JFBB 2017: Praise the Lard

Denkt man an jüdische Gerichte, kommen viele leckere Sachen in den Sinn, doch eins kaum: Schweinefleisch. Die koschere Tradition im Judentum verbietet den Verzehr, ja sogar die Zucht von Schweinen. Trotzdem gibt es in Israel seit der Staatsgründung eine florierende Schweinefleischindustrie, wenn auch gegen viele Widerstände. Regisseur Chen Shelach ist im Kibbuz Mizra aufgewachsen, dem größten Schweinefleischproduzenten des Landes. Wie in den meisten Kibbbuzim hatten sich dessen Gründer gegen die religiösen Traditionen gestellt, eine säkulare Kollektiv-Gemeinschaft gebildet und sich als „neue Juden“ verstanden, die das Land in eine goldene Zukunft führen. Es ist ein Kulturkampf, den Shelach hier zeigt, zwischen den modernen, liberal-säkularen Juden und den orthodoxen Juden, die eine Enttabuisierung als Versuch sehen, das Judentum zu zerstören und ihn mit allen Mitteln bekämpfen. Doch wie konnte ein simples Nutztier zum zentralen Tabu der jüdischen Tradition und zugleich zu einem der wichtigsten Symbole für das Grundrecht auf freie Wahl werden? In sehr erhellenden Interviews von wichtigen Protagonisten beider Seiten und erstaunlichem Archivmaterial beleuchtet Shelach eine faszinierende, aber wenig bekannte Facette der israelischen Gesellschaft.
mit Gast

Israel 2016, Dokumentarfilm,
60 min, hebräisch/englisch mit englischen Untertiteln

Regie: Chen Shelach

Im Doppelprogramm mit: The Chop