filmPOLSKA

Der Student Tymoteusz hat mit sei­nem Klavierspiel schon Preise gewon­nen und es ins Fernsehen geschafft. Über den Sommer kehrt er in sei­ne trost­lo­se Heimatstadt zurück, wo seit sei­nem Weggang die Welt ste­hen geblie­ben zu sein scheint. Die alten Kumpels aus dem Block hän­gen immer noch in der Gegend her­um, kif­fen, trin­ken Dosenbier, labern viel, träu­men von Abenteuern in der gro­ßen wei­ten Welt und kom­men aus ihrem Viereck aus Badesee, Skatepark, Spielplatz und Dönerimbiss doch nicht heraus.

Auch Tymoteusz‘ Bruder Jacek gehört zur Clique – eben­falls ein begab­ter Pianist, der aber seit einer miss­glück­ten Bewerbung das Klavier ver­stimmt ein­stau­ben lässt. Statt sich Hoffnungen und Träumen hin­zu­ge­ben, ver­sinkt er resi­gniert im pro­vin­zi­el­len Sumpf aus Langeweile, Perspektivlosigkeit, Homophobie und plum­pem Rassismus. Denn die Wut über das so früh geschei­ter­te Leben der Jugendlichen muss sich irgend­wo ent­la­den – war­um nicht bei die­sen frem­den Typen, die so ver­däch­tig ver­schlos­se­nen einen Döner nach dem ande­ren zubereiten?

Wie eine Granate schlug der for­mal eigen­stän­di­ge, lose an zeit­his­to­ri­sche Ereignisse anknüp­fen­de Debüt-Langfilm in der pol­ni­schen Szene ein. Mit Fingerspitzengefühl, Präzision und sti­lis­ti­schem Selbstbewusstsein, die für einen Newcomer unge­wöhn­lich aus­ge­reift sind, erzählt er schein­bar bei­läu­fig eine semi­do­ku­men­ta­ri­sche Geschichte in der Ästhetik eines frü­hen Andreas Dresden, die – ganz ohne Musik und vir­tu­os im been­gen­den Seitenverhältnis 4:3 geschnit­ten – durch schmerz­haf­te Authentizität besticht. Denn die Laien-Darsteller*innen spie­len sich selbst und ihre eige­nen Geschichten. [Rainer Mende]

Damian Kocur (geb. 1983 in Katowice) stu­dier­te an der Schlesischen Universität Katowice. Als Regisseur ver­öf­fent­lich­te er acht teil­wei­se preis­ge­krön­te kur­ze Spiel- und Dokumentarfilme, bevor er mit „Chleb i sól“ einen Jurypreis beim Filmfestival von Venedig und zahl­rei­che wei­te­re Preise gewann.

wei­te­re Filmpolska Termine:

[eo_events event_category=tonyconrad event_end_after=now no_events="noch keine"]

Category: filmpolska

  • filmPOLSKA

    filmPOLSKA

    Der Student Tymoteusz hat mit sei­nem Klavierspiel schon Preise gewon­nen und es ins Fernsehen geschafft. Über den Sommer kehrt er in sei­ne trost­lo­se Heimatstadt zurück, wo seit sei­nem Weggang die Welt ste­hen geblie­ben zu sein scheint. Die alten Kumpels aus dem Block hän­gen immer noch in der Gegend her­um, kif­fen, trin­ken Dosenbier, labern viel, träu­men von Abenteuern in der gro­ßen wei­ten Welt und kom­men aus ihrem Viereck aus Badesee, Skatepark, Spielplatz und Dönerimbiss doch nicht heraus.

    Auch Tymoteusz‘ Bruder Jacek gehört zur Clique – eben­falls ein begab­ter Pianist, der aber seit einer miss­glück­ten Bewerbung das Klavier ver­stimmt ein­stau­ben lässt. Statt sich Hoffnungen und Träumen hin­zu­ge­ben, ver­sinkt er resi­gniert im pro­vin­zi­el­len Sumpf aus Langeweile, Perspektivlosigkeit, Homophobie und plum­pem Rassismus. Denn die Wut über das so früh geschei­ter­te Leben der Jugendlichen muss sich irgend­wo ent­la­den – war­um nicht bei die­sen frem­den Typen, die so ver­däch­tig ver­schlos­se­nen einen Döner nach dem ande­ren zubereiten?

    Wie eine Granate schlug der for­mal eigen­stän­di­ge, lose an zeit­his­to­ri­sche Ereignisse anknüp­fen­de Debüt-Langfilm in der pol­ni­schen Szene ein. Mit Fingerspitzengefühl, Präzision und sti­lis­ti­schem Selbstbewusstsein, die für einen Newcomer unge­wöhn­lich aus­ge­reift sind, erzählt er schein­bar bei­läu­fig eine semi­do­ku­men­ta­ri­sche Geschichte in der Ästhetik eines frü­hen Andreas Dresden, die – ganz ohne Musik und vir­tu­os im been­gen­den Seitenverhältnis 4:3 geschnit­ten – durch schmerz­haf­te Authentizität besticht. Denn die Laien-Darsteller*innen spie­len sich selbst und ihre eige­nen Geschichten. [Rainer Mende]

    Damian Kocur (geb. 1983 in Katowice) stu­dier­te an der Schlesischen Universität Katowice. Als Regisseur ver­öf­fent­lich­te er acht teil­wei­se preis­ge­krön­te kur­ze Spiel- und Dokumentarfilme, bevor er mit „Chleb i sól“ einen Jurypreis beim Filmfestival von Venedig und zahl­rei­che wei­te­re Preise gewann.

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    Kos / Scarborn

    [Tickets]


    PL 2023
    R: Paweł Maślona
    119 min, OmdU
    B: Michał A. Zieliński
    K: Piotr Sobociński jr.
    S: Piotr Kmiecik
    M: Mikołaj Trzaska
    D: Bartosz Bielenia, Jacek Braciak, Jason Mitchell, Robert Więckiewicz, Agnieszka Grochowska, Łukasz Simlat, Andrzej Seweryn u. a.

    Frühjahr 1794, Polen ist in Aufruhr. General Tadeusz „Kos“ Kościuszko, ein enger Verbündeter von General George Washington und Oberst in der Kontinentalarmee, kehrt in sei­ne pol­ni­sche Heimat zurück. Begleitet wird er von sei­nem dun­kel­häu­ti­gen Freund Domingo, einem ehe­ma­li­gen Sklaven. Gemeinsam pla­nen sie, den pol­ni­schen Adel und die Bauern zu einem Aufstand gegen die Russen zu mobilisieren.

    Doch Kościuszko wird von Anfang an von dem gna­den­lo­sen rus­si­schen Rittmeister Dunin ver­folgt. Der will den General um jeden Preis gefan­gen neh­men, bevor die­ser einen Volksaufstand aus­lö­sen kann. Zur glei­chen Zeit träumt der jun­ge Bauer Ignacy – ein ade­li­ger Bastard – davon, Wappen und Gut von sei­nem leb­li­chen Vater Duchnowski zu erhal­ten. Dieser hat­te ihn kurz vor sei­nem Tod tes­ta­men­ta­risch damit bedacht.

    Ein biss­chen Western, ein biss­chen Tarantino – so respekt­los, gna­den­los und pro­vo­kant wur­de die pol­ni­sche Geschichte lan­ge nicht mehr auf die Leinwand gebracht. Maślona gelang es mit sei­nem zwei­ten Film nicht nur, den Staub eini­ger Historienfilme weg­zu­pus­ten, son­dern auch, den Hauptpreis beim pol­ni­schen Filmfestival in Gdynia zu gewin­nen und ein gro­ßes Publikum jeden Alters ins Kino zu locken. [Bernd Karwen / Rainer Mende]

    15.09. / 15:00 / fsk

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  • filmPOLSKA – Brot und Salz

    filmPOLSKA – Brot und Salz

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    Imago

    [Tickets]


    PL/NL/CZ 2023
    R: Olga Chajdas
    113 min, OmeU
    B: Lena Góra & Olga Chajdas
    K: Tomasz Naumiuk
    S: Pavel Hrdlička
    M: Andrzej Smolik
    D: Lena Góra, Bogusława Schubert, Mateusz Więcławek, Wacław Warchoł, Michał Balicki, Wojciech Brzeziński u. a.

    Gdańsk in den Achtzigerjahren – graue Industriemetropole und Fenster zur Welt, Hort katho­li­scher Familientraditionen und Hotspot einer alter­na­ti­ven Jugendkultur, die der New Wave aus Manchester viel näher steht als dem sozia­lis­ti­schen Mainstream aus Warschau. In die­ser explo­si­ven Mischung schlägt sich Ela durch ihr jun­ges Erwachsenenleben. Doch irgend­wie scheint ihr frei­er Geist nicht kom­pa­ti­bel mit dem tra­di­tio­nel­len Erwartungen ihrer Familie zu sein.

    Elas Fluchtwege sind die Musik, die Kunst, die Drogen, der Sex. Wie im Rausch treibt sie aktiv und pas­siv durch die Subkultur der Dreistadt, schein­bar los­ge­löst von Raum und Zeit – die doch ihre Grenzen haben, denn der kom­mu­nis­ti­sche Staat hat Erwartungen in sei­ne Staatsbürgerinnen, vor allem in ihre Rolle als berufs­tä­ti­ge Mütter und Ehefrauen. Die passt nicht zu einer Frau, die Kette raucht, als Sängerin einer Indie-Band näch­te­lang durch die Clubs tin­gelt, an Performances mit­wirkt und deren Leben selbst eine Performance ist.

    In ihrem Zweitwerk taucht Olga Chajdas mit dezi­diert weib­li­chem Fokus tief in das Lebensgefühl der Achtzigerjahre ein, das sie kon­ge­ni­al zitiert – u. a. durch den Retro-Soundtrack von Andrzej Smolik und die kör­nig-ana­lo­gen Bildern von Tomasz Naumiok. Hauptdarstellerin und Co-Autorin Lena Góra schlüpft mit Bravour in ihre bis­her ver­mut­lich schwie­rigs­te Rolle – die ihrer (inzwi­schen ver­stor­be­nen) Mutter, die als Sängerin die nord­pol­ni­sche Kulturszene der Achtzigerjahre präg­te und mit der sie sich durch die­sen Rollentausch aus­söhnt. [Rainer Mende]

    15.09. / 20:00 / fsk

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    Der Student Tymoteusz hat mit sei­nem Klavierspiel schon Preise gewon­nen und es ins Fernsehen geschafft. Über den Sommer kehrt er in sei­ne trost­lo­se Heimatstadt zurück, wo seit sei­nem Weggang die Welt ste­hen geblie­ben zu sein scheint. Die alten Kumpels aus dem Block hän­gen immer noch in der Gegend her­um, kif­fen, trin­ken Dosenbier, labern viel, träu­men von Abenteuern in der gro­ßen wei­ten Welt und kom­men aus ihrem Viereck aus Badesee, Skatepark, Spielplatz und Dönerimbiss doch nicht heraus.

    Auch Tymoteusz‘ Bruder Jacek gehört zur Clique – eben­falls ein begab­ter Pianist, der aber seit einer miss­glück­ten Bewerbung das Klavier ver­stimmt ein­stau­ben lässt. Statt sich Hoffnungen und Träumen hin­zu­ge­ben, ver­sinkt er resi­gniert im pro­vin­zi­el­len Sumpf aus Langeweile, Perspektivlosigkeit, Homophobie und plum­pem Rassismus. Denn die Wut über das so früh geschei­ter­te Leben der Jugendlichen muss sich irgend­wo ent­la­den – war­um nicht bei die­sen frem­den Typen, die so ver­däch­tig ver­schlos­se­nen einen Döner nach dem ande­ren zubereiten?

    Wie eine Granate schlug der for­mal eigen­stän­di­ge, lose an zeit­his­to­ri­sche Ereignisse anknüp­fen­de Debüt-Langfilm in der pol­ni­schen Szene ein. Mit Fingerspitzengefühl, Präzision und sti­lis­ti­schem Selbstbewusstsein, die für einen Newcomer unge­wöhn­lich aus­ge­reift sind, erzählt er schein­bar bei­läu­fig eine semi­do­ku­men­ta­ri­sche Geschichte in der Ästhetik eines frü­hen Andreas Dresden, die – ganz ohne Musik und vir­tu­os im been­gen­den Seitenverhältnis 4:3 geschnit­ten – durch schmerz­haf­te Authentizität besticht. Denn die Laien-Darsteller*innen spie­len sich selbst und ihre eige­nen Geschichten. [Rainer Mende]

    Damian Kocur (geb. 1983 in Katowice) stu­dier­te an der Schlesischen Universität Katowice. Als Regisseur ver­öf­fent­lich­te er acht teil­wei­se preis­ge­krön­te kur­ze Spiel- und Dokumentarfilme, bevor er mit „Chleb i sól“ einen Jurypreis beim Filmfestival von Venedig und zahl­rei­che wei­te­re Preise gewann.

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    Skąd dokąd / In the Rearview

    [Tickets]


    PL/FRA/UKR 2023
    R: Maciek Hamela
    84 min, OmdU
    K: Yura Dunay, Wawrzyniec Skoczylas, Marcin Sierakowski & Piotr Grawender
    S: Piotr Ogiński
    M: Antoni Komasa-Łazarkiewicz

    Auch wenn sie nichts sagen, spre­chen ihre Gesichter Bände. Zusammengepfercht sit­zen sie auf den Bänken des Kleinbusses und bli­cken in eine unge­wis­se Zukunft. In ihren Augen sieht man Angst, Erschöpfung, Sorge, sel­ten Erleichterung. Erst lang­sam ver­steht man: Das ist kei­ne Urlaubsreise, son­dern eine Evakuation. Die Passagier*innen las­sen den Krieg im Osten der Ukraine hin­ter sich und mit ihm ihr Hab und Gut, Verwandte, Tiere, ihr bis­he­ri­ges Leben. Eine lan­ge und nicht unge­fähr­li­che Fahrt liegt noch vor ihnen.

    Der Film beschränkt sich in sei­nen Mitteln auf das Nötigste. Meist beob­ach­ten wir die Flüchtenden wie der Fahrer – sta­tisch, im Rückspiegel, den Blick eher zurück als nach vorn gerich­tet. In den weni­gen Szenen außer­halb des Autos ent­fal­tet sich der dra­ma­ti­sche Kontext des Geschehens – trä­nen­rei­che Abschiede, Minen auf der Straße, gespreng­te Brücken und immer wie­der Straßensperren. Und doch gibt es Hoffnung, denn jede Fahrt bringt wie­der eine Handvoll Menschen in Sicherheit. [Rainer Mende]

    17.09. / 20:00 / fsk

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    To tylko/aż ciało … albo krót­ki film o wol­ności / It’s only/Not Only a Body

    [Tickets]

    PL 2023
    R/B/K: Michał Hytroś
    82 min, OmeU
    S: Yakiv Komarynsky
    M: Magda Kramer & Tomasz Szkiela

    Zosias Körper ist etwas Besonderes. Nicht nur, dass er mit Tattoos über­sät ist, er dient auch als Vorbild. Zosia hilft näm­lich ande­ren Frauen, ein posi­ti­ves Verhältnis zu ihrem Körper zu ent­wi­ckeln. Dann steigt sie in ihr altes Wohnmobil, fährt mit ihnen ins Grüne, greift in Wald und Feld zur Kamera und zeigt mit ihren Fotos, dass jeder Körper als Teil der Natur auf sei­ne Weise schön ist. Die Frauen, die sich von ihr in ästhe­ti­schem Schwarz-Weiß ablich­ten las­sen, tei­len mit ihr nicht nur den Anblick ihrer unver­hüll­ten Körper, son­dern auch ihre Geschichten. Sie erzäh­len von Essstörungen, Bodyshaming, psy­chi­schen Problemen und sozia­ler Ablehnung.

    Doch als wir Zosia näher ken­nen­ler­nen, erfah­ren wir, dass auch sie sich ihre posi­ti­ve Einstellung zu ihrem Körper hart und schmerz­voll erar­bei­ten muss­te. Diese Frau, die ande­ren den Weg zu einem har­mo­ni­schen Körpergefühl ebnet, ist kei­nes­wegs frei von Zweifeln. Ihre rast­lo­se Lebensweise hat ihre Schattenseiten – sie ver­leiht kei­ne Stabilität und erlaubt kei­ne fes­ten sozia­len Bindungen. Irgendwann fühlt Zosia, dass sie sich ent­schei­den muss – wei­ter als Freigeist an wech­seln­den Orten ande­ren hel­fen oder doch sess­haft wer­den und sich mehr um das eige­ne psy­chi­sche Wohl kümmern?

    Michał Hytroś zeich­net – unter­stützt von Karina Paciorkowskas Animationen – anhand der Aufs und Abs sei­ner Protagonistin und ihrer Kundinnen das Kollektivporträt einer Gesellschaft, die zwi­schen tra­dier­ten sozia­len Rollen und post­mo­der­nen Lebenswelten zer­ris­sen ist. Gleichzeitig zeigt er mit gro­ßer Empathie die Haarrisse im Weltbild sei­ner Hauptfigur. [Rainer Mende]

    18.09. / 20:00 / fsk / zu Gast: Michał Hytroś

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    filmPOLSKA

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    Tyle co nic / Next To Nothing

    [Tickets]

    PL 2023
    R/B: Grzegorz Dębowski
    93 min, OmdU
    K: Aleksander Pozdnyakov
    S: Anna Garncarczyk
    D: Artur Paczesny, Monika Kwiatkowska, Agnieszka Kwietniewska, Artur Steranko u. a.

    Sieger des filmPOLSKA-Wettbewerbs 2024 – Einführung: Karolina Golimowska (Polnisches Institut Berlin)

    Auf dem Dorf ist der Winter wie­der mal mat­schig, tief hängt der graue Himmel über der hüge­li­gen Provinz. Seit die LPG dicht gemacht hat, ver­sucht hier jeder auf eige­ne Faust, sich irgend­wie durch­zu­wursch­teln. Aber auf dem Land ist man auch immer auf die Unterstützung ande­rer ange­wie­sen – so wie der Bauer, dem gera­de das Haus abge­brannt ist. Jarek setzt sich für ihn ein, klap­pert die Nachbarn ab und bit­tet sie um Unterstützung, um ihm über das Gröbste hin­weg zu hel­fen. Er bie­tet sei­ner Familie sogar Unterschlupf.

    Überhaupt ist Jarek äußerst enga­giert. Als er erfährt, dass ein Lokalpolitiker zu Ungunsten sei­nes Dorfs abge­stimmt hat, trom­melt er kur­zer­hand die Bauern zusam­men und kippt dem ver­meint­li­chen Verräter einen gro­ßen Haufen Mist aufs Grundstück. Dummerweise wird in genau die­sem Misthaufen die Leiche des Bauern ent­deckt, dem der Hof abge­brannt ist. Der Aktivist wird zum Verdächtigen.

    In einer Mischung aus Krimi und Sozialstudie ler­nen wir mit para­do­ku­men­ta­ri­schen Bildern eine Dorfgemeinschaft ken­nen, die sich im tief­grei­fen­den Umbruch befin­det. Jede der Figuren – her­aus­ra­gend gespielt von einem Ensemble weit­ge­hend unbe­kann­ter Schauspieler*innen – muss auf ihre Weise damit zurecht­kom­men, dass die Tage des Dorfes in sei­ner her­kömm­li­chen Form gezählt sind. Dabei gibt es kei­ne guten und kei­ne schlech­ten Menschen, son­dern nur ver­schie­de­ne Strategien für die Anpassung an die tief­grei­fen­den Veränderungen des Mikrokosmos Dorf. [Rainer Mende]

     

     

  • filmPOLSKA reloaded – Polish Prayers – Das rechte Leben

    filmPOLSKA reloaded – Polish Prayers – Das rechte Leben

    [Tickets]

    OT: Prawy chlopak
    Dok, PL/CH 2023, R: Hanna Nobis, 85 min, OmdU

    Antek wirkt noch recht unsi­cher, aber im Kreis sei­ner erz­kon­ser­va­ti­ven Bruderschaft fühlt er sich stark. Ihre Werte wie Männlichkeit, Katholizismus und ein tra­di­tio­nel­les Familienbild geben ihm Sicherheit und wenn er mit sei­nen Kumpels gemein­sam gegen LGBTQ+-Demos pro­tes­tiert, ist er als Vorsänger ganz in sei­nem Element. Erst durch eine fes­te Freundin lernt er ande­re Sichtweisen ken­nen – dass man nicht zwin­gend einen Gott braucht, um ein recht­schaf­fe­ner Mensch zu sein, dass man tole­rant gegen­über ande­ren Lebensstilen sein kann und dass Sex vor der Ehe viel­leicht doch nicht unwei­ger­lich in die ewi­ge Verdammnis führt.

    Über einen lan­gen Zeitraum beglei­tet die Regisseurin ihren Protagonisten und doku­men­tiert dabei eine erstaun­li­che Entwicklung. Nicht nur, dass der hage­re, from­me jun­ge Mann auf ein­mal Meditation, Drogen und Bodybuilding für sich ent­deckt. Auch sei­ne Sicht auf die Welt und nicht zuletzt auf sich selbst durch­läuft eine grund­le­gen­de Metamorphose. Aber wie kom­pa­ti­bel ist die­ser neue Antek noch mit sei­nem sozia­len Umfeld, das nach wie vor flei­ßig betet und ein Kind nach dem ande­ren in die Welt setzt?

    Hanna Nobis erzählt eine Geschichte mit über­ra­schen­den Wendungen, die man unmög­lich in einem Drehbuch vor­aus­pla­nen kann. Die Kamera bleibt dabei stets nah an ihrem Beobachtungsgegenstand und wird für ihre Geduld belohnt: Der Film hält immer wie­der inti­me Momente von berü­cken­der Authentizität fest, wie sie im Dokumentarfilm sel­ten sind.

    B: Hanna Nobis & Esther van Messel
    K: Miłosz Kasiura
    S: Bigna Tomschin
    M: Marcel Vaid

    Veranstalter: Polnisches Institut Berlin in Kooperation mit dem fsk Kino

    Polish Prayers | OFFICIAL TRAILER | A film by Hanka Nobis
  • filmPOLSKA reloaded: Imago

    filmPOLSKA reloaded: Imago

    Gdańsk in den Achtzigerjahren – graue Industriemetropole und Fenster zur Welt, Hort katho­li­scher Familientraditionen und Hotspot einer alter­na­ti­ven Jugendkultur, die der New Wave aus Manchester viel näher steht als dem sozia­lis­ti­schen Mainstream aus Warschau. In die­ser explo­si­ven Mischung schlägt sich Ela durch ihr jun­ges Erwachsenenleben. Doch irgend­wie scheint ihr frei­er Geist nicht kom­pa­ti­bel mit dem tra­di­tio­nel­len Erwartungen ihrer Familie zu sein.
    Elas Fluchtwege sind die Musik, die Kunst, die Drogen, der Sex. Wie im Rausch treibt sie aktiv und pas­siv durch die Subkultur der Dreistadt, schein­bar los­ge­löst von Raum und Zeit – die doch ihre Grenzen haben, denn der kom­mu­nis­ti­sche Staat hat Erwartungen in sei­ne Staatsbürgerinnen, vor allem in ihre Rolle als berufs­tä­ti­ge Mütter und Ehefrauen. Die passt nicht zu einer Frau, die Kette raucht, als Sängerin einer Indie-Band näch­te­lang durch die Clubs tin­gelt, an Performances mit­wirkt und deren Leben selbst eine Performance ist.
    In ihrem Zweitwerk taucht Olga Chajdas mit dezi­diert weib­li­chem Fokus tief in das Lebensgefühl der Achtzigerjahre ein, das sie kon­ge­ni­al zitiert – u. a. durch den Retro-Soundtrack von Andrzej Smolik und die kör­nig-ana­lo­gen Bildern von Tomasz Naumiok. Hauptdarstellerin und Co-Autorin Lena Góra schlüpft mit Bravour in ihre bis­her ver­mut­lich schwie­rigs­te Rolle – die ihrer Mutter, die als Sängerin die nord­pol­ni­sche Kulturszene der Achtzigerjahre präg­te und mit der sie sich durch die­sen Rollentausch aus­söhnt.
    „Imago“ lief im September 2024 im Wettbewerb des 19. pol­ni­schen Filmfestivals filmPOLSKA in Berlin und Potsdam.

    B: Lena Góra & Olga Chajdas
    K: Tomasz Naumiuk
    S: Pavel Hrdlička
    M: Andrzej Smolik
    D: Lena Góra, Bogusława Schubert, Mateusz Więcławek, Wacław Warchoł, Michał Balicki, Wojciech Brzeziński u. a.
    Veranstalter: Polnisches Institut Berlin in Kooperation mit dem fsk Kino

  • filmPOLSKA reloaded: It’s only/Not Only a Body

    filmPOLSKA reloaded: It’s only/Not Only a Body

    Sorry, this ent­ry is only available in Deutsch.

    Am 2.4. um 18:00 im fsk.

    [Tickets]

    Zosias Körper ist etwas Besonderes. Nicht nur, dass er mit Tattoos über­sät ist, er dient auch als Vorbild. Zosia hilft näm­lich ande­ren Frauen, ein posi­ti­ves Verhältnis zu ihrem Körper zu ent­wi­ckeln. Dann steigt sie in ihr altes Wohnmobil, fährt mit ihnen ins Grüne, greift in Wald und Feld zur Kamera und zeigt mit ihren Fotos, dass jeder Körper als Teil der Natur auf sei­ne Weise schön ist. Die Frauen, die sich von ihr in ästhe­ti­schem Schwarz-Weiß ablich­ten las­sen, tei­len mit ihr nicht nur den Anblick ihrer unver­hüll­ten Körper, son­dern auch ihre Geschichten. Sie erzäh­len von Essstörungen, Bodyshaming, psy­chi­schen Problemen und sozia­ler Ablehnung.

    Doch als wir Zosia näher ken­nen­ler­nen, erfah­ren wir, dass auch sie sich ihre posi­ti­ve Einstellung zu ihrem Körper hart und schmerz­voll erar­bei­ten muss­te. Diese Frau, die ande­ren den Weg zu einem har­mo­ni­schen Körpergefühl ebnet, ist kei­nes­wegs frei von Zweifeln. Ihre rast­lo­se Lebensweise hat ihre Schattenseiten – sie ver­leiht kei­ne Stabilität und erlaubt kei­ne fes­ten sozia­len Bindungen. Irgendwann fühlt Zosia, dass sie sich ent­schei­den muss – wei­ter als Freigeist an wech­seln­den Orten ande­ren hel­fen oder doch sess­haft wer­den und sich mehr um das eige­ne psy­chi­sche Wohl küm­mern?

    Michał Hytroś zeich­net – unter­stützt von Karina Paciorkowskas Animationen – anhand der Aufs und Abs sei­ner Protagonistin und ihrer Kundinnen das Kollektivporträt einer Gesellschaft, die zwi­schen tra­dier­ten sozia­len Rollen und post­mo­der­nen Lebenswelten zer­ris­sen ist. Gleichzeitig zeigt er mit gro­ßer Empathie die Haarrisse im Weltbild sei­ner Hauptfigur. [Rainer Mende]

    To tylko/aż ciało … albo krót­ki film o wol­ności / It’s only/Not Only a Body
    PL 2023
    R/B/K: Michał Hytroś
    82 min, OmeU
    S: Yakiv Komarynsky
    M: Magda Kramer & Tomasz Szkiela
    Veranstalter: Polnisches Institut Berlin in Kooperation mit dem fsk Kino