Conducta – OmU

conducta

Der elf­jäh­rige Chala wächst bei sei­ner dro­gen­süch­ti­gen Mut­ter auf und muss mit mehr oder min­der lega­len Jobs zum Lebens­un­ter­halt bei­tra­gen, zum Bei­spiel indem er einem Nach­barn, der viel­leicht sogar sein Vater ist, Hunde auf­zie­hen und für blu­tige Wett­kämpfe abrich­ten hilft. Kein Wun­der, fällt er den Behör­den und ande­ren Auf­sichts­per­so­nen immer wie­der nega­tiv auf. Durch seine Lebens­um­stände zwar gewieft, doch nicht abge­stumpft, bewegt er sich zusam­men mit sei­nen Freun­den in den lär­mig bun­ten Stras­sen Havan­nas wie ein Fisch im Was­ser. In der Schule ist er nie um einen Spruch ver­le­gen, in Aus­ein­an­der­set­zun­gen bleibt er hart, doch but­ter­weich, wenn es um seine Mut­ter, seine heim­li­che Liebe zu Yeni oder seine ver­ehrte Leh­re­rin Car­mela geht.

Car­mela, seine eigent­lich schon pen­sio­nierte Leh­re­rin, steht dem Jun­gen mit ihrer Lebens­klug­heit bei­seite, deckt ihn bei brenz­li­gen Situa­tio­nen, spricht mit ihm, nicht ohne gleich­zei­tig den Eltern ins Gewis­sen zu reden, sich bes­ser um ihn zu küm­mern. Als sie nach einem Zusam­men­bruch län­ger aus­fällt, beschließt das Schul­team, dass Chala in ein Erzie­hungs­heim muss. Gegen die­sen Ent­scheid und andere Ver­än­de­run­gen an der Schule wehrt sich Car­mela bei ihrer Rück­kehr vehe­ment, auch wenn damit ihr eige­nes Ver­blei­ben an der Schule auf dem Spiel steht.

Die Erzie­hung ist für jedes Land von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung. Wie die Bil­dung in einem Land struk­tu­riert ist, auf wel­che Kri­te­rien sie sich stellt, bestimmt zu einem gro­ßen Aus­maß die Gesell­schaft, die wir in der Zukunft haben wer­den. In Bezug auf Kuba inter­es­sierte uns beson­ders die Auf­gabe der Lehr­kraft im ursprüng­li­chen Sinn. Der Leh­rer oder die Leh­re­rin ist jemand, der das Wis­sen einer bestimm­ten Mate­rie ver­mit­teln kann, der umfas­sende Päd­agoge gibt dar­über hin­aus Werte und Gefühle wei­ter, was im Film über die Figur von Car­mela auf­ge­grif­fen wird. Die­ser Typ von Schul­leh­rer ist welt­weit in Krise, wie wir fest­stel­len konn­ten. Bil­dungs­sys­teme grün­den heute
Mecha­nis­men, die zwar in jedem Land eine eigene Aus­prä­gung haben, diese Funk­tion aber ten­den­zi­ell zuneh­mend beschnei­den. Im Inter­esse der ein­zel­nen Gesell­schaft wer­den eine Reihe von Kri­te­rien auf­ge­stellt, die den Hand­lungs­spiel­raum des klas­si­schen Leh­rers immer mehr ein­schrän­ken.
Natür­lich erhält die­ses Sys­tem in Kuba einen ganz eige­nen Zuschnitt, und natür­lich spie­len soziale Bedin­gun­gen eine Rolle. Unser Land lebt seit quasi 25 Jah­ren in einer per­ma­nen­ten Wirt­schafts­krise, das hin­ter­lässt Spu­ren und hat Aus­wir­kun­gen vor allem auf die junge Gene­ra­tion, und da zual­ler­erst auf Kin­der aus ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen, dar­auf, wie sie das Leben anpa­cken. Oft gibt es zuhause Pro­bleme und drän­gen wirt­schaft­li­che Nöte. Gerade sie soll­ten in der Schule nicht noch­mals auf solch nega­tive Mecha­nis­men sto­ßen, son­dern – das wäre wün­schens­wert und wich­tig – auf jeman­den wie Car­mela.” Ernesto Dar­a­nas

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Kuba 2014, 108 Min., spa­ni­sche OmU
Buch und Regie: Ernesto Dar­a­nas
Kamera: Ale­jan­dro Pérez
Schnitt: Pedro Suá­rez

Mit Alina Rodrí­guez, Armando Val­dés Freire, Sil­via Aguíla, Yuliet Cruz, Armando Gomez

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