Angelo (OmU)

Ein Film von Mar­kus Schlein­zer.

[Credits] [Ter­mi­ne] [Trai­ler]

Ihr ers­ter gro­ßer Sieg auf dem Weg, Mensch zu wer­den.“ lobt die Com­tess den Jun­gen nach sei­nem Flö­ten­vor­trag, und sie meint das durch­aus aner­ken­nend. Der Jun­ge, den sie auf­zieht, dem sie Manie­ren und Kuschen bei­bringt und eine sprach­lich-musi­ka­li­sche Aus­bil­dung zukom­men lässt, wur­de vor­her nach ihrem Wunsch auf den Namen Ange­lo getauft, und noch frü­her mit vie­len ande­ren Lei­dens­ge­nos­sen aus sei­ner afri­ka­ni­schen Hei­mat ver­schleppt, um in Euro­pa ver­kauft zu wer­den. Der jetzt Ange­lo genann­te kommt im Höfi­schen unter, wo er als „edler Wil­der“ durch­ge­reicht wird. Schlau genug jedoch zu erken­nen, dass es ihn als Skla­ve viel schlim­mer hät­te tref­fen kön­nen, lässt er vie­les über sich erge­hen, schweigt bei Tafel, hört zu und lernt. Schließ­lich nutzt er die Lust an der Exo­tik sei­nes Publi­kums, des­sen Pro­jek­ti­ons­fi­gur er per­fekt ver­kör­pert, zu sei­nem Vor­teil, ver­in­ner­licht aber nach und nach sei­nen Stand als „Hof­mohr“. Zudem ist ihm natür­lich kei­ner­lei Abwei­chung von den Erwar­tun­gen und Regeln erlaubt. Nach­dem die heim­li­che Hei­rat mit einer wei­ßen Ange­stell­ten auf­fliegt, beraubt man ihm sei­ner Pri­vi­le­gi­en und ent­lässt ihn in die „Frei­heit“, wo er durch sei­ne Haut­far­be immer als Außen­sei­ter wahr­ge­nom­men wer­den wird.

Lose ange­lehnt als die Geschich­te von Ange­lo Soli­man (1721–1796), der es in Wien als Vor­zei­ge­ob­jekt zu eini­ger Bekannt­heit brach­te, hat Schlein­zer (Micha­el) eine klu­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit Kolo­nia­lis­mus und den Fol­gen geschaf­fen. In kunst­vol­len Tableaus erzählt er von den vie­len Facet­ten des euro­zen­tri­schen Ras­sis­mus und über­führt die fal­sche soge­nann­te Tole­ranz. Das Schick­sal von Ange­lo Soli­man wird damit stell­ver­tre­tend für den Umgang Euro­pas mit ‚dem Ande­ren‘. Ein hoch­ak­tu­el­ler Stoff, der hier in einer kunst­fer­ti­gen und ana­ly­tisch schar­fen Bil­der­welt auf­geht und ein wei­te­rer Beweis für die außer­ge­wöhn­li­che Eigen­sin­nig­keit des öster­rei­chi­schen Kinos.

 

 
Credits:

AT/LU 2018, 111 Min., fran­zö­sisch-deut­sche OmU-Fas­sung
Regie: Mar­kus Schlein­zer
Kame­ra: Gerald Ker­kletz
Schnitt: Pia Dumont
mit: Maki­ta Sam­ba, Alba Rohr­wa­cher, Lari­sa Faber, Ken­ny Nzo­gang, Lukas Miko

Ter­mi­ne:

So., 8. Dez.:So., 15. Dez.:
  • Ange­lo (OmU) um 11:45
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    Trai­ler: