Congo calling (OmU) – mit Gast

Ein Film von Ste­phan Hil­bert.  Am 23.8. mit anschlie­ßen­dem Film­ge­spräch.

[Credits] [Ter­mi­ne] [Trai­ler]

Mit gut 500.000 Ein­woh­nern ist Goma im 80 Mil­lio­nen Ein­woh­ner Land Demo­kra­ti­sche Repu­blik Kon­go eher eine Klein­stadt. Doch durch die Lage im äußers­ten Osten des Lan­des, ein paar Kilo­me­ter von Ruan­da, aber sehr weit von der Haupt­stadt Kin­sha­sa ent­fernt, ist Goma das, was man gern ein „hei­ßes Pflas­ter“ nennt.

Wäh­rend des Bür­ger­kriegs in Ruan­da flo­hen Hun­dert­tau­sen­de in die Regi­on. Auch die Krie­ge im Kon­go selbst desta­bi­li­sier­ten den Osten des Lan­des, dazu kamen diver­se Natur­ka­ta­stro­phen, etwa der Aus­bruch eines Vul­kans, der Anfang der Nul­ler Jah­re wei­te Tei­le der Stadt zer­stör­te. Anders gesagt: Goma ist idea­ler Platz für west­li­che Ent­wick­lungs­hil­fe, die seit Jahr­zehn­ten vor Ort aktiv ist und sich bemüht, zu hel­fen.

Drei die­ser Hel­fer ste­hen im Mit­tel­punkt von Ste­phan Hil­berts Doku­men­ta­ti­on „Con­go Cal­ling“, die als Abschluss­film an der Hoch­schu­le für Fern­se­hen und Film Mün­chen begann und in Zusam­men­ar­beit mit dem ZDF Klei­nes Fern­seh­spiel been­det wur­de. Aus­gangs­punkt war die Freund­schaft zwi­schen Hil­bert und einem sei­ner Prot­ago­nis­ten, dem spa­nisch-fran­zö­si­schen Wis­sen­schaft­ler Raul, den er vor Ort und bei sei­nen For­schungs­pro­jek­ten besuch­te. Schon hier zeig­te sich die Schwie­rig­keit, mit erheb­li­chen Geld­mit­teln aus­ge­stat­tet, in eines der ärms­ten und auch kor­rup­tes­ten Län­der der Welt zu kom­men und zu ver­su­chen auf Augen­hö­he For­schung zu betrei­ben.

TAF – This is Afri­ka, sagen west­li­che Ent­wick­lungs­hel­fer oft resi­gniert zu die­sen Struk­tu­ren, mit denen sie umge­hen müs­sen, wenn sie denn vor Ort blei­ben und etwas bewir­ken wol­len. Und die aller­meis­ten wol­len unbe­dingt etwas bewir­ken, sind getrie­ben von einer oft kaum erklär­li­chen, auch irra­tio­na­len und mög­li­cher­wei­se auch von Kli­schee­vor­stel­lun­gen getrie­be­nen Fas­zi­na­ti­on für Afri­ka, die sie vie­les hin­neh­men lässt.

Dazu mag man auch den Deut­schen Peter zäh­len, der mit 65 Jah­ren zu alt für einen Pos­ten in den Struk­tu­ren der deut­schen Ent­wick­lungs­hil­fe ist, aber den­noch unbe­dingt im Land blei­ben will. Die drit­te im Bund ist schließ­lich die Bel­gie­rin Anne-Lau­re, die nach Jah­ren in der Ent­wick­lungs­po­li­tik nun ein Musik­fes­ti­val orga­ni­siert, vor allem aber mit einem ein­hei­mi­schen Regime­kri­ti­ker liiert ist, der immer wie­der Pro­ble­me mit dem auto­kra­ti­schen Regime bekommt.

Über Jah­re hat Hil­pert die­ses Trio vor Ort, sozu­sa­gen im Feld beglei­tet und beob­ach­tet und aus die­sem Mate­ri­al einen Film geformt, der im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes eine Doku­men­ta­ti­on ist. Ohne schon im Vor­feld gepla

ntes Ergeb­nis film­te Hil­bert, zeigt die Ent­wick­lungs­hel­fer bei ihrer Arbeit, ihre Begeg­nun­gen mit Ein­hei­mi­schen, die schö­nen und weni­ger schö­nen Sei­ten des Ver­suchs, Hil­fe zu leis­ten. Kei­ne dezi­dier­te Kri­tik an der inzwi­schen stark umstrit­te­nen Form west­li­cher Ent­wick­lungs­hil­fe, die all­zu oft pro­ble­ma­ti­sche Abhän­gig­keits­struk­tu­ren erzeugt, ist „Con­go Cal­ling“, son­dern das viel­schich­ti­ge Por­trät drei­er Men­schen. So ähn­lich wie die Grün­de gewe­sen sein mögen, in den Kon­go zu gehen, so unter­schied­lich sind die Erfah­run­gen des Tri­os, die Hil­bert in sei­ner zudem stark gefilm­ten Doku­men­ta­ti­on beschreibt. Ein bemer­kens­wert sou­ve­rä­ner Film, genau beob­ach­tet und ohne vom fal­schen Ver­spre­chen geprägt, alle Ant­wor­ten auf die Fra­gen zu ken­nen, die er auf­wirft.

Micha­el Meyns | programmkino.de

 
Credits:

DE 2019, 90 Min., OmU
Regie: Ste­phan Hil­bert
Kame­ra: Dani­el Samer
Schnitt: Miri­am Märk 

Ter­mi­ne:

Fr., 23. Aug.:Sa., 24. Aug.:So., 25. Aug.:Mo., 26. Aug.:Di., 27. Aug.:Mi., 28. Aug.:Sa., 31. Aug.:So., 1. Sep.: