Carmine Street Guitars (OmU) – mit Live Gitarrenbau Performance

Ein Film von Ron Mann.

→ Am Sonn­tag, den 1. Sep­tem­ber gibt es bei uns im fsk-Kino die beson­de­re Mög­lich­keit, nach dem Film Gitar­ren­bau live zu erle­ben. Die „Sai­ten­rei­ter” Jens Wal­ter und Karl Vier­hel­ler aus Kreuz­berg zei­gen uns mit ihrer mobi­len Werk­statt, wie das geht, beant­wor­ten ger­ne Fra­gen und sind bereit zum mehr oder weni­ger fach­li­chen Plau­dern. Pas­sen­der­wei­se haben sie gera­de sel­ber Gitar­ren aus gebrauch­tem Holz gefer­tigt – mit alten Boh­len aus dem St.-Pauli-Stadion am Mill­ern­tor.

[Credits] [Ter­mi­ne] [Trai­ler]

Fast alle Gitar­ren, die Rick Kel­ly her­stellt fol­gen den klas­si­schen, wei­chen For­men der Fen­der Tele­cas­ter, einer legen­dä­ren Gitar­re aus den 50er Jah­ren. Doch was Kel­lys Gitar­ren so beson­ders macht ist ihre Indi­vi­dua­li­tät. Jede Gitar­re ist aus beson­de­rem, ein­zig­ar­ti­gen Holz gebaut, das Kel­ly oft in ver­fal­le­nen Häu­sern oder gar Abfall­con­tai­nern sei­ner Hei­mat­stadt New York auf­tut.

Man könn­te also sagen, dass die Gitar­ren von Rick Kel­ly ein Stück von New York in sich tra­gen und damit von all den Geschich­ten, Legen­den und Men­schen, die die ame­ri­ka­ni­sche Ost­küs­ten Metro­po­le präg­ten. So eine Geschich­te ist längst auch das Geschäft, das Kel­ly seit den 70er Jah­ren in der Car­mi­ne Street im Bohemi­an Vier­tel Green­wich Vil­la­ge betreibt.

Voll gestopft mit Gitar­ren und Zube­hör ist Car­mi­ne Street Gui­tars ein Mek­ka für Musi­ker, von Ama­teu­ren bis Legen­den, die oft ein Jahr auf eine Maß­an­fer­ti­gung war­ten. Im Lau­fe der gera­de ein­mal 80 Minu­ten kur­zen Doku­men­ta­ti­on von Ron Mann geben sich bekann­te Musi­ker die Klin­ke in die Hand. Sicher nicht zufäl­lig sind sie alle in der einen Woche zu Besuch, die der Film vor­geb­lich beschreibt, auch wenn die Dreh­ar­bei­ten frag­los län­ger gedau­ert haben. Ein wenig bemüht wirkt die­ses Kon­strukt in Momen­ten, doch spä­tes­tens wenn die Musi­ker eine von Kel­lys Gitar­ren in der Hand hal­ten und die ers­ten Akkor­de erklin­gen, ist jede Ver­krampft­heit ver­ges­sen.

Jamie Hin­ce von den Kills schaut etwa vor­bei und erzählt von sei­ner lin­ken Hand, die nach einem Auto­un­fall kaum noch funk­ti­ons­fä­hig ist; Ste­wart Hur­wood, Freund und Gitar­ren-Tech­ni­ker von Lou Reed spielt Pas­sa­gen aus dem Vel­vet Under­ground-Klas­si­ker Venus in Furs und erin­nert sich an die alle auf den glei­chen Ton gestimm­ten Sai­ten, die Reed bevor­zug­te; oder Len­ny Kaye, der in Pat­ti Smiths Band spielt oder Char­lie Sext­on aus Bob Dyl­ans Band oder oder oder…Aus fil­mi­scher Sicht bekann­tes­ter Besu­cher ist Jim Jar­musch, der mit Kel­ly über bevor­zug­te Holz­ar­ten fach­sim­pelt und sei­ne akus­ti­sche Gitar­re von der Repa­ra­tur abholt.

Neben Kel­ly arbei­ten sei­ne Mut­ter Doro­thy im Geschäft, die auch mit ihren 93 Jah­ren noch die Büro­ar­beit erle­digt, dazu die jun­ge, was­ser­stoff­blon­de Cin­dy Hulej, die seit Jah­ren das Hand­werk von Kel­ly lernt, vor allem aber Gitar­ren­kör­per und ‑häl­se mit auf­wän­di­gen Gra­vu­ren ver­sieht, deren Pho­tos auf Insta­gram für Auf­se­hen sor­gen.

Doch die Idyl­le könn­te in den nächs­ten Jah­ren ver­schwin­den, denn wie so vie­le ähn­li­che klei­ne Geschäf­te in New York und den meis­ten ande­ren Städ­ten der Welt, sieht sich auch Car­mi­ne Street Gui­tars von der Gen­tri­fi­zie­rung bedroht. Auch das New Yor­ker Green­wich Vil­la­ge ver­wan­delt sich rapi­de, Häu­ser wer­den auf­ge­kauft, ursprüng­li­che Geschäf­te von Ket­ten ver­drängt. Doch noch hält Rick Kel­ly die Stel­lung und baut uner­müd­lich wei­ter Gitar­ren, die sei­ne pro­mi­nen­te Kund­schaft zu musi­ka­li­schen Hoch­leis­tun­gen trei­ben. Soll­te sein Geschäft einst ver­schwun­den sein, wer­den die Gitar­ren blei­ben – und nun auch Ron Manns ent­spann­te, zurück­ge­nom­men Doku­men­ta­ti­on.

Micha­el Meyns | programmkino.de

 

Credits:

USA 2018, 81 Min., engl. OmU
Regie: Ron Mann
Buch: Len Blum
Kame­ra: Becky Par­sons, John M. Tran
Schnitt: Robert Ken­ne­dy

Ter­mi­ne:

Do., 29. Aug.:Fr., 30. Aug.:Sa., 31. Aug.:So., 1. Sep.:Mo., 2. Sep.:Di., 3. Sep.:Mi., 4. Sep.: