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Until I lose my breath

Ein Film von Emine Emel Balcı, Ab 16.6. im fsk.

Mit ihrem Vater, dem stän­dig abwe­sen­den Fernfahrer, gemein­sam in einer Wohnung leben; nicht mehr län­ger vom Schwager, bei dem sie unter­ge­kom­men ist, als Schmarotzerin geschol­ten wer­den. Seraps fami­liä­re Verhältnisse sind pre­kär, auch an Geld man­gelt es. Mit eiser­nem Willen aber hält die jun­ge Frau, star­ke Protagonistin die­ses star­ken Debüts, an ihrem Wunsch nach Geborgenheit fest. Sie schuf­tet in der Textilfabrik, sie hetzt sich ab, sie gönnt sich nichts. Dabei wirkt ihr ein­sa­mer Kampf um ihren Platz in der Welt nicht trost­los, er zeugt nur von der Wirklichkeit und davon, wie wirt­schaft­li­che Zwänge Menschen korrumpieren.

Die Themen, mit denen ich ver­traut bin und über die zu spre­chen mir am wich­tigs­ten ist, betref­fen Frauen. In einer Gesellschaft wie der tür­ki­schen, in der das Patriarchat vie­le Lebensbereiche prägt, ist es unver­meid­lich, dass Frauen über­se­hen, igno­riert und vom System unter­drückt wer­den. Dieser Eindruck bestä­tigt sich, wenn man nur die Beziehungen zwi­schen den Einzelnen betrach­tet. Ich emp­fin­de die­se Situation als sehr hoff­nungs­los und ver­su­che des­halb, Geschichten über Themen zu ent­wi­ckeln, die mit dem Leben von Frauen zu tun haben. (…)

Ich habe ver­sucht her­aus­zu­fin­den, woher Seraps Einsamkeit kommt. Ich bin dabei auf eine Gesellschaft gesto­ßen, in der Frauen wie Serap sich jeden Morgen in dem dunk­len und sti­cki­gen Laderaum eines Transporters wie­der­fin­den. Anhand von Seraps Geschichte
möch­te ich zei­gen, wie sehr uns die Konzepte von Geschlecht und Familie, die bis­her als hei­lig gal­ten, fremd gewor­den sind.” (Emine Emel Balcı)

OT: Nefesim kesi­le­ne kadar
Tr/D 2015, 94 Min., tür­ki­sche OmU
Regie  & Buch: Emine Emel Balcı. 
Kamera: Murat Tunçel
Schnitt: Dora Vajda. 
Darsteller:
Esme Madra (Serap), Rıza Akın (Vater), Sema 
Keçik (Sultan), Gizem Denizci (Dilber), Ece Yüksel (Funda),
Uğur Uzunel (Yusuf), Yavuz Pekman (Schwager), Pinar Gök 
(Schwester), Yavuz Özata (Ibrahim)

Premiere: Berlinale 2015 – Int. Forum (Forumsblatt mit Interview)

 

 

Zen for Nothing

Ein Film von Werner Penzel. Ab 2.6. im Kino.

Werner Penzel und Fred Frith – wir erin­nern uns, da gab es „Step across the Border“ -
in impro­vi­sier­ten Bildern und musi­ka­li­scher Improvisation ver­ei­nen sich Rhythmus, Bilderlust und Lebensfreude zu einem Film über den Augenblick, und auch beim fol­gen­den Filmgedicht übers Nomadentum “Middle of the Moment“ taten sie sich zusam­men. Jetzt also Zen in einem japa­ni­schen Kloster, in das es die Schauspielerin Sabine Timoteo für ein Jahr zieht. Das Kloster Antai-ji ist – anders als vie­le Zen-Klöster – für Männer und Frauen offen. Die Selbstversorgung ist wich­tig und die täg­li­che Arbeit dafür, sowie die Zazen-Sitzmeditation. Der Zen-Meister Kodo Sawaki (1880–1965) war prä­gend für das Leben dort. Er war es auch, der das Buch „Zen ist die größ­te Lüge aller Zeiten“ (2005) schrieb, wozu der Regisseur sagt: „Warum Zen die größ­te Lüge aller Zeiten ist? Woher soll ich das wis­sen. Vielleicht mein­te Sawaki damit, dass wir uns nicht an Worten fest­klam­mern sol­len. Das Wort Zen ist mit so vie­len Bedeutungen auf­ge­la­den. Aber das sind alles Zuschreibungen. Zen wird zur Lüge, wenn wir eine Menge illu­so­ri­scher Bedeutungen hin­ein­pro­ji­zie­ren. Zen ist ledig­lich die Praxis, vor einer Wand zu sit­zen und den Mund zu halten.”

Also, Sabine Timoteo (In den Tag hin­ein, Gespenster) geht dort­hin, und wir erfah­ren nicht, war­um. Aber Penzel beob­ach­tet sie und alle drum­her­um eine län­ge­re Zeit. Ein wun­der­schö­ner, beru­hi­gen­der Film, in dem wir aller­dings kei­ne Einführung in eine spe­zi­el­le Art des Zen-Buddhismus bekom­men, son­dern nur beob­ach­ten und ein wenig ein­bli­cken dürfen.

D/CH 2015, 100 Min.
Deutsch + Engl., Jap., mit dt. Untertiteln
Regie undKamera: Werner Penzel
Buch: Werner Penzel in Zusammenarbeit mit Ayako Mogi u. Sabine Timoteo
Musik: Fred Frith
mit Sabine Timoteo, Muho Nölke und der Sangha Gemeinschaft des Anataiji Zen-Kloster

 

 

 

Mein Praktikum in Kanada

Ein Film von  Philippe Falardeau. Ab 26.5. im fsk.

Kanada ist groß. Sehr, sehr groß. Das ist eines der ers­ten Dinge, die Souverain Pascal als Assistent des Abgeordneten Steve Guibord erfährt. Nur mit einem Koffer in der Hand, aber mit einem schier unend­li­chem Vorrat an Jean-Jacques-Rousseau-Zitaten im Kopf, ist er aus Haiti gekom­men, um in Kanada aus nächs­ter Nähe zu beob­ach­ten, wie Demokratie gemacht wird. Unglücklich ist nur, dass Guibord sel­ber gera­de nicht weiß, was er machen soll. Sein Büro ist im Obergeschoss eines Lingerieladens und sein Wahlkreis ist das abge­le­ge­ne Prescott-Makadewà-Rapides-aux-Outardes. Und da Guibord unter Flugangst lei­det, muss er stän­dig mit dem Auto Strecken fah­ren, die sich so lang hin­zie­hen wie der Name der Region. Am liebs­ten wür­de der par­tei­lo­se Abgeordnete es eigent­lich allen Recht machen: Der Forst- und Minenindustrie der Region eben­so wie den Ureinwohnern, die gegen die Ausbeutung ihrer Wälder pro­tes­tie­ren und dabei auch mal den Verkehr auf der Hauptverkehrsstraße blo­ckie­ren, sei­ner Frau eben­so wie sei­ner Tochter, die vor ihrem Vater zuneh­mend in Rauschmittel und am liebs­ten auf ein  Auslandssemester nach Dänemark flie­hen wür­de.  Man könn­te auch sagen, dass Guibord eigent­lich ver­sucht, gar kei­ne Entscheidung zu tref­fen. Er ist ein volks­na­her Politiker und obwohl sein Wahlkreis so rie­sig ist, kennt er die Wortführer aller Gruppen und die ört­li­che Journalistin beim Vornamen, kommt gut mit ihnen aus und möch­te es sich mit nie­man­dem verscherzen.
Dass das nicht geht, sagt schon der über­setz­te Originaltitel „Guibord zieht in den Krieg“. Eine Abstimmung über einen kana­di­schen Militäreinsatz in Fernost steht an und Guibords Stimme ist plötz­lich die ent­schei­den­de. Was also tun, wenn man sich vor Entscheidungen drückt und die ver­schie­de­nen Gruppen in Region und Familie den Abgeordneten von allen Seiten unter Beschuss neh­men, um ihn in ihre Richtung zu beeinflussen?
Der Zuschauer blickt mit den Augen des idea­lis­ti­schen Souverain auf das absur­de Geschehen, z.B. wenn er sei­ner Familie per Skype daheim die kana­di­sche Politik erklärt und dabei sei­ne Zuhörerschar mit jedem Anruf wächst, bis Haiti sich als poli­ti­sche Entscheidungsstätte sieht. (Programmkino.de)

Guibord s’en va-t-en guerre
D/Kanada 2015, 108 Min., engl./frz. OmU 
Buch & Regie: Philippe Falardeau 
Kamera: Ronald Plante 
Schnitt: Richard Comeau 
Musik: Martin Léon 
mit: Suzanne Clément, Patrick Huard,  Irdens Exantus,  Ellen David

auch von Philippe Falardeau: Monsieur Lazhar

My Internship In Canada Official Trailer
Kino mit deut­schen Untertiteln.

Die Prüfung

Ein Film von Till Harms. Ab 19.5. im fsk, am 25.5. mit anschl. Filmgespräch

Willkür, Glück, Können, Talent, Erscheinung: was ist ent­schei­dend, um bei einer Aufnahmeprüfung einen der begehr­ten Studienplätze zu bekom­men?  Schauspielschule Hannover: 687 jun­ge Menschen ver­su­chen, die Aufnahmeprüfung zu bestehen und einen der 10 Studienplätze zu erlan­gen, eine 9‑er Kommission, bestehend aus Lehrenden der Schule, muss in 10 Tagen die geeig­nets­ten Anwärter/innen her­aus­fil­tern. Eine Mammutaufgabe für alle Beteiligten, rich­tig span­nend für uns beim Zuschauen.
So reiz­voll es immer wie­der ist, den Prüflingen bei der Darbietung ihrer vor­be­rei­te­ten Rollen, den gefor­der­ten Verwandlungen und Interpretationen zu fol­gen – der Fokus die­ses Films liegt jedoch unge­wöhn­li­cher­wei­se bei der Auswahlkommission. Es macht Freude zu sehen, wie erwar­tungs­voll und empa­thisch die­se Arbeit ange­gan­gen wird. Aber – letzt­end­lich müs­sen sie 677 Ablehnungen aus­spre­chen, da ist der Druck groß. Was sind ihre Kriterien? Wie kann man ver­glei­chen, kann man über­haupt? Wir sehen die Diskussionen – natür­lich gibt es per­sön­li­che  Lieblingskandidaten, um die lei­den­schaft­lich gekämpft wird („ist halt ein super-Typ“), unter­schied­li­che Ansätze, natür­lich gibt es eine Gruppendynamik, die das Urteil Einzelner begüns­tigt. Aber stets wird ver­sucht, den Vortragenden objek­tiv gerecht zu wer­den, auch wenn sich dies­mal nach und nach Enttäuschung breit­macht ange­sichts der dies­jäh­ri­gen Bewerber. Manch eine fragt sich schon, ob man wohl unlös­ba­re Aufgeben stellt, wäh­rend wir nach und nach sen­si­bel wer­den für ver­schie­de­ne Verhaltens- und Herangehensweisen.

Till Harms‘‚ Fokus auf die „Entscheider“ in die­sem har­ten Kampf um die weni­gen Plätze ist erfri­schend, span­nend und inno­va­tiv.“ Lars Fleischmann, intro

D 2016,  94 Min., dt. OmeU.,
Regie & Buch: Till Harms,
Kamera: Börres Weissfenbach, Anne Misselwitz, Istvan Imreh,
Schnitt: Sybille Eckhardt

Nordlichter

Nordlicher – das sind fünf Filme aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden, alle in der jewei­li­gen Originalsprache mit deut­schen Untertiteln.
2016 wer­den die Nordlichter bevöl­kert von komi­schen Kauzen, fan­tas­ti­schen Vorhaben, skur­ri­len Szenarien und Leuten, die vor­sätz­lich fal­sche Richtungen einschlagen.

Bear Island / Die Bäreninseln lie­gen im Nordpolarmeer. Dort kann man tota­le Einsamkeit mit Extremsport kom­bi­nie­ren, wie die Brüder Wegge im nor­we­gi­schen Beitrag zei­gen: 3 Jahre Vorbereitung und los, zum Snowboarden, Gleitschirmfliegen und natür­lich sur­fen, Geschwister-Stresstest inklusive.
Dokumentarfilm, Norwegen 2014, 82 Min., nor­weg. OF, dt. UT
Regie: Inge Wegge
Drehbuch: Inge Wegge

Wortkarg, nord2anar­chis­tisch, bizarr: das schwarz-wei­ße Roadmovie Der Müllhubschrauber aus SCHWEDEN, wo sub­til man­ches über den Umgang mit Minderheiten ver­ra­ten wird.
Schweden 2015, 100 Min., schwe­di­sche Originalfassung (teil­wei­se roma­ni) mit deut­schen Untertiteln
Regie: Jonas Selberg Augustsén
Drehbuch: Jonas Selberg Augustsén
Darsteller: Christopher Burjanski (Baki), Daniel Szoppe (Saska), Jessica Szoppe (Enesa), Singoalla Millon (Sirpa)


Im tinord5efen Lappland tref­fen sich zufäl­lig Toivo und Ismo, zwei ganz unter­schied­li­che Männer, die aber bei­de die­sel­be Frau lieben.
In aller Liebe
ver­eint die Eigenschaften einer abgrün­di­gen fin­ni­schen Komödie.
Finnland/Norwegen 2013, 96 Min., fin­nisch (teilw. nor­we­gi­sche) Originalfassung mit deut­schen Untertiteln
Regie: Matti Ijäs
Drehbuch: Heikki Vuento, Auli Mantila, Matti Ijäs, J‑P Passi
Darsteller: Krista Kosonen (Ansa), Sampo Sarkola (Toivo Vaarala), Tommi Korpela (Ismo Raate), Hannu-Pekka Björkman (Martti Raate)

nord3Itsi Bitsi erzählt von der ers­ten Rockband Dänemarks und von frei­er Liebe. Bei den Protesten gegen das Wettrüsten ist Eik von der unge­bun­de­nen Iben so fas­zi­niert, dass er ihr ohne Erfolg um die hal­be Welt folgt. Zuletzt ver­sucht er, sie mit der Gründung von Steppeulvene zu beein­dru­cken, einer Band, die in Dänemark inzwi­schen Legendenstatus genießt.
Dänemark/Kroatien/Schweden 2014, 107 min, däni­sche Originalfassung mit deut­schen Untertiteln
Regie: Ole Christian Madsen
Buch: Bo Hr. Hansen, Ole Christian Madsen
Darsteller: Joachim Fjelstrup (Eik Skaløe), Marie Tourell Søderberg (Iben Nagel Rasmussen), Christian Gade Bjerrum (Christian), Johannes Nymark (Henrik), Ola Rapace (Vincent), Julia Ragnarsson (Majbritt)

nord4Bakk / Rückwärts um den Ring fah­ren – Gísli und Viðar wol­len dabei nicht nur kari­ta­tiv Geld sam­meln, son­dern suchen auch Herausforderung. Mit der Tramperin Blaer ist die Komödienbesetzung kom­plett. Die sehens­wer­te Landschaft Islands zieht der­weil – dank Rückwärtsgang in aller Ruhe – vorbei.
Island 2015, 98 min, islän­di­sches Original m. dt. Untertiteln
Regie: Davíd Óskar Ólafsson, Gunnar Hansson
Drehbuch: Gunnar Hansson
Darsteller:  Ólafur Darri Ólafsson, Ágústa Eva Erlendsdóttir, Jóhannes Haukur Jóhannesson

 

Termine: (immer 18:00)
Do., 12.5.    In aller Liebe OmU
Fr., 13.5.    Bear Island  OmU
Sa., 14.5.    Itsi Bitsi OmU
So., 15.5.    Bakk – Rückwärts  OmU
Mo., 16.5.    Der Müllhubschrauber  OmU
Di., 17.5.    In aller Liebe OmU
Mi., 18.5.    Bakk – Rückwärts  OmU

Do., 19.5.  20:00 Uhr: Bear Island OmU  22:00 Uhr: Itsi Bitsi OmU
Fr., 20.5.  20:00 Uhr: Der Müllhubschrauber OmU  22:15: Itsi Bitsi OmU
Sa., 21.5.  22:15: Itsi Bitsi OmU

The Whispering Star

Ein Film von Sion Sono. Ab 26.5. im fsk.

In einer fer­nen Zukunft lebt Androide ID 722 Yoko Suzuki als Botin und reist von Stern zu Stern auf ihrem Retro-Raumschiff (total süß, sieht aus wie ein altes japa­ni­sches Haus mit Düsenantrieb)  und ver­bringt Tag für Tag im sel­ben Trott und braucht oft Jahre um auch nur ein ein­zel­nes ihrer Pakete zu überbringen.

Dieser Film ist ein klei­nes Gedicht, das ich über das Verblassen von Erinnerungen geschrie­ben habe. Ein Gebet für die Menschen auf der Erde, deren Leben täg­lich unter Bedrohung ste­hen. Ich ließ den Film in einer weit ent­fern­ten Zukunft spie­len, in der nach Kriegen, Naturkatastrophen und Unglücken aus Menschenhand, nur noch weni­ge Menschen übrig geblie­ben sind. Roboter mit künst­li­cher Intelligenz domi­nie­ren das Universum, da ihre Zahl mit dem Niedergang der mensch­li­chen Rasse gestie­gen ist. Menschen füh­ren ein insel­ar­ti­ges Leben in klei­nen Siedlungen, die über das gan­ze Universum ver­streut lie­gen. Einige von ihnen lan­de­ten in ihren gegen­wär­ti­gen Siedlungen, nach­dem sie aus ihrem Heimatland eva­ku­iert wur­den oder sie ihr Heim ver­lo­ren hat­ten. Alles was ihnen geblie­ben ist sind ihre Erinnerungen. Ein Paketdienst von Robotern ver­pflegt die Melancholie der Menschen, indem er sie mit Erinnerungsstücken belie­fert. Die Hauptfigur Yoko ist eine die­ser alters­lo­sen Kuriere, die von Stern zu Stern rei­sen, um Pakete an Menschen zu lie­fert. In einem Paket befin­det sich eine Fotografie, in einem ande­ren Paket sind Milchzähne, wäh­rend ein wie­der ande­res ein selt­sa­mes, hand­ge­zeich­ne­tes Porträt beinhal­tet… Die Bedeutung und der Zweck die­ser Objekte blei­ben dem Roboter ver­bor­gen, den­noch erfüllt Yoko ihre Aufgabe, ohne sie zu hin­ter­fra­gen, selbst wenn es Jahre dau­ert eine Fotografie zuzu­stel­len und Jahre, die ande­ren Pakete aus­zu­lie­fern.” Sion Sono

Nach vie­len eher tur­bu­len­ten Filmen wie Tokyo Tribe oder Love Exposure erin­nert The Whispering Star nun wie­der an sei­nen frü­hen megar­u­hi­gen Film Heya – The Room.

The Whispering Star ist eine ver­spiel­te und lus­ti­ge exis­ten­tia­lis­ti­sche Science-Fiction Fabel, gela­den mit unmög­li­chen Begegnungen. Eine inter­ga­lak­ti­sche Reise auf der Suche nach Menschlichkeit, die Poesie weit, weit weg fin­det, inmit­ten der Sterne.”
Festival du Nouveau Cinéma

OT: Hiso hiso boshi
Japan 2015, 101 Min., japan. OmU
Regie & Buch: Sion Sono 
Kamera: Hideo Yamamoto 
Schnitt: Junichi Ito 
mit: Megumi Kagurazaka, Kenji Endo, Yuto Ikeda, Kouko Mori

The Whispering Star (Trailer, deutsch unter­ti­telt) from Rapid Eye Movies on Vimeo.

Happy Hour

Ein Film von Franz Müller. ab 12.5. im fsk. Am 15.5. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch.

HC ist am Boden zer­stört, sei­ne Frau hat ihn ver­las­sen, das Familienglück ist vor­bei. Was bleibt, sind die bei­den Jugendfreunde Wolfgang und Nic. Die den­ken, es täte HC ganz gut, wenn er Abstand bekä­me, und fah­ren mit ihm kur­zer­hand in den Urlaub, nach Irland, ins Ferienhäuschen von Wolfgang.

Dort zeigt sich schnell, dass sich die Küchenpsychologie der bei­den Freunde nicht auf HC anwen­den lässt. Die Vorstellungen davon, was rich­tig und was falsch ist, gehen viel zu weit aus­ein­an­der – ob es sich um die Liebe oder die Hausregeln in Wolfgangs Cottage dreht. Genervt geht jeder bald sei­ne eige­nen Wege, ist ja schließ­lich auch jeder­manns Urlaub, der genos­sen wer­den will.

Franz Müller macht das ger­ne: Seine Figuren wie sei­ne Schauspieler in eine her­aus­for­dern­de Situation ste­cken, wo dann aus der Improvisation, aus der Dynamik des Zusammenseins, aus dem Mit- und Gegeneinander der Film wird. (…) Eine Komödie, die sozu­sa­gen den Gegenpol der Matthias-Schweighöfer-Späße ist, die sich ja eben­falls mit den Fragen des Mannes im Zusammenhang mit dem Prinzip Frau aus­ein­an­der­set­zen: Müller setzt nicht auf den Gag, son­dern auf die Charaktere, er setzt nicht auf die Konzeption von Situationen, son­dern lässt das Geschehen sich erge­ben …” (Harald Mühlbeyer, kino-zeit.de)

Filmfest München: Gewinner Förderpreis Neues Deutsches Kino, Beste Produktion


D 2015, 95 Min.

Regie: Franz Müller
Kamera: Bernhard Keller
Schnitt: Gesa Jäger
Mit: Simon Licht, Mehdi Nebbou, Alexander Hörbe

HAPPY HOUR – Offizieller Trailer

Queen of Earth

Ein Film von Alex Ross-Perry. Ab 5.5. im fsk.

Kurz bevor wir mit dem Debut Petting Zoo unse­ren ver­lei­h­ei­ge­nen US-ame­ri­ka­ni­schen Independentfilm ins Rennen schi­cken, berei­ten wir ihm mit einem im Vergleich „Alten Hasen“ schon mal den Weg:
„Ross Perry gilt als neu­er Shooting-Star des unab­hän­gin­gen US-Kinos. Im Gegensatz zu sei­nen eher dia­log­las­ti­gen Komödien The color wheel und Listen up Phillip, die auf schwar­zen Humor setz­ten, beweist Perry mit Queen of earth, dass er auch ein visu­el­ler Erzähler ist. Der Film han­delt von zwei unglei­chen Freundinnen in unter­schied­li­chen Lebenssituationen, die nach Jahren ohne enge­ren Kontakt ein gemein­sa­mes Wochenende in einem Landhaus ver­brin­gen. Der ein­sa­me See, ver­dräng­te Konflikte zwi­schen den Frauen und das unschar­fe Sommerlicht im Wald erzeu­gen eine laten­te Atmosphäre der Verstörung, der kei­ne auf­dring­li­chen psy­cho­lo­gi­schen Erklärungsmuster ent­ge­gen­wir­ken. Queen of earth bleibt bis zum Schluss opak und rät­sel­haft. Kameramann Sean Price Williams fängt die Hauptdarstellerinnen Elisabeth Moss und Katherine Waterston in traum­haft som­nam­bu­len, fast unwirk­li­chen Bildern ein, die gele­gent­lich an Robert Altmans Meisterwerk Drei Frauen erin­nern. …” Andreas Busche, epd Film
„Es geht in die­sem Film um Privatsphäre. Ich habe fest­ge­stellt, dass man­che Menschen in einem gera­de­zu hoff­nungs­lo­sen Ausmaß unfä­hig dazu sind, ande­ren ihren Raum zu las­sen. Queen of earth han­delt von der Reaktion einer Frau auf die Weigerung der Welt, sie in Ruhe zu las­sen. Unehrlichkeit, Grausamkeit und Neugierde sind ein und das­sel­be. Die stän­di­ge Freude, die Menschen dar­an fin­den, Dinge über jeden außer sich selbst zu erfah­ren, wirkt auf mich wie eine Krankheit der Gesellschaft. Der Film zeigt eine Figur, die all­mäh­lich immun gegen die­se Krankheit wird, weil sie immer wei­ter in ihre per­sön­li­che Tragödie abgleitet.”
Alex Ross Perry

USA 2015 90 Min. engl. OmU

Regie & Buch: Alex Ross Perry

Kamera: Sean Price Williams

Schnitt: Robert Greene

Musik: Keegan DeWitt

mit Elisabeth Moss, Katherine Waterston, Patrick Fugit, Kentucker Audley u.A.

Queen of Earth Official Trailer 1 (2015) – Elisabeth Moss, Katherine Waterston Movie HD

im Kino mit deut­schen Untertiteln.

New Romanian Cinema: Self-Portrait Of A Dutiful Daughter

New Romanian Films ist eine Reihe von Filmvorführungen, die ein Treffen zwi­schen rumä­ni­schen Regisseuren und dem deut­schen Publikum ermöglichen.

Self-Portrait Of A Dutiful Daughter erzählt die Geschichte von Cristiana, eine drei­ßig­jäh­ri­ge Frau von „guter Familie”. Sie ver­bringt ihre Zeit zwi­schen ihrer Doktorarbeit in Erdbebentechnik, den Gesprächen mit zwei engen Freunden, Alex und Michelle, und den sel­te­nen, aber viel erwar­te­ten Treffen mit einem ver­hei­ra­te­ten Mann. Nachdem die Eltern umzie­hen, bleibt Cristiana allein in einer Bukarester Wohnung und ent­schei­det sich, ihren Kindheitswunsch zu erfül­len und einen Hund zu halten.

OT:  Autoportretul unei fete cuminţi, Rumänien 2015, 81 Min., rum. OmU,
Regie: Ana Lungu,
mit: Emilian Oprea, Elena Popa, Andrei Enache,

am 28..4. um 18:00 in Anwesenheit von Ana Lungu

La belle saison

Ein Film von Catherine Corsini. Ab 5.5. im fsk.

Die 23jährige Delphine lebt Anfang der 70er bei ihren Eltern auf dem Bauernhof und hilft ihrem Vater beim Betrieb. Als ihre Geliebte erklärt, daß sie nun mal lang­sam einen Mann hei­ra­ten müß­te, flieht Delphine zum stu­die­ren nach Paris, wo sie in eine Feministinnengruppe gerät und sich gleich in Carole, eine der auf­fäl­ligs­ten Frauen der Gruppe, ver­liebt. Die ist zwar noch mit einem Mann zusam­men, aber als Delphine wegen ihrem nun kran­ken Vater zurück aufs Land muß, folgt Carole ihr und muß nun mit den länd­li­chen, kon­ser­va­ti­ven Strukturen klar kommen.

Worin bestand für Sie der Reiz, die Handlung von La Belle Saison in die 70er Jahre zu verlegen?
Ich ver­spür­te das Bedürfnis, den dama­li­gen Feministinnen, die oft ver­un­glimpft oder als sexu­ell frus­trier­te Emanzen beschimpft wur­den, mei­nen Respekt zu zol­len. Ich selbst war zwar über vie­le Jahre hin­weg kei­ne son­der­lich enga­gier­te Feministin, ja ich ten­dier­te sogar dazu, mir die Vorurteile, die man ihnen gegen­über heg­te, selbst zu eigen zu machen. Dann aber begriff ich, dass ein Großteil der Errungenschaften, die für mein heu­ti­ges Leben ganz selbst­ver­ständ­lich sind, eben die­sen Frauen zu ver­dan­ken sind, die sich damals enga­giert und wirk­lich gekämpft haben. Viele von ihnen waren Lesbierinnen, denen sich dank der Frauenbewegung end­lich die Chance bot, ihre Stimme zu erheben.
Es ist eine Tatsache, dass gera­de die Lesben viel für die Emanzipation der Frau im Allgemeinen geleis­tet haben. Die Vitalität und die Lust zu pro­vo­zie­ren, von der die Frauenbewegung geprägt war, fand ich sehr fas­zi­nie­rend. Ich sehe heu­te nir­gend­wo etwas Vergleichbares. Ich hat­te begrif­fen, dass beim Feminismus das Menschliche im Mittelpunkt stand – und dies war denn auch der Kerngedanke, von dem ich mich bei der Arbeit am Skript habe lei­ten lassen.

Wie erklärt sich die Lust, so viel nack­te Haut zu zeigen?
Die Nacktheit zu insze­nie­ren, folg­te gewis­ser­ma­ßen der Logik der dama­li­gen Zeit. Plötzlich fand man es nor­mal, sich nackt zu zei­gen und Haare unter den Achseln zu haben. Seltsamerweise hat uns die Lust, so viel nack­te Haut zu zei­gen, aber erst ganz all­mäh­lich wäh­rend der Dreharbeiten über­kom­men. Anfänglich war ich viel mehr dar­auf aus, die Schönheit der Landschaft und die Arbeit auf den Feldern zu zei­gen.  (Catherine Corsini)

F 2015, 105 Min.,  frz. OmU 
Regie: Catherine Corsini
Buch: Catherine Corsini, Laurette Polmanss 
Kamera: Jeanne Lapoirie 
Schnitt: Frédéric Baillehaiche 
mit: : Cécile de France, Izïa Higelin, Noémie Lvovsky, Kévin Azaïs