Wild Horse Nine

Wild Horse Nine

Ein Film von Martin McDonagh. Ab 12.11. im fsk.

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Die CIA-Agenten Lee (Sam Rockwell) und Chris (John Malkovich) sind in Santiago de Chile sta­tio­niert. Im Sommer 1973 arbei­ten sie am Destabilisieren der Allende-Regierung, aber Chris wird immer mehr zum Sicherheitsrisiko. Er ist töd­lich krank, ver­gisst vie­les und erzählt ger­ne von dem, was die CIA so tut. Lee und Chris rei­sen auf die Osterinseln, weil Chris schon immer die gro­ßen Köpfe sehen woll­te, aber nicht nur des­we­gen. Es ist ein abge­schie­de­ner Ort, der gera­de­zu ide­al ist, um sich vom Leben zu verabschieden.

Bei Brügge sehen und ster­ben soll­te der älte­re Killer den jun­gen töten, hier ist es umge­kehrt, und die Gründe sind anders, aber im Kern ist es die­sel­be Geschichte, die McDonagh hier erzählt. Das mag man nega­tiv kon­no­tie­ren, es ist auf den ers­ten Blick auch ein klein wenig ent­täu­schend, weil McDonagh als Theater- und Filmautor ansons­ten weit, weit ori­gi­nel­ler erzählt. Aber er beweist wie­der ein­mal, dass er es nicht nur ver­steht, plas­ti­sche Figuren zu erschaf­fen, son­dern ihnen als Meister des Dialogs auch geschlif­fe­ne Worte in den Mund zu legen. Das Skript ist pures Gold, die Dialoge wit­zig, über­dreht, dra­ma­tisch, aber nie so drü­ber, dass sie nicht noch authen­tisch wir­ken wür­den. Für Schauspieler vom Format eines Sam Rockwells oder John Malkovichs ist das pures Gold. Sie spie­len ein­fach brillant.

McDonagh ver­steht es aber auch, die Schönheit der Osterinseln in Szene zu set­zen; und er nutzt die­se Pracht für eine Geschichte, die auch erstaun­lich düs­ter sein kann. Denn der Background ist der Putsch durch das Pinochet-Regime in Chile, unter­stützt von den USA – statt­ge­fun­den am 11. September 1973. Es gibt Szenen, die für Gänsehaut sor­gen, etwa dann, wenn Chris mit einer Studentin aus Chile spricht und ihr erklärt, was am 11. September pas­sie­ren wird. Wie sie und ihre Freunde in das Stadion gebracht, wie sie gefol­tert und wie vie­le von ihnen ster­ben wer­den. Chris, der ewi­ge Lügner, sagt die Wahrheit, und aus dem Mund eines Mannes, der im Dienste des gro­ßen Ganzen grau­sa­me Dinge getan hat, ist das elektrisierend. 

McDonagh beherrscht die Klaviatur nar­ra­ti­ver Schönheit per­fekt. Wenn er in einem Akt etwas ein­führt, dann erhält das im letz­ten Akt Bedeutung, sei es das Gewehr eines Attentats, das sich lan­ge wie ein MacGuffin anfühlt, oder eine Warnung davor, sich nie­mals in ein Auto ver­schlep­pen zu lassen. 

Die Dialoge leben von bei­ßen­dem Humor, sie kön­nen ins Absurde abdrif­ten, sind aber immer viel­schich­tig und tra­gen zur Charakterbildung bei. Auch wenn die Geschichte an sich nicht gänz­lich neu sein mag, macht McDonagh dar­aus klu­ge Unterhaltung auf höchs­tem Niveau. Kino für Leute, die gro­ßes Schauspiel und gro­ße Dialoge lieben. 

Peter Osteried | programmkino.de

Credits:

GB/US/CL 2026, 118 Min., engl. OmU
Regie & Buch: Martin McDonagh
Kamera: Ben Davis
Schnitt: Mikkel E.G. Nielsen
mit: John Malkovich, Sam Rockwell, Steve Buscemi, Mariana di Girolamo, Ailín Salas; Tom Waits, Parker Posey, Paola Giannini

Trailer:
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