God & Lunapark Warriors

filmPOLSKA reloaded – God & Lunapark Warriors

Bóg i wojow­ni­cy luna­par­ków / God & Lunapark Warriors

[Tickets]

PL 2022
R/B: Bartłomiej Żmuda
77 min, OmeU
K: Michał Opala
S: Rafał Stós & Agnieszka Kowalczyk
M: Mikołaj Majkusiak

Es knirscht gewal­tig zwi­schen dem Schriftsteller und Berufs-Provokateur Andrzej Rodan und sei­nem Sohn Paweł. Kein Wunder, schließ­lich ver­dient der über­zeug­te Atheist Andrzej sei­nen Lebensunterhalt mit Büchern, in denen er Kirche und Christentum angreift, wäh­rend sein Sohn tief gläu­big ist und sei­ne beruf­li­che Zukunft in der katho­li­schen Kirche sieht. Dabei war es doch frü­her so idyl­lisch: Gemeinsam mach­ten sie eine Tour durch die Vergnügungsparks Europas und kein Blatt Papier pass­te zwi­schen Vater und Sohn, wie ein­ge­floch­te­ne Videoband-Schnipsel bezeugen.

Einen letz­ten Versuch will Paweł noch wagen, um das zer­rüt­te­te Verhältnis wie­der zu kit­ten. Dreißig Jahre spä­ter wol­len sie sich noch ein­mal auf den Weg machen, zu zweit mit dem Auto quer durch Polen, und Orte besu­chen, die für Paweł eine beson­de­re spi­ri­tu­el­le Bedeutung haben. Vielleicht gelingt es ja jeman­dem, im Kopf des Kirchenkritikers ein Körnchen Zweifel an sei­ner fun­da­men­ta­len Ablehnung alles Spirituellen zu säen?

Schmerzhaft nah an den Helden die­ses tra­gi­ko­mi­schen Dokumentar-Roadmovies schau­en wir tief in die ver­wun­de­ten Seelen zwei­er Menschen, die in ihren Ansichten gefes­tigt und doch unend­lich unglück­lich sind. Der Film erzählt von zer­ris­se­nen Familienbanden, der iso­lie­ren­den Wirkung von Fanatismus und der ver­zwei­fel­ten Suche nach einer Basis für einen Dialog auf Augenhöhe. [Rainer Mende]

Bartłomiej Żmuda (geb. 1981 in Nysa) stu­dier­te Regie in Łódź. Nach Kurzfilmen, die inter­na­tio­nal Beachtung fan­den, arbei­tet er momen­tan an sei­nem Langspielfilm-Debüt mit dem Arbeitstitel „Więcej“ (Mehr).

wei­te­re Filmpolska rel­oa­ded Termine:

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  • filmPOLSKA reloaded – God & Lunapark Warriors

    filmPOLSKA reloaded – God & Lunapark Warriors

    Bóg i wojow­ni­cy luna­par­ków / God & Lunapark Warriors

    [Tickets]

    PL 2022
    R/B: Bartłomiej Żmuda
    77 min, OmeU
    K: Michał Opala
    S: Rafał Stós & Agnieszka Kowalczyk
    M: Mikołaj Majkusiak

    Es knirscht gewal­tig zwi­schen dem Schriftsteller und Berufs-Provokateur Andrzej Rodan und sei­nem Sohn Paweł. Kein Wunder, schließ­lich ver­dient der über­zeug­te Atheist Andrzej sei­nen Lebensunterhalt mit Büchern, in denen er Kirche und Christentum angreift, wäh­rend sein Sohn tief gläu­big ist und sei­ne beruf­li­che Zukunft in der katho­li­schen Kirche sieht. Dabei war es doch frü­her so idyl­lisch: Gemeinsam mach­ten sie eine Tour durch die Vergnügungsparks Europas und kein Blatt Papier pass­te zwi­schen Vater und Sohn, wie ein­ge­floch­te­ne Videoband-Schnipsel bezeugen.

    Einen letz­ten Versuch will Paweł noch wagen, um das zer­rüt­te­te Verhältnis wie­der zu kit­ten. Dreißig Jahre spä­ter wol­len sie sich noch ein­mal auf den Weg machen, zu zweit mit dem Auto quer durch Polen, und Orte besu­chen, die für Paweł eine beson­de­re spi­ri­tu­el­le Bedeutung haben. Vielleicht gelingt es ja jeman­dem, im Kopf des Kirchenkritikers ein Körnchen Zweifel an sei­ner fun­da­men­ta­len Ablehnung alles Spirituellen zu säen?

    Schmerzhaft nah an den Helden die­ses tra­gi­ko­mi­schen Dokumentar-Roadmovies schau­en wir tief in die ver­wun­de­ten Seelen zwei­er Menschen, die in ihren Ansichten gefes­tigt und doch unend­lich unglück­lich sind. Der Film erzählt von zer­ris­se­nen Familienbanden, der iso­lie­ren­den Wirkung von Fanatismus und der ver­zwei­fel­ten Suche nach einer Basis für einen Dialog auf Augenhöhe. [Rainer Mende]

    Bartłomiej Żmuda (geb. 1981 in Nysa) stu­dier­te Regie in Łódź. Nach Kurzfilmen, die inter­na­tio­nal Beachtung fan­den, arbei­tet er momen­tan an sei­nem Langspielfilm-Debüt mit dem Arbeitstitel „Więcej“ (Mehr).

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  • filmPOLSKA reloaded – The Hatcher

    filmPOLSKA reloaded – The Hatcher

    Matecznik / The Hatcher

    [Tickets]

    PL 2022
    R: Grzegorz Mołda
    81 min, OmeU
    B: Grzegorz Mołda & Monika Powalisz
    K: Constanze Schmitt
    S: Piasek & Wójcik
    D: Agnieszka Kryst, Michał Zieliński u.a.

    Etwas ver­lo­ren wirkt Karol so allein in der ziem­lich lee­ren Wohnung. Aber er ist auch nicht frei­wil­lig hier – er trägt eine elek­tro­ni­sche Fußfessel und absol­viert hier eine Art Training, um zu bewei­sen, dass er in der Lage ist, selbst­stän­dig und ohne Gesetzesübertretungen sei­nen Alltag zu bewäl­ti­gen. Damit ihm das gelingt, steht ihm Marta als Betreuerin zur Seite. Sie kon­trol­liert die Abläufe, gibt Ratschläge und ord­net neue Übungen an. Beispielsweise soll Karol mit einer Babypuppe bewei­sen, dass er sich zuver­läs­sig um ein Kind küm­mern kann.

    Aber im Gegensatz zu der Puppe ist Marta ein Mensch mit Gefühlen, der nicht immer bere­chen­bar ist. Zwischen Kontrolleurin und Kontrolliertem ent­spinnt sich ein fei­nes Netz aus Zwang, Abhängigkeit, Manipulation, Widerstand, Zu- und Abneigung. Damit spielt das for­mal enorm redu­zier­te und ori­gi­nell foto­gra­fier­te, durch das her­aus­ra­gen­de Schauspieler*innen-Duo getra­ge­ne Kammerspiel in bedäch­ti­gem Tempo im Kleinen das kom­ple­xe Verhältnis von Macht und Missbrauch durch. [Rainer Mende]

    Grzegorz Mołda (geb. 1993 in Włoszczowa) stu­dier­te Regie an der Filmschule Gdynia. Nach sei­nem Abschlussfilm „Koniec wid­ze­nia / Time To Go“ (2017) und eini­gen Filmen der TV-Serie „Na sygna­le“ war er 2022 beim Filmfestival in Gdynia nicht nur mit „Matecznik“ im Wettbewerb für Low-Budget-Filme, son­dern auch mit dem Drama „Zadra“ im Spielfilm-Hauptwettbewerb vertreten.

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  • Sleep With Your Eyes Open

    Sleep With Your Eyes Open

    Ein Film von Nele Wohlatz.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die Erfahrungen, die sie in ihren Jahren in Argentinien und bei ihrem Filmdebut (nach ver­schie­de­nen Werken als Ko-Regisseurin) , dem schö­nen Dokumentarhybrid El Futuro Perfecto mach­te, bil­den die Grundlage für Nele Wohlatz sanft-ver­spiel­ten, traum­haf­ten Spielfilm. Die jun­ge Kai fliegt der Liebe wegen von Taipeh in die bra­si­lia­ni­sche Küstenstadt Recife, aber der Geliebte scheint ver­schol­len. Statt des­sen trifft sie auf eine Vielzahl wei­te­rer Landsleute und auf eine Kiste vol­ler Postkarten mit Aufzeichnungen, die ihre Vorbewohnerin Xiao Xin für ein geplan­tes Buch notier­te.
    Die Menschen hier las­sen sich trei­ben, trotz aller Zerrissenheit ist das Heimweh eben­so wenig aus­ge­prägt wie auf der ande­ren Seite der laten­te Rassismus, der ihnen auch enge­gen­schlägt.
    Die lei­se Komödie vol­ler Missverständnisse folgt kei­ner tra­di­tio­nel­len Dramaturgie. Die Protagonist*innen tau­chen eben­so uner­war­tet auf, wie sie auch wie­der ver­schwin­den. Ihre Arbeit treibt sie manch­mal von einer ihnen unbe­kann­ten Stadt in die nächs­te. Im Laufe eines hei­ßen, lang­sa­men Sommers wach­sen den­noch zar­te Bande zwi­schen ihnen.
    Ein „wun­der­bar spie­le­ri­scher Film über das Leben in der Fremde“ Andreas Busche, Tagesspiegel
    „Meinen ers­ten Spielfilm habe ich mit chi­ne­si­schen Laiendarsteller:innen in Buenos Aires gedreht, aus­schließ­lich an Wochenenden, denn unter der Woche arbei­te­ten alle in chi­ne­si­schen Supermärkten und Importgeschäften. Oft fehl­te am nächs­ten Wochenende jemand, war in eine ande­re Stadt oder ein ande­res Land gezo­gen oder zurück nach China. Eine Darstellerin sag­te zu mir: Ich könn­te jetzt über­all hin­ge­hen und mich anpas­sen, wenn es sein muss. Aber es gibt kei­nen Ort mehr, an den ich gehö­re.“ Nele Wohlatz

    Credits:

    Dormir de olhos aber­tos
    Brazil / Taiwan / Argentina / Germany 2024, 97 Min., Mandarin, Portugiesisch, Spanisch, Englisch OmU
    Regie: Nele Wohlatz
    Kamera: Roman Kasseroller
    Schnitt: Yann-shan Tsai, Ana Godoy
    mit Chen Xiao Xin, Wang Shin-Hong, Liao Kai Ro, Nahuel Pérez Biscayart, Lu Yang Zong

    Trailer:
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  • Was uns hält

    Was uns hält

    Ein Film von Daniele Luchetti. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Neapel Anfang der 1980er Jahre. Aldo (Luigi Lo Cascio) hat gera­de sei­ne Kinder Anna und Sandro ins Bett gebracht und ihnen eine Gutenachtgeschichte erzählt. Nun steht er in der Küche neben sei­ner Frau Vanda (Alba Rohrwacher) und gesteht ihr, dass er sie betro­gen hat. Vanda ver­liert den Boden unter den Füßen und weiß nicht, wie sie reagie­ren soll.
    Was bedeu­tet das für sie und die Kinder?
    Dreißig Jahre spä­ter leben Vanda (Laura Morante) und Aldo (Silvio Orlando) immer noch zusam­men, aber viel­leicht haben sie und ihre Kinder, Anna (Giovanna Mezzogiorno) und Sandro (Adriano Giannini) dafür einen hohen Preis gezahlt.

    (…) Denn nicht um kon­kre­te Ereignisse geht es, nicht ums Verlieben oder Verlassen, son­dern um das Zusammenbleiben, trotz allem. Viel psy­cho­lo­gi­scher, viel unter­schwel­li­ger ist die­ser Ansatz eines Beziehungsfilms, viel weni­ger kon­kret, dadurch flüch­ti­ger und schwie­ri­ger in einer nur 100 Minuten kur­zen Erzählung zu fas­sen. Um den Umgang mit Untreue geht es in Was uns hält, um den Versuch, eine Beziehung trotz allem am Leben zu erhal­ten, auch um der Kinder wegen, um Kompromisse, um unvor­her­ge­se­he­ne Folgen, gera­de auch für die nächs­te Generation.“ M. Meyns

    Basierend auf dem Roman «Auf immer ver­bun­den» von Domenico Starnone zeigt Regisseur Daniele Luchetti (Mein Bruder ist ein Einzelkind), wie stark die Bindung der Familie im Guten wie im Schlechten ist – auch wenn die Liebe in neue Richtungen zieht.

    Eine leben­di­ge Ehegeschichte im Ferrante-Stil, das emo­tio­nal har­te, aber raf­fi­niert kon­stru­ier­te Porträt einer Beziehung, die in Zeitlupe zer­bricht. Es ist wie die ita­lie­ni­sche Version von Marriage Story, nur über 40 Jahre gestreckt. Alba Rohrwacher und Luigi Lo Cascio sind als Vanda und Aldo außer­ge­wöhn­lich stark.” (The Times)

    Credits:

    Lacci
    IT 2020, 100 Min., ital. OmU
    Regie: Daniele Luchetti
    Kamera: Ivan Casalgrandi
    Schnitt: Aël Dallier Vega · Daniele Luchetti
    mit Alba Rohrwacher, Luigi Lo Cascio, Laura Morante, Silvio Orlando, Giovanna Mezzogiorno

    Trailer:
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  • Auf trockenen Gräsern

    Auf trockenen Gräsern

    Ein Film von Nuri Bilge Ceylan.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Durch die ver­schnei­te Landschaft stapft der Kunstlehrer Samet zu dem Dorf, in dem er nach Ende der Ferien wie­der unter­rich­ten muss. Es ist eine ein­sa­me Gegend irgend­wo in Anatolien, die unter der Winterdecke ruht. Was in den ers­ten Bildern noch Frieden aus­strahlt, wird im Lauf des Films zuneh­mend beklem­mend wir­ken, wie auch Samets Beziehungen zu den ande­ren Menschen an der Schule und im Dorf dop­pel­bö­dig und kom­pli­ziert wer­den. Und natür­lich weiß jeder, dass er vor­hat, sich nach Istanbul ver­set­zen zu las­sen, sobald die Pflichtzeit am Ende der Welt zu Beginn sei­ner Lehrtätigkeit erfüllt ist. Samet hält sich für einen guten und tole­ran­ten Pädagogen, aber als ihm unan­ge­mes­se­nes Verhalten gegen­über zwei Schülerinnen vor­ge­wor­fen wird und der Druck steigt, kommt lang­sam ein ande­rer Charakter zum Vorschein. Komplex, in sich ver­strickt und ein­ge­schlos­sen, ande­re nur unscharf wahr­neh­mend. Eine Person, deren Verfassung typisch ist für Ceylans männ­li­che Hauptfiguren und die in ihrer Unansehnlichkeit den Ausgangspunkt für ein dich­tes Netz von Berührungspunkten und Beziehungen zwi­schen allen Personen bil­det. Wie bereits in sei­nen vor­an­ge­gan­ge­nen Werken ent­wirft Nuri Bilge Ceylan auch in Auf tro­cke­nen Gräsern anhand von indi­vi­du­el­len Lebensgeschichten und ihren Verzahnungen ein Panorama der tür­ki­schen Gesellschaft in ihren unter­schied­li­chen Facetten. Daneben exis­tiert die archa­isch wir­ken­de Landschaft und spielt eine wei­te­re Hauptrolle.

    Auf tro­cke­nen Gräsern lief 2023 im Wettbewerb von Cannes und Merve Dizdar gewann den Preis als bes­te Darstellerin.

    In der Türkei ste­hen sich stän­dig Dualismen gegen­über, wie Gut gegen Böse und Individualismus gegen Kollektivismus. Mein Kunstlehrer glaubt, dass er dem Ende sei­nes Pflichtdienstes in einem abge­le­ge­nen Bezirk in Ostanatolien nahe ist. Er trös­tet sich seit Jahren mit der Hoffnung auf eine Versetzung nach Istanbul. Darin liegt ein span­nen­der Unterschied zwi­schen der Rolle des Gastgebers und des Gastes. Interessiert hat uns auch die men­ta­le Auswirkung von Gefühlen der Entfremdung, der Entfernung von städ­ti­schem Leben und einem Dasein am Rande. Mit wel­chen Problemen sehen sich die Bewohner die­ser länd­li­chen Region kon­fron­tiert – wie prägt sie die Dynamik der geo­gra­fi­schen, eth­ni­schen oder sozia­len Strukturen, in denen sie leben? Auch wenn die Möglichkeit Liebe zu fin­den gege­ben ist, wer­den ver­küm­mern­de Seelen unauf­hör­lich tie­fer in die Isolation getrie­ben durch Vorurteile, das Errichten von Mauern, ver­gan­ge­ne poli­ti­sche Traumata und den unstill­ba­ren Drang, jene, die einem nahe­ste­hen, für eige­ne Fehler büßen zu las­sen. In Regionen, wo Verzweiflung in jedem Gesicht, Erschöpfung in jedem Schritt und Bitterkeit in der Stimme spür­bar ist, wer­den die Spuren des „Schicksals“ beson­ders deut­lich.” Nuri Bilge Ceylan

    Credits:

    TK/FR 2023, 197 Min., türk. OmU
    Regie: Nuri Bilge Ceylan
    Kamera: Cevahİr Şahİn, Kürşat Üresİn
    Schnitt: Oğuz Atabaş, Nuri Bilge Ceylan
    Kamera: Cevahİr Şahİn, Nuri Bilge Ceylan
    mit: Deniz Celiloğlu, Merve Dizdar, Musab Ekici

    Trailer:
    Auf tro­cke­nen Gräsern, Trailer OmdU
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  • Ivo – mit Gast

    Ivo – mit Gast

    Ein Film von Eva Trobisch. Am 27.6. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch mit Eva Trobisch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ivo arbei­tet als ambu­lan­te Palliativpflegerin. Täglich fährt sie zu Familien, Eheleuten und Alleinstehenden. In klei­ne Wohnungen und in gro­ße Häuser. In immer ver­schie­de­nes Leben und Sterben. In immer ver­schie­de­nen Umgang mit der Zeit, die bleibt. Zu Hause hat sich ihre puber­tie­ren­de Tochter längst selbst­stän­dig gemacht. Von früh bis spät ist Ivo in ihrem alten Skoda unter­wegs, den sie zu ihrem per­sön­li­chen Lebensraum gemacht hat. Hier nimmt sie ihre Mahlzeiten zu sich, arbei­tet, singt, flucht und träumt sie. Eine ihrer Patientinnen, Solveigh, ist zu einer engen Freundin gewor­den. Auch zu Solveighs Mann Franz hat Ivo eine Beziehung geknüpft. Tag für Tag arbei­ten sie bei der Pflege von Solveigh zusam­men. Und sie schla­fen mit­ein­an­der. Solveighs Kräfte schwin­den, bald ist sie bei den ein­fachs­ten Verrichtungen auf Unterstützung ange­wie­sen. Die letz­te Entscheidung will sie allei­ne tref­fen. Ivo soll ihr beim Sterben hel­fen.
    „Trobisch spinnt die fik­ti­ve, nah am Halbdokumentarischen erzähl­te Geschichte, in der Schauspieler:innen und ech­tes Fachpersonal auf orga­ni­sche Weise inter­agie­ren, mit eher locke­rem Faden. Vieles bleibt ange­deu­tet, nichts drängt nach dra­ma­tur­gi­scher Zuspitzung. Auch die Affäre mit Franz muss nicht ver­kom­pli­ziert wer­den. Sie wird viel­mehr als eine selbst­ver­ständ­li­che und für bei­de stär­ken­de Verbindung gezeigt, die in einem ganz bestimm­ten Zeitfenster exis­tiert, in dem das Sterben der Freundin und Ehefrau immer auch mit anwe­send ist.
    Ivo ist ein groß­zü­gi­ger und offe­ner Film. Er besteht nicht auf Antworten und Thesen, son­dern stellt viel­mehr unter­schied­li­che Beobachtungen, Fragen und Empfindungen, die mit dem Sterben zu tun haben, neben­ein­an­der: Pragmatismus und inne­rer Aufruhr, das Banale und das Erschütternde, Bewegung und Stillstand. Anders als Jessica Krummacher in Zum Tod mei­ner Mutter (2022) sucht Eva Trobisch nicht nach Abstraktion und Reduktion, son­dern nach Fülle und Gleichzeitigkeit. Gleichwohl ist ihr Realismus nicht auf das blo­ße Abbilden äuße­rer Handlungen beschränkt, son­dern impres­sio­nis­tisch auf­ge­bro­chen und von Ivos Empfindungen und Blicken durch­drun­gen. Die mit einem 16mm-Objektiv auf­ge­nom­me­nen Bilder sind licht­durch­flu­tet und hap­tisch; von den kör­per­li­chen Verfallsprozessen wir­ken sie gänz­lich unbe­rührt. Das Wissen um die Endlichkeit von Leben wirkt wie ein Wahrnehmungsverstärker.“ Esther Buss | Filmdienst

    Credits:

    DE 2024, 104 Min., deut­sche OmeU
    Regie: Eva Trobisch
    Kamera: Adrian Campean
    Schnitt: Laura Lauzemis
    mit Minna Wündrich, Pia Hierzegger, Lukas Turtur

    Trailer:
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  • Sleep With Your Eyes Open

    Sleep With Your Eyes Open

    Ein Film von Nele Wohlatz.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die Erfahrungen, die sie in ihren Jahren in Argentinien und bei ihrem Filmdebut (nach ver­schie­de­nen Werken als Ko-Regisseurin) , dem schö­nen Dokumentarhybrid El Futuro Perfecto mach­te, bil­den die Grundlage für Nele Wohlatz sanft-ver­spiel­ten, traum­haf­ten Spielfilm. Die jun­ge Kai fliegt der Liebe wegen von Taipeh in die bra­si­lia­ni­sche Küstenstadt Recife, aber der Geliebte scheint ver­schol­len. Statt des­sen trifft sie auf eine Vielzahl wei­te­rer Landsleute und auf eine Kiste vol­ler Postkarten mit Aufzeichnungen, die ihre Vorbewohnerin Xiao Xin für ein geplan­tes Buch notier­te.
    Die Menschen hier las­sen sich trei­ben, trotz aller Zerrissenheit ist das Heimweh eben­so wenig aus­ge­prägt wie auf der ande­ren Seite der laten­te Rassismus, der ihnen auch enge­gen­schlägt.
    Die lei­se Komödie vol­ler Missverständnisse folgt kei­ner tra­di­tio­nel­len Dramaturgie. Die Protagonist*innen tau­chen eben­so uner­war­tet auf, wie sie auch wie­der ver­schwin­den. Ihre Arbeit treibt sie manch­mal von einer ihnen unbe­kann­ten Stadt in die nächs­te. Im Laufe eines hei­ßen, lang­sa­men Sommers wach­sen den­noch zar­te Bande zwi­schen ihnen.
    Ein „wun­der­bar spie­le­ri­scher Film über das Leben in der Fremde“ Andreas Busche, Tagesspiegel
    „Meinen ers­ten Spielfilm habe ich mit chi­ne­si­schen Laiendarsteller:innen in Buenos Aires gedreht, aus­schließ­lich an Wochenenden, denn unter der Woche arbei­te­ten alle in chi­ne­si­schen Supermärkten und Importgeschäften. Oft fehl­te am nächs­ten Wochenende jemand, war in eine ande­re Stadt oder ein ande­res Land gezo­gen oder zurück nach China. Eine Darstellerin sag­te zu mir: Ich könn­te jetzt über­all hin­ge­hen und mich anpas­sen, wenn es sein muss. Aber es gibt kei­nen Ort mehr, an den ich gehö­re.“ Nele Wohlatz

    Credits:

    Dormir de olhos aber­tos
    Brazil / Taiwan / Argentina / Germany 2024, 97 Min., Mandarin, Portugiesisch, Spanisch, Englisch OmU
    Regie: Nele Wohlatz
    Kamera: Roman Kasseroller
    Schnitt: Yann-shan Tsai, Ana Godoy
    mit Chen Xiao Xin, Wang Shin-Hong, Liao Kai Ro, Nahuel Pérez Biscayart, Lu Yang Zong

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  • Was uns hält

    Was uns hält

    Ein Film von Daniele Luchetti. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Neapel Anfang der 1980er Jahre. Aldo (Luigi Lo Cascio) hat gera­de sei­ne Kinder Anna und Sandro ins Bett gebracht und ihnen eine Gutenachtgeschichte erzählt. Nun steht er in der Küche neben sei­ner Frau Vanda (Alba Rohrwacher) und gesteht ihr, dass er sie betro­gen hat. Vanda ver­liert den Boden unter den Füßen und weiß nicht, wie sie reagie­ren soll.
    Was bedeu­tet das für sie und die Kinder?
    Dreißig Jahre spä­ter leben Vanda (Laura Morante) und Aldo (Silvio Orlando) immer noch zusam­men, aber viel­leicht haben sie und ihre Kinder, Anna (Giovanna Mezzogiorno) und Sandro (Adriano Giannini) dafür einen hohen Preis gezahlt.

    (…) Denn nicht um kon­kre­te Ereignisse geht es, nicht ums Verlieben oder Verlassen, son­dern um das Zusammenbleiben, trotz allem. Viel psy­cho­lo­gi­scher, viel unter­schwel­li­ger ist die­ser Ansatz eines Beziehungsfilms, viel weni­ger kon­kret, dadurch flüch­ti­ger und schwie­ri­ger in einer nur 100 Minuten kur­zen Erzählung zu fas­sen. Um den Umgang mit Untreue geht es in Was uns hält, um den Versuch, eine Beziehung trotz allem am Leben zu erhal­ten, auch um der Kinder wegen, um Kompromisse, um unvor­her­ge­se­he­ne Folgen, gera­de auch für die nächs­te Generation.“ M. Meyns

    Basierend auf dem Roman «Auf immer ver­bun­den» von Domenico Starnone zeigt Regisseur Daniele Luchetti (Mein Bruder ist ein Einzelkind), wie stark die Bindung der Familie im Guten wie im Schlechten ist – auch wenn die Liebe in neue Richtungen zieht.

    Eine leben­di­ge Ehegeschichte im Ferrante-Stil, das emo­tio­nal har­te, aber raf­fi­niert kon­stru­ier­te Porträt einer Beziehung, die in Zeitlupe zer­bricht. Es ist wie die ita­lie­ni­sche Version von Marriage Story, nur über 40 Jahre gestreckt. Alba Rohrwacher und Luigi Lo Cascio sind als Vanda und Aldo außer­ge­wöhn­lich stark.” (The Times)

    Credits:

    Lacci
    IT 2020, 100 Min., ital. OmU
    Regie: Daniele Luchetti
    Kamera: Ivan Casalgrandi
    Schnitt: Aël Dallier Vega · Daniele Luchetti
    mit Alba Rohrwacher, Luigi Lo Cascio, Laura Morante, Silvio Orlando, Giovanna Mezzogiorno

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  • Auf trockenen Gräsern

    Auf trockenen Gräsern

    Ein Film von Nuri Bilge Ceylan.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Durch die ver­schnei­te Landschaft stapft der Kunstlehrer Samet zu dem Dorf, in dem er nach Ende der Ferien wie­der unter­rich­ten muss. Es ist eine ein­sa­me Gegend irgend­wo in Anatolien, die unter der Winterdecke ruht. Was in den ers­ten Bildern noch Frieden aus­strahlt, wird im Lauf des Films zuneh­mend beklem­mend wir­ken, wie auch Samets Beziehungen zu den ande­ren Menschen an der Schule und im Dorf dop­pel­bö­dig und kom­pli­ziert wer­den. Und natür­lich weiß jeder, dass er vor­hat, sich nach Istanbul ver­set­zen zu las­sen, sobald die Pflichtzeit am Ende der Welt zu Beginn sei­ner Lehrtätigkeit erfüllt ist. Samet hält sich für einen guten und tole­ran­ten Pädagogen, aber als ihm unan­ge­mes­se­nes Verhalten gegen­über zwei Schülerinnen vor­ge­wor­fen wird und der Druck steigt, kommt lang­sam ein ande­rer Charakter zum Vorschein. Komplex, in sich ver­strickt und ein­ge­schlos­sen, ande­re nur unscharf wahr­neh­mend. Eine Person, deren Verfassung typisch ist für Ceylans männ­li­che Hauptfiguren und die in ihrer Unansehnlichkeit den Ausgangspunkt für ein dich­tes Netz von Berührungspunkten und Beziehungen zwi­schen allen Personen bil­det. Wie bereits in sei­nen vor­an­ge­gan­ge­nen Werken ent­wirft Nuri Bilge Ceylan auch in Auf tro­cke­nen Gräsern anhand von indi­vi­du­el­len Lebensgeschichten und ihren Verzahnungen ein Panorama der tür­ki­schen Gesellschaft in ihren unter­schied­li­chen Facetten. Daneben exis­tiert die archa­isch wir­ken­de Landschaft und spielt eine wei­te­re Hauptrolle.

    Auf tro­cke­nen Gräsern lief 2023 im Wettbewerb von Cannes und Merve Dizdar gewann den Preis als bes­te Darstellerin.

    In der Türkei ste­hen sich stän­dig Dualismen gegen­über, wie Gut gegen Böse und Individualismus gegen Kollektivismus. Mein Kunstlehrer glaubt, dass er dem Ende sei­nes Pflichtdienstes in einem abge­le­ge­nen Bezirk in Ostanatolien nahe ist. Er trös­tet sich seit Jahren mit der Hoffnung auf eine Versetzung nach Istanbul. Darin liegt ein span­nen­der Unterschied zwi­schen der Rolle des Gastgebers und des Gastes. Interessiert hat uns auch die men­ta­le Auswirkung von Gefühlen der Entfremdung, der Entfernung von städ­ti­schem Leben und einem Dasein am Rande. Mit wel­chen Problemen sehen sich die Bewohner die­ser länd­li­chen Region kon­fron­tiert – wie prägt sie die Dynamik der geo­gra­fi­schen, eth­ni­schen oder sozia­len Strukturen, in denen sie leben? Auch wenn die Möglichkeit Liebe zu fin­den gege­ben ist, wer­den ver­küm­mern­de Seelen unauf­hör­lich tie­fer in die Isolation getrie­ben durch Vorurteile, das Errichten von Mauern, ver­gan­ge­ne poli­ti­sche Traumata und den unstill­ba­ren Drang, jene, die einem nahe­ste­hen, für eige­ne Fehler büßen zu las­sen. In Regionen, wo Verzweiflung in jedem Gesicht, Erschöpfung in jedem Schritt und Bitterkeit in der Stimme spür­bar ist, wer­den die Spuren des „Schicksals“ beson­ders deut­lich.” Nuri Bilge Ceylan

    Credits:

    TK/FR 2023, 197 Min., türk. OmU
    Regie: Nuri Bilge Ceylan
    Kamera: Cevahİr Şahİn, Kürşat Üresİn
    Schnitt: Oğuz Atabaş, Nuri Bilge Ceylan
    Kamera: Cevahİr Şahİn, Nuri Bilge Ceylan
    mit: Deniz Celiloğlu, Merve Dizdar, Musab Ekici

    Trailer:
    Auf tro­cke­nen Gräsern, Trailer OmdU
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  • Ivo

    Ivo

    Ein Film von Eva Trobisch. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ivo arbei­tet als ambu­lan­te Palliativpflegerin. Täglich fährt sie zu Familien, Eheleuten und Alleinstehenden. In klei­ne Wohnungen und in gro­ße Häuser. In immer ver­schie­de­nes Leben und Sterben. In immer ver­schie­de­nen Umgang mit der Zeit, die bleibt. Zu Hause hat sich ihre puber­tie­ren­de Tochter längst selbst­stän­dig gemacht. Von früh bis spät ist Ivo in ihrem alten Skoda unter­wegs, den sie zu ihrem per­sön­li­chen Lebensraum gemacht hat. Hier nimmt sie ihre Mahlzeiten zu sich, arbei­tet, singt, flucht und träumt sie. Eine ihrer Patientinnen, Solveigh, ist zu einer engen Freundin gewor­den. Auch zu Solveighs Mann Franz hat Ivo eine Beziehung geknüpft. Tag für Tag arbei­ten sie bei der Pflege von Solveigh zusam­men. Und sie schla­fen mit­ein­an­der. Solveighs Kräfte schwin­den, bald ist sie bei den ein­fachs­ten Verrichtungen auf Unterstützung ange­wie­sen. Die letz­te Entscheidung will sie allei­ne tref­fen. Ivo soll ihr beim Sterben hel­fen.
    „Trobisch spinnt die fik­ti­ve, nah am Halbdokumentarischen erzähl­te Geschichte, in der Schauspieler:innen und ech­tes Fachpersonal auf orga­ni­sche Weise inter­agie­ren, mit eher locke­rem Faden. Vieles bleibt ange­deu­tet, nichts drängt nach dra­ma­tur­gi­scher Zuspitzung. Auch die Affäre mit Franz muss nicht ver­kom­pli­ziert wer­den. Sie wird viel­mehr als eine selbst­ver­ständ­li­che und für bei­de stär­ken­de Verbindung gezeigt, die in einem ganz bestimm­ten Zeitfenster exis­tiert, in dem das Sterben der Freundin und Ehefrau immer auch mit anwe­send ist.
    Ivo ist ein groß­zü­gi­ger und offe­ner Film. Er besteht nicht auf Antworten und Thesen, son­dern stellt viel­mehr unter­schied­li­che Beobachtungen, Fragen und Empfindungen, die mit dem Sterben zu tun haben, neben­ein­an­der: Pragmatismus und inne­rer Aufruhr, das Banale und das Erschütternde, Bewegung und Stillstand. Anders als Jessica Krummacher in Zum Tod mei­ner Mutter (2022) sucht Eva Trobisch nicht nach Abstraktion und Reduktion, son­dern nach Fülle und Gleichzeitigkeit. Gleichwohl ist ihr Realismus nicht auf das blo­ße Abbilden äuße­rer Handlungen beschränkt, son­dern impres­sio­nis­tisch auf­ge­bro­chen und von Ivos Empfindungen und Blicken durch­drun­gen. Die mit einem 16mm-Objektiv auf­ge­nom­me­nen Bilder sind licht­durch­flu­tet und hap­tisch; von den kör­per­li­chen Verfallsprozessen wir­ken sie gänz­lich unbe­rührt. Das Wissen um die Endlichkeit von Leben wirkt wie ein Wahrnehmungsverstärker.“ Esther Buss | Filmdienst

    Credits:

    DE 2024, 104 Min., deut­sche OmeU
    Regie: Eva Trobisch
    Kamera: Adrian Campean
    Schnitt: Laura Lauzemis
    mit Minna Wündrich, Pia Hierzegger, Lukas Turtur

    Trailer:
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