundschaft zwi­schen der gra­zi­len, fast durch­schei­nend wir­ken­den jun­gen Frau und dem über und über täto­wier­tem, zurück­ge­zo­gen leben­den Maler ent­wi­ckelt sich, als Mascha nach einem Suizidversuch im Krankenhaus mit dem Tod eines Mitpatienten kon­fron­tiert wird. Fasziniert davon schleicht sie sich in das Leichenschauhaus, und lernt dort Misha ken­nen.
    „Zwei kon­trast­rei­che Welten – bei­de um den Körper und sei­ne Darstellung zen­triert, doch auf zutiefst unter­schied­li­che Weise aus­ge­drückt – brin­gen wir in einem fik­tio­na­len Gefüge gezielt zum Zusammenstoß. Gemeinsam träu­men sie vom Ausbruch, doch ihre Hoffnungen wer­den gefes­selt von Angst und Scham – der Scham, als Künstler unge­se­hen zu blei­ben, der Scham im Kampf mit
    Depressionen. Im Zentrum der Geschichte steht ein grund­le­gen­der Konflikt: die Wahl, sich einem ande­ren zu öff­nen und dadurch Verletzungen zu ris­kie­ren – oder sich zu iso­lie­ren und Einsamkeit und Stillstand zu akzep­tie­ren. …
    Mit White Snail wol­len wir Verbundenheit spür­bar machen – das Gefühl, in unse­ren Kämpfen nicht allein zu sein, und den Mut, unse­re Schwächen nicht zu ver­ber­gen. Wir möch­ten sicht­bar machen, was meist ver­bor­gen bleibt – jen­seits von Nostalgie und ost­eu­ro­päi­schen Klischees. Wir erzäh­len von einem Land, des­sen Stimmen nur noch sel­ten über sei­ne Grenzen hin­aus­drin­gen.“ Regiekommentar
    „Kemser und Peter fol­gen nie den gän­gi­gen Prinzipien und Mustern vie­ler inhalt­lich ähn­lich aus­ge­rich­te­ter Romanzen.… ruhig und gemäch­lich ent­wi­ckelt sich die Verbindung der bei­den Hauptcharaktere in die­sem unkon­ven­tio­nel­len, dring­li­chen Mix aus Drama und Romanze.“ Filmstarts.de 


    Credits:

    DE/AT 2025, 115 Min., Russian, Belarusian, English, Mandarin OmU
    Regie: Elsa Kremser, Levin Peter
    Kamera: Mikhail Khursevich
    Schnitt: Stephan Bechinger
    mit: Marya Imbro, Mikhail Senkov

    Trailer:
    WHITE SNAIL – Offizieller Trailer
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  • Preview: The Chronology of Water

    Preview: The Chronology of Water

    Ein Film von Kristen Stewart. Am 5.3. im fsk. Preview am 3.2. um 20:30.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Was für ein Debüt! US-Schauspielerin Kristen Stewart, bekannt gewor­den durch die „Twilight“-Blockbuster nach Stephenie Meyer, eman­zi­piert sich mit ihrer ers­ten Regiearbeit end­gül­tig vom Konsenskino Hollywoods. Die Charakterstudie „The Chronology of Water“, eine Verfilmung der gleich­na­mi­gen Memoiren Lidia Yuknavitchs, bewegt sich mit ihrer bruch­stück­haf­ten Erzählweise, ihrer eigen­wil­li­gen Bildsprache und ihrer scho­nungs­los ergrün­de­ten Missbrauchsthematik deut­lich abseits des Mainstreams. Ein furio­ser, manch­mal auch anstren­gen­der Trip, der einen unter Garantie kräf­tig durchschüttelt.

    Sich nicht ver­ein­nah­men und auf bestimm­te Rollen fest­le­gen zu las­sen, das hat Kristen Stewart nach ihrem Erfolg mit der „Twilight“-Saga geschafft. Dass die US-Darstellerin mehr sein woll­te als eine wei­te­re rund um den Globus ver­ehr­te Blockbuster-Ikone, ver­deut­lich­ten schon ihre ers­ten Ausflüge ins euro­päi­sche Autorenkino mit Olivier Assayas‘ Werken „Die Wolken von Sils Maria“ (2014) und „Personal Shopper“ (2016). Anspruchsvolle Rollen und eher unkon­ven­tio­nel­le Projekte spra­chen Stewart auch in der Folgezeit an. Mit Pablo Larraín dreh­te sie das Biopic „Spencer“ (2021) über Prinzessin Diana. Unter der Regie David Cronenbergs ent­stand der Scifi-Bodyhorror-Streifen „Crimes of the Future“ (2022). Und von Rose Glass ließ sich das frü­he­re Teenageridol in der quee­ren, femi­nis­ti­schen Thriller-Romanze „Love Lies Bleeding“ (2024) inszenieren.

    The Chronology of Water“, ihr Debüt als Filmemacherin, wirkt wie der logi­sche nächs­te Schritt in der Entwicklung einer Frau, die mehr und mehr ihre eige­ne Stimme fin­det – was Stewart dann auch sehr stark mit der Geschichte ihrer Protagonistin ver­bin­det. Die Charakterstudie basiert auf den gleich­na­mi­gen Memoiren der frü­he­ren Schwimmerin und heu­ti­gen Schriftstellerin Lidia Yuknavitch, die in jun­gen Jahren von ihrem Vater sexu­ell miss­braucht wur­de und irgend­wann den Drogen und dem Alkohol ver­fiel. Harter Stoff, den die Neuregisseurin ohne Netz und dop­pel­ten Boden in ihr Erstlingswerk überführt.

    Auch wenn sich Stewart in den letz­ten Jahren im Mainstreamkino rar­mach­te, besitzt ihr Name noch immer eine enor­me Strahlkraft. Dennoch scheint es nicht leicht gewe­sen zu sein, ihren ers­ten eige­nen Film auf die Beine zu stel­len. Das las­sen zumin­dest die vie­len im Vorspann genann­ten Produktionsfirmen und damit die breit­ge­fä­cher­te Finanzierung ver­mu­ten. Kein Wunder! Denn „The Chronology of Water“ schil­dert auf radi­ka­le, expe­ri­men­tel­le Weise eine von Gewalt, Zweifeln und Selbstzerstörung gepräg­te Lebensgeschichte.

    Stewarts kom­pro­miss­lo­ser Ansatz zeigt sich schon zu Anfang des in meh­re­re Kapitel unter­teil­ten Dramas. Als Zuschauer sucht man irgend­wie Halt, bemüht sich, dem Gezeigten Sinn zu geben. Aber zunächst stürzt auf uns ein Schwall an Bildern, Tönen, Wort- und Satzfetzen ein. Das grob­kör­ni­ge 16mm-Analogmaterial ver­leiht dem Ganzen sofort einen betont sub­jek­ti­ven Anstrich. Was sich aus den teils in extre­men Nahaufnahmen gefilm­ten Fragmenten mit der Zeit her­aus­le­sen lässt: In ihrem Elternhaus durch­lebt die klei­ne Lidia (Anna Wittowsky) die Hölle. Während ihre Mutter (Susannah Flood) kon­se­quent weg­schaut, hat ihr sexu­ell über­grif­fi­ger Vater (mit furcht­ein­flö­ßen­der Präsenz: Michael Epp) ein auf abso­lu­te Kontrolle aus­ge­rich­te­tes Terrorregime eta­bliert, vor dem Lidias älte­re Schwester Claudia (als Erwachsene von Thora Birch ver­kör­pert) Reißaus nimmt.

    Auch der Protagonistin (im Teenager- und im Erwachsenenalter von Imogen Poots gespielt) gelingt dank eines Schwimmstipendiums irgend­wann der Absprung. Drogen- und Alkoholmissbrauch, Beziehungsfrust und eine Fehlgeburt wer­fen die jun­ge Frau aller­dings immer wie­der aus der Bahn. Ihre Bestimmung und eine Möglichkeit, sich aus­zu­drü­cken, fin­det sie erst in der Literatur. Doch der Weg zur Heilung ist lang, da die Schatten der Vergangenheit nicht so ein­fach ver­schwin­den wollen.

    The Chronology of Water“ erzählt den Werdegang nicht streng chro­no­lo­gisch, son­dern sprung­haft und asso­zia­tiv. Ganz ähn­lich eben, wie die mensch­li­che Erinnerung funk­tio­niert. Geräusche, Personen oder bestimm­te Gegenstände lösen einen Impuls aus, der frü­he­re Eindrücke wie­der hoch­schwemmt und dama­li­ge Gefühle repro­du­ziert. Ständig erklingt über den Bildern die Stimme der Hauptfigur, die mal aus­führ­li­cher, mal kryp­ti­scher Dinge kom­men­tiert. Am schwie­rigs­ten zu fas­sen ist sicher­lich der Einstieg. Im wei­te­ren Verlauf gibt es immer­hin eini­ge Passagen, in denen die Zersplitterung etwas nachlässt.

    So her­aus­for­dernd das aus vie­len grö­ße­ren und klei­ne­ren Bruchstücken bestehen­de Geschehen auch sein mag – auf Kurs gehal­ten wird der Film von Imogen Poots, die sich mit einer fast schon furcht­ein­flö­ßen­den Unerschrockenheit in ihre Rolle wirft. Ihr Gesicht häu­fig in Großaufnahme ein­ge­fan­gen, gibt sich die Britin ganz der Kamera hin und spielt sich im wahrs­ten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib. Lust, Ausgelassenheit, Ekel, Schmerz, Verzweiflung – jede Emotion lebt die Hauptdarstellerin mit vol­ler Intensität. Nach die­sem Dreh kann sie eigent­lich nur völ­lig aus­ge­pumpt gewe­sen sein! Was mimi­sche Qualität bewir­ken kann, zeigt auch das Beispiel Jim Belushis, der in sei­nen weni­gen Szenen als (real exis­tie­ren­der) Schriftsteller Ken Kesey (unter ande­rem Autor von „Einer flog über das Kuckucksnest“) eine raum­grei­fen­de, in Erinnerung blei­ben­de Figur erschafft. Wer sich mit Kristen Stewarts Kunstanspruch, ihrem unan­ge­pass­ten Stil schwer­tut, kann sich wenigs­tens von die­sen bei­den Performances mit­rei­ßen las­sen. Christopher Diekhaus | programmkino.de

    Credits:

    US/FR/LV 2025, 128 Min., engl. OmU
    Regie: Kristen Stewart
    Kamera: Corey C. Waters
    Schnitt: Olivia Neergaard-Holm
    mit: Imogen Poots, Thora Birch, Susannah Flood, Tom Sturridge, Kim Gordon, Michael Epp, Jim Belushi

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  • Ungeduld Des Herzens – mit Gast

    Issac, Bundeswehrsoldat, genießt den Ausgang auf der Bowlingbahn. Ein betrun­ke­ner Versuch, bei Ilona zu lan­den, endet in einer fol­gen­rei­chen Episode: Als er ihre Schwester Edith zum Bowlen auf­for­dert, sackt die­se zu Boden und er stellt fest, dass Edith gelähmt ist. Es folgt ein Handgemenge mit ande­ren Gästen. Beschämt beschließt Isaac, am nächs­ten Tag das Bild, das die bei­den Schwestern von ihm gewon­nen haben, zu kor­ri­gie­ren. Zwischen ihm und Edith ent­wi­ckelt sich eine uner­war­te­te Fr…

  • Preview: Souleymans Geschichte

    Souleyman stammt aus Guinea und ver­sucht in Frankreich einen Asylantrag zu stel­len. Da er kei­nen Pass hat, braucht er drin­gend Geld, um an Papiere zu kom­men. Dafür schlägt er sich unter haar­sträu­ben­den Bedingungen als Fahrradkurier für einen Food Delivery Service in Paris durch. Es blei­ben ihm nur noch 48h bis zum Termin beim Amt für Migration.…

  • filmPOLSKA reloaded – Flowers Of Ukraine

    filmPOLSKA reloaded – Flowers Of Ukraine

    Kwiaty Ukrainy / Flowers Of Ukraine
    am 25.2. 18:00 im fsk

    [Tickets]

    UKR/PL 2024
    R: Adelina Borets
    70 min, OmeU
    K: Bohdan Rozumnyi & Bogdan Borysenko
    S: Agata Cierniak & Mateusz Wojtyński
    M: DakhaBrakha

    Inmitten von rie­si­gen Beton-Wohnblöcken hat sich die 67-jäh­ri­ge Natalia ein grü­nes Refugium geschaf­fen. Der etwas strup­pi­ge, gelieb­te und gepfleg­te Garten ist nicht nur Nutzfläche, son­dern auch Rückzugsgebiet, Energietankstelle und Ort der Begegnung. Aber auch in Kyiw wird jedes freie Fleckchen bebaut und die Bauunternehmer haben die­ses Filetstück schon lan­ge für ihre Baupläne im Auge. Als sie Bagger anrol­len las­sen, gibt sich das Energiebündel Natalia nicht geschla­gen. Die agi­le Rentnerin orga­ni­siert den Widerstand und kann das kol­lek­ti­ve klei­ne Paradies ret­ten – vorerst.

    Doch bald gibt es Wichtigeres als Unkrautjäten und Gemüseernte. Im März 2022 befin­det sich der Garten plötz­lich im Kriegsgebiet und Natalia muss neue Schwierigkeiten bewäl­ti­gen. Statt zwi­schen Stauden und Bäumen sitzt sie nun immer wie­der im Bunker, Verwandte und Freunde ver­las­sen das Land. Aber mit einer gehö­ri­gen Portion Galgenhumor, Erfindungsgeist und jeder Menge Lebensfreude meis­tert Natalia auch die­se Herausforderung – denn wie die Ukraine ist sie stolz, zäh, ideen­reich und soll­te nie unter­schätzt werden.

    Adelina Borets ist ein stim­mi­ges, warm­her­zi­ges Sozialporträt gelun­gen, das trotz sei­nes erns­ten Themas durch eine hin­rei­ßen­de Protagonistin zum Feel-Good-Movie wird. [Rainer Mende]

     

     

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    Flowers of Ukraine 2024 | Documentary Trailer