Porträt einer jungen Frau in Flammen (OmU)

Ein Film von Céli­ne Sciam­ma.

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Nach ihren drei aktu­el­len Com­ing-of-Age-Fil­men Water Lil­lies, Tom­boy und Ban­de de fil­les wagt sich Celi­ne Sciam­ma mit Por­trät einer jun­gen Frau in Flam­men an einen „wun­der­bar unkos­tü­miert wir­ken­den“ (Die Zeit) Kos­tüm­film – und gewinnt. Im Wett­be­werb der Film­fest­spie­le von Can­nes bekam sie nicht nur eupho­ri­sche Reak­tio­nen von Pres­se und Publi­kum, son­dern auch den Preis für das bes­te Dreh­buch, obwohl die Süd­deut­sche Zei­tung schrieb: „ihr Film war so durch und durch unge­wöhn­lich und groß­ar­tig, dass er auch jeden ande­ren Preis ver­dient hät­te.“

Ende des 18. Jahr­hun­derts, auf einer abge­le­ge­nen Insel in der Bre­ta­gne: Die geschäfts­tüch­ti­ge Male­rin Mari­an­ne (Noé­mie Mer­lant) soll ein Hoch­zeit­s­por­trät der ade­li­gen Héloï­se (Ade­n­el Haen­el) anfer­ti­gen. Das muss aller­dings heim­lich gesche­hen, denn Héloï­se will gar nicht hei­ra­ten und wei­gert sich zu posie­ren. Also gibt sich Mari­an­ne als Gesell­schaf­te­rin aus. Sie beob­ach­tet ihr Sujet bei lan­gen gemein­sa­men Spa­zier­gän­gen und malt Héloï­se spä­ter aus dem Gedächt­nis. Dabei kom­men die bei­den Frau­en ein­an­der näher. Als das Por­trät fer­tig ist, gesteht Mari­an­ne den eigent­li­chen Inhalt ihres Auf­trags. Héloï­se aber ist mit dem Bild unzu­frie­den und for­dert die Künst­le­rin her­aus, es noch ein zwei­tes Mal zu ver­su­chen.

Die fran­zö­si­sche Regis­seu­rin Céli­ne Sciam­ma hat mit ihrem Film die gro­ßen The­men der Moder­ne – indi­vi­du­el­les Begeh­ren, weib­li­che Eman­zi­pa­ti­on, bür­ger­li­che Gleich­heit – im Rah­men einer berüh­ren­den Lie­bes­ge­schich­te in Sze­ne gesetzt. Ein per­fek­tes Dreh­buch und bril­lan­te Haupt­dar­stel­le­rin­nen machen den Film selbst zu einem beweg­ten Gemäl­de, bei dem Form und Inhalt zusam­men­kom­men: Bli­cke prä­gen die Bezie­hun­gen, und Bezie­hun­gen prä­gen die Bli­cke.

In der kur­zen Zeit, die Mari­an­ne und Héloï­se gemein­sam haben, ver­wirk­li­chen sie eine Art Uto­pia, in dem Sub­jekt und Objekt ein­an­der als Glei­che begeg­nen und Klas­sen­un­ter­schie­de vor­über­ge­hend auf­ge­ho­ben sind – auch das Dienst­mäd­chen Sophie ist ein Teil die­ser neu­en Gesell­schaft. Und auch wenn es für die Prot­ago­nis­tin­nen in ihrer Zeit kein »Hap­py End« im kon­ven­tio­nel­len Sinn geben kann, so sind sie am Ende doch nicht an einer unmög­li­chen Lie­be zer­bro­chen, son­dern um die Erfah­rung einer mög­li­chen Lie­be rei­cher.“
Film des Monats Okto­ber der evang. Film­ar­beit

 

 

Credits:

Por­trait de la jeu­ne fil­le en feu
FR 2019, 113 Min., frz. OmU
Regie & Buch: Céli­ne Sciam­ma
Kame­ra: Clai­re Mathon
Schnitt: Juli­en Lacher­ay
mit: Noé­mie Mer­lant, Adè­le Haen­el, Vale­ria Goli­no

Ter­mi­ne:

So., 22. Dez.: