Insel der hungrigen Geister (OmU) – mit Gast

Ein Film von Gabri­el­le Bra­dy. Am 27.10. mit anschlie­ßen­dem Film­ge­spräch mit der Regis­seu­rin.

[Credits] [Ter­mi­ne] [Trai­ler]

Vor der Küs­te Indo­ne­si­ens liegt die von Aus­tra­li­en ver­wal­te­te, rund 2000 Ein­woh­ner zäh­len­de Weih­nachts­in­sel, deren Gebiet zur Hälf­te als Natio­nal­park aus­ge­wie­sen ist. Die Mil­lio­nen dort leben­den Krab­ben bege­ben sich jähr­lich auf die Rei­se aus dem Inne­ren des Dschun­gels zum Meer, ein vom Voll­mond seit Urzei­ten bestimm­tes Natur­spek­ta­kel.

Auf die­sem para­die­si­schen Eiland hat die aus­tra­li­sche Regie­rung ein soge­nann­tes „Detenti­on Center“-Lager errich­tet, das nur der Abschre­ckung dient. Hier sind die Asyl­su­chen­den qua­si recht­los und ver­lie­ren ihre letz­ten Hoff­nun­gen. Die Trau­ma­the­ra­peu­tin Poh Lin Lee ver­sucht, ihre ver­letz­ten See­len zu hei­len, oder zumin­dest vor wei­te­rem Scha­den zu bewah­ren.

Die ursprüng­lich aus Chi­na stam­men­den Ein­hei­mi­schen ver­an­stal­ten jedes Jahr ihre „Hungry Ghost“ Ritua­le. Sie brin­gen Opfer­ga­ben, um die ein­sa­men See­len derer, die ohne Begräb­nis star­ben, zu besänf­ti­gen. Von ihnen heißt es, sie irr­ten auf der Suche nach einer Hei­mat des Nachts durch den Dschun­gel.

Dem hybri­den Film gelingt es, das unsicht­ba­re Zusam­men­spiel von Traum und Trau­ma zu erfas­sen. Licht und Schat­ten, Far­ben und Geräu­sche, stil­les Lau­schen und ein­dring­li­che Beob­ach­tun­gen erzäh­len auf unmit­tel­ba­re Wei­se, wozu Men­schen fähig sind. Sie errich­ten Orte der Ver­zweif­lung, wo selbst die Helfer*innen an ihrer Hilf­lo­sig­keit zu zer­bre­chen dro­hen. Wäh­rend Poh-Lin beob­ach­tet, wie sich der Zustand ihrer Kli­en­ten rapi­de ver­schlech­tert, wer­den ihrer Arbeit immer mehr Stei­ne in den Weg gelegt.

» „Hybrid docu­men­ta­ry“ nennt Bra­dy das Gen­re, in dem sie hier die Gren­zen eines Para­die­ses erkun­det, das für Asyl­su­chen­de eine rea­le Höl­le wur­de. … Die Trau­ma­the­ra­peu­tin Poh Lin Lee, von deren Arbeit mit Geflüch­te­ten der Film so berüh­rend erzählt, ist eine Freun­din der Regis­seu­rin. Was auf den ers­ten Blick aus­sieht wie eine bril­lant insze­nier­te, krab­ben­rei­che Fik­ti­on, ist tat­säch­lich fast zur Gän­ze aus doku­men­ta­ri­schem Mate­ri­al mon­tiert.«
Robert Weixlbau­mer / Vien­na­le

 
Credits:

DE/GB/AU 2018, 94 Min., eng­li­sche OmU
Regie und Buch: Gabri­el­le Bra­dy
Kame­ra: Micha­el Lat­ham
Schnitt: Katha­ri­na Fied­ler

Ter­mi­ne:

So., 27. Okt.: