Asche ist reines Weiß (OmU)

Ein Film von Jia Zhang-Ke.

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Fast ein wenig lang­wei­lig ist es, die Fil­me von Jia Zhang-Ke Meis­ter­wer­ke zu nen­nen, doch was will man machen?(Micha­el Meyns |programmkino.de)

Qiao (Zhao Tao) ist weib­li­ches Mit­glied einer Gemein­schaft mit aus­ge­präg­ten mafiö­sen Struk­tu­ren, dem soge­nann­ten Jiang-Hu-Milieu – eine rei­ne Män­ner­ge­sell­schaft mit star­ren, ritu­el­len und bru­ta­len Regeln. Im Ver­lauf einer Aus­ein­an­der­set­zung mit einem ver­fein­de­tem Clan ret­tet sie ihrem Gelieb­ten Bin (Liao Fan) das Leben, wird ver­haf­tet und ver­büßt aus Loya­li­tät und Lie­be zu ihm eine fünf­jäh­ri­ge Haft­stra­fe. Nach ihrer Ent­las­sung reist sie Bin in den Süden Chi­nas hin­ter­her, der inzwi­schen mit einer ande­ren Frau zusam­men ist.

Der Film spielt in der Zeit­span­ne von 2001 bis 2018. Er ist dar­in ein­ge­bet­tet und im Grun­de nicht vor­stell­bar ohne den zeit­li­chen und poli­ti­schen Hin­ter­grund. Die Erzäh­lung ist unauf­lös­lich dar­in ver­zahnt. Die Figu­ren schei­nen ori­en­tie­rungs­los und ent­wur­zelt zu sein, als ob ein­zig ihre insta­bi­le Par­al­lel­welt ihnen noch Halt bie­ten könn­te. Nicht umsonst spielt ein Teil des Films im Stau­damm­ge­biet am Jang­tse­kiang im Jahr 2006, in einer Welt, die kurz dar­auf ver­schwun­den sein wird:

Die rie­si­gen Wohn­häu­ser, die hier kilo­me­ter­lang das Ufer säu­men, wird es irgend­wann, sobald die Schleu­sen geöff­net wer­den, nicht mehr geben. Ein Ort mit einer Halb­werts­zeit, ein Ort, der nie rich­tig ent­ste­hen konn­te, weil er immer schon im Ster­ben lag. Die gigan­ti­schen natio­na­len Bau­pro­jek­te der Regie­rung set­zen hier eine gan­ze Welt aufs Spiel, eine Welt mit schwa­chen Wur­zeln, eine Welt mit fest­ge­leg­ter Dau­er.

Die­se Epi­so­de aus Jias drei­ak­ti­gem Film ist die mit Abstand ein­drück­lichs­te. Hier ver­wächst sich Qia­os per­sön­li­che Geschich­te am schöns­ten und zugleich gespens­tischs­ten mit dem poli­ti­schen Raum, in den sie ihre Ker­ben schlägt. Ihr ent­wur­zel­ter Zustand zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Zukunft kor­re­liert mit einem Raum, der aus kei­ner sta­bi­len Ver­gan­gen­heit her­aus ent­stand und dem kei­ne Zukunft in Aus­sicht gestellt ist.”
(Lukas Stern/critic.de)

 
Credits:

CN/FR 2018, 141 Min., chin. OmU
Regie: Jia Zhang-Ke
Kame­ra: Eric Gau­tier
Schnitt: Mat­t­hieu Laclau
mit: Tao Zhao, Fan Liao, Zheng Xu, Cas­per Liang

 
Ter­mi­ne:

Mo., 22. Apr.:So., 28. Apr.: