Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen (OmU)

Ein Film von Radu Jude.

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Das selbst­be­wuss­te Zitat stammt vom rumä­ni­schen Dik­ta­tor Ion Anto­nes­cu, der sich 1940 zum Füh­rer und Mar­schall des König­reichs Rumä­ni­en ernannt hat­te und bis 1944 für den rumä­ni­schen Anteil am Holo­caust ver­ant­wort­lich war. Mehr als 300.000 Juden und mehr als 20.000 Roma wur­den in die­ser Zeit ermor­det, bis Anto­nes­cu auf­grund anhal­ten­der mili­tä­ri­scher Miss­erfol­ge Titel und Ämter ver­lor und sich selbst einem Exe­ku­ti­ons­kom­man­do gegen­über sah. In der post­kom­mu­nis­ti­schen Zeit stand der Schläch­ter wie­der auf, als natio­na­ler Held gefei­ert, mit Denk­mä­lern geehrt, viel­fach als Stra­ßen­na­me ver­ewigt.

Radu Jude stellt schon mit dem Titel klar, dass er sei­nen Film als def­ti­ge Insze­nie­rung gegen die Ver­drän­gung der Ver­gan­gen­heit ver­steht. Die Schau­spie­le­rin Ioana Iacob tritt vor die Kame­ra und wünscht den Zuschaue­rIn­nen viel Spaß, dann schlüpft sie in die Rol­le der Thea­ter­re­gis­seu­rin Maria­na Marin, die ein Ree­nac­t­ment des Mas­sa­kers an der jüdi­schen Bevöl­ke­rung von Odes­sa 1941 probt. Auf dem Gelän­de eines Mili­tär­mu­se­ums, zwi­schen aus­ge­stell­ten Waf­fen und Uni­for­men. Auf dem Frei­ge­län­de ros­ten Pan­zer vor sich hin, dazwi­schen wuseln die Akteu­re in Uni­form, die Kul­tur­funk­tio­nä­re, die den Tabu­bruch fürch­ten, die Tech­ni­ker mit prak­ti­schen Pro­ble­men. Und alle ande­ren. Radu Judes bis­her bes­ter Film ver­schmilzt die­sen Bie­nen­schwarm mit einer Rei­se zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Zukunft zu einer ful­mi­nan­ten Gro­tes­ke. Je län­ger die Ver­gan­gen­heit ver­gan­gen ist, des­to grö­ßer die Gefahr der Wie­der­ho­lung, weil sie weder ver­gan­gen ist noch reflek­tiert wur­de.

 

Credits:

RO, BG, DE, FR 2018, 140 Min.,
rum.OmU
Regie, Buch: Radu Jude
Kame­ra: Mari­us Pan­d­u­ru
Schnitt: Cătă­lin Cris­tuţiu
mit: Ioana Iacob, Alex­an­dru Dabi­ja, Alex Bog­dan

Ter­mi­ne:

Sa., 22. Jun.:So., 23. Jun.: